Metallindustrie RHEINPFALZ Plus Artikel Ein „echter Brocken“ auf dem Tisch

Maßarbeit wird auch nötig sein, wenn die Metall-Tarifparteien bei den im Dezember beginnenden Verhandlungen eine Einigung finden
Maßarbeit wird auch nötig sein, wenn die Metall-Tarifparteien bei den im Dezember beginnenden Verhandlungen eine Einigung finden wollen.

Kommende Woche beschließt die IG Metall endgültig ihre Forderung für die Metall-Tarifrunde, Mitte Dezember beginnen die Verhandlungen. Johannes Heger, Präsident von Pfalzmetall, wird dann in neuer Funktion am Verhandlungstisch sitzen. Er pocht auf Erleichterungen für Unternehmen in Schwierigkeiten.

Seit sieben Jahren ist Johannes Heger Präsident der Metall-Arbeitgeber in der Pfalz. In dieser Zeit hat Heger, Chef der Heger Gruppe mit Hauptsitz im westpfälzischen Enkenbach, an zahlreichen Tarifverhandlungen teilgenommen. Aber die Aufgabe, vor der er ab Mitte Dezember steht, ist für ihn in doppelter Hinsicht neu: Zum einen ist Heger erstmals Verhandlungsführer für die Mittelgruppe, zu der sich die regionalen Arbeitgeberverbände aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen zusammengeschlossen haben. Zum anderen stehen die Verhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie angesichts der Corona-Krise unter ganz eigenen Vorzeichen.

Wer Verhandlungsführer ist, darf nicht nur die Gegenseite im Blick haben. Und so zählt für Johannes Heger die Fähigkeit und Bereitschaft, die eigenen Leute „mitzunehmen“, zu den wichtigsten Aufgaben in dieser Position. Es gehe um Glaubhaftigkeit, um „Authentizität“, sagt Heger. Und die verkörpert in einem Unternehmerverband in der Regel am besten – ein Unternehmer. Einer wie der 54-jährige Heger, der in seiner Spezial-Gießerei an vier Standorten 270 Mitarbeiter beschäftigt. Schon vor der Corona-Krise sei das Klima für sein Unternehmen rauer geworden, sagt Heger, was vor allem am kriselnden Geschäft mit Windrädern liege. Und dann kam die Pandemie. „Überhaupt nicht gut“, so beschreibt Heger die derzeitige Lage seines Unternehmens – eine Einschätzung, die derzeit landes- wie bundesweit in vielen Betrieben vorherrscht. Laut Pfalzmetall ist der Branchenumsatz in der Pfalz seit Beginn der Corona-Krise um 20 Prozent zurückgegangen, die Beschäftigung sei um 10 Prozent gesunken.

IG-Metall-Forderung „echter Brocken“

Angesichts solcher Zahlen sei die Forderungsempfehlung der IG Metall ein „echter Brocken“, sagt Heger. Die Gewerkschaft strebt eine Erhöhung der Gehälter für die bundesweit rund 3,8 Millionen Beschäftigten um bis zu 4 Prozent an. Dieses Geld soll nach den Vorstellungen der IG Metall auch dazu verwendet werden können, um Beschäftigten einen Teil ihres Einkommensverlustes auszugleichen in Fällen, in denen die wöchentliche Arbeitszeit verkürzt wird. Wofür das Geld eingesetzt wird, soll auf betrieblicher Ebene entschieden werden.

Die IG Metall sieht in einer verkürzten Arbeitszeit ein geeignetes Instrument, um Beschäftigung zu sichern in Betrieben, die aufgrund struktureller Veränderungen ihre Kapazitäten nicht mehr auslasten können. Aus Sicht der Gewerkschaft verbleibe durch eine Vier-Tage-Woche zudem mehr Zeit für Weiterbildung.

Abschlüsse für ein Jahr aussetzen?

Was die IG Metall als gangbaren Weg preise, weise in Wahrheit eine „logische Delle“ auf, kritisiert Karsten Tacke, Hauptgeschäftsführer bei Pfalzmetall. Erstens sei die Forderung von bis zu 4 Prozent generell zu hoch. Außerdem passe es doch nicht zusammen, wenn die Gewerkschaft selbst einräume, dass viele Betriebe in Schwierigkeiten steckten, dann aber dennoch alle gleich belasten wolle, ob nun in Form höherer Löhne oder durch den ebenfalls kostenträchtigen Teillohnausgleich. Johannes Heger teilt diese Kritik, fordert Erleichterungen für Unternehmen in Nöten. So müsse es in der Corona-Krise einfacher möglich sein, zeitlich befristet von tarifvertraglichen Regeln abzuweichen. Dazu zählt Heger die Möglichkeit, den Abschluss für ein Jahr „auszusetzen“.

Er fordert die IG Metall zugleich auf, in Fällen, wo betriebliche Regelungen getroffen werden, dies auch tatsächlich den Betriebsparteien, sprich Unternehmensleitung und Betriebsrat, zu überlassen. „Die IG Metall reißt alles an sich“, kritisiert Heger. Die Forderung des designierten Gesamtmetall-Präsidenten Stefan Wolf, das ohne entsprechendes Lohnplus mehr gearbeitet werden soll, macht man sich in dieser Form bei Pfalzmetall nicht zu eigen. Vielmehr gelte: Wer mehr arbeite, solle auch mehr Geld bekommen. Umgekehrt müsse freilich das Gleiche gelten.

Lange Friedenspflicht

Es werden, daran besteht schon jetzt kein Zweifel, besondere Verhandlungen. Im Frühjahr, im Angesicht der damals für alle überraschenden Corona-Krise, war der geltende Tarifvertrag rasch und ohne den üblichen Theaterdonner bis zum Jahresende verlängert worden. Auch dieses Mal sei ein Signal notwendig, „dass wir es gemeinsam schaffen, aus der Krise herauszukommen“, appelliert Karsten Tacke.

Auch bei der IG Metall weiß man um die besonderen Schwierigkeiten, in einer solchen Situation Tarifverhandlungen zu führen. Das beginnt bei den Verhandlungen selbst, betrifft aber vor allem die Frage, wie man sich angesichts von Kontaktbeschränkungen gegebenenfalls Streikversammlungen, Kundgebungen und ähnliche Bestandteile eines Tarifkonflikts vorstellen soll. Nicht zufällig ist der Zeitraum, in dem verhandelt, aber nicht gestreikt werden darf, so weit wie möglich ausgedehnt worden; bis zum 1. März herrscht Friedenspflicht.

Wenn die ersten Verhandlungsrunden absolviert sind und es „ans Eingemachte“ geht, konzentrieren sich die Gespräche in der Metall- und Elektroindustrie traditionell auf einen Pilotbezirk. Dort wird dann um einen Abschluss gerungen, der anschließend, häufig mit regionalen Modifikationen, auf den Rest der Republik übertragen wird. In der Vergangenheit fungierten, mit wenigen Ausnahmen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen als Pilotbezirke. Dass es dieses Mal anders läuft, ist eher unwahrscheinlich, auch wenn Johannes Heger darauf verweist, dass die Mischung der Unternehmensformen und -größen beispielsweise in der Pfalz, aber auch in ganz Rheinland-Pfalz, „ausgewogener“ sei als in anderen Regionen.

Johannes Heger ist seit sieben Jahren Präsident von Pfalzmetall.
Johannes Heger ist seit sieben Jahren Präsident von Pfalzmetall.
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