Konjunktur RHEINPFALZ Plus Artikel „Die Zeit drängt!“ – Pfälzer Wirtschaft tief im Tal

Beim Einkaufen ist aus Händlersicht noch Luft nach oben – viele Kunden halten ihr Geld in unsicheren Zeiten lieber zusammen.
Beim Einkaufen ist aus Händlersicht noch Luft nach oben – viele Kunden halten ihr Geld in unsicheren Zeiten lieber zusammen.

Der Konjunkturbericht der IHK Pfalz fällt erneut ernüchternd aus. Gerade in der Industrie ist das Geschäftsklima noch rauer geworden. Es gibt aber Hoffnungsschimmer.

Es gibt einige Lichtblicke. Die Stimmung aber ist insgesamt weiter schlecht in der pfälzischen Wirtschaft. Der Herbst-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz zufolge schätzt mehr als ein Drittel der Unternehmen die eigene aktuelle Lage als schlecht ein.

Auch die Geschäftserwartungen haben sich den Angaben zufolge im Vergleich zur vorigen Umfrage im Frühsommer nicht erholt. Nur 13 Prozent der Befragten gehen von einer konjunkturellen Erholung in den nächsten zwölf Monaten aus.

Warten auf echte Reformen

Als Hauptgrund für die tiefe Tristesse macht die IHK das Warten auf den von der Bundesregierung angekündigten „Herbst der Reformen“ aus. Viele Entscheider in pfälzischen Unternehmen sind enttäuscht, dass den Worten der Regierung nicht schon mehr Taten und sichtbare Ergebnisse gefolgt sind.

Albrecht Hornbach, Präsident der IHK Pfalz, die rund 80.000 Mitgliedsunternehmen von der Imbissbude bis zum Weltkonzern BASF vertritt, zeigt sich von der neuen Bundesregierung enttäuscht: „Die notwendigen Weichenstellungen für einen modernen Wirtschaftsstandort Deutschland fehlen noch“, sagt der Südpfälzer. „Die Milliardenpakete lösen nicht die grundlegenden Strukturprobleme in Deutschland – weder in den Sozialsystemen noch in der Wirtschaft.“ Die versprochenen Reformen seien dringend nötig. Nur so könne es einen sich selbst tragenden Aufschwung geben.

IHK-Konjunkturexpertin: „Die Zeit drängt!“

Vor allem Bürokratieabbau und Reformen in Sachen Renten- und Pflegeversicherung seien für längerfristigen wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands nötig, sagt Ruth Scherer, Konjunkturexpertin der IHK Pfalz, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Mit Blick auf die aktuellen Beschlüsse des Koalitionsausschusses in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sagt Scherer: „Hoffentlich werden die entsprechenden Reformvorhaben auch tatsächlich schnell umgesetzt. Die Zeit drängt!“

Das Ausgangsniveau ist niedrig, aber immerhin: Der Konjunkturklimaindex der IHK Pfalz hat den höchsten Wert in diesem Jahr erreicht. Mit 86 im Vergleich zu 85 im Frühsommer und vor allem zu den 76 Punkten zu Jahresbeginn schätzen die Unternehmen die ökonomische Gesamtsituation etwas optimistischer ein als zuletzt – auf allerdings sehr niedrigem Level. Etwas mehr Optimismus auf ebenfalls niedrigem Niveau – das gilt vor allem für den Handel.

Ihre aktuelle Geschäftslage bezeichnen in den Wirtschaftszweigen Industrie, Handel, Dienstleistungen und Gastgewerbe, die nach IHK-Angaben rund 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pfalz repräsentieren, ebenso viele Entscheider als gut wie im Frühsommer (je 18 Prozent).

Sorgen wegen Arbeitskosten

Branchenübergreifend gibt unverändert etwa die Hälfte der Unternehmen ihre Lage als zufriedenstellend an. 34 Prozent bezeichnen ihre Situation als schlecht. Die Einschätzung der eigenen Geschäftslage hat sich in der Industrie, wo vor allem viele Autozulieferer gerade arg zu kämpfen haben, nach unten entwickelt.

Nach einem kleinen Zwischenhoch im Sommer ist der IHK-Konjunkturklimaindex für die pfälzische Industrie auf 84 Punkte gesunken.

Im Groß- und Einzelhandel sind die 76 (zuvor 63) Gesamtpunkte trotz Besserung immer noch weit vom Indexwert 100 entfernt, der der Einschätzung „befriedigend“ entspricht.

Ein paar Lichtblicke

Lichtblicke neben der Aufhellung der zuvor noch trüberen Stimmung im Handel bietet das Dienstleistungsgewerbe in der Pfalz mit einem Konjunkturklimaindex von 98. Auch das Klima bei Hotels und Gaststätten ist gestiegen, von 83 auf 86 Punkte.

Zunehmend Sorgen bereiten den pfälzischen Unternehmen der zwischen Mitte September und Anfang Oktober bei rund 1300 Unternehmen erfolgten IHK-Umfrage zufolge die Nachfrage im Inland sowie die hohen Arbeitskosten. Gestiegene Gehälter und hohe Sozialversicherungsbeiträge belasten viele Firmen.

Schwacher Inlandsabsatz beklagt

Als Risiken fürs Geschäft in den kommenden zwölf Monaten legten nach Angaben der Befragten Arbeitskosten inklusive des steigenden Mindestlohns und schwacher Inlandsabsatz stark zu. „Die Stimmung ist insgesamt sehr gedämpft“, sagt Expertin Scherer der RHEINPFALZ. „Das entspricht dem, was wir dem Austausch mit den IHK-Kollegen aus ganz Deutschland entnehmen, dem bundesweiten Trend. Man hat den Eindruck, alles dümpelt vor sich hin, und viele Kunden halten ihr Geld zusammen.“ Hoffnung mache, sagt Scherer, dass Unternehmen sich womöglich „gesundschrumpfen“, um gestärkt aus der Krise zu kommen. Das geschehe oft durch Jobabbau, sagt Scherer, „aber der Arbeitsmarkt zeigt sich im Großen und Ganzen stabil“.

Hier geht es zu einem aktuellen RHEINPFALZ-Kommentar zur Lage der Wirtschaft.

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