Wirtschaft Der Umweltvorteil der Bahn wächst weiter

Der Transport von Gütern auf der Schiene ist deutlich umweltschonender als der per Lkw.
Der Transport von Gütern auf der Schiene ist deutlich umweltschonender als der per Lkw. Foto: Wolfgang klee/DB/frei

Der Vorsprung des Schienenverkehrs gegenüber anderen Verkehrsträgern wie Straße und Flugzeug hat nach Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) weiter zugenommen. Grund dafür sind vor allem der steigende Ökostrom-Anteil im Bahnverkehr und der zunehmende Einsatz energieeffizienterer Fahrzeuge.

Mehr Schienenverkehr schützt Umwelt und Klima – eine Binsenweisheit, die kaum noch jemand bestreitet, der ernst genommen werden will. Wie groß der Vorteil der Bahn tatsächlich ist, zeigen neue Zahlen des Umweltbundesamts (UBA). Demnach hat der Schienenverkehr seinen Vorsprung gegenüber Auto, Flugzeug und Lkw sogar noch weiter ausgebaut.

Bahn besonders im Güterverkehr überlegen

Besonders im Güterverkehr ist der Zug in Sachen Nachhaltigkeit klar überlegen. Pro beförderter Tonne und Kilometer erzeugt der Transport auf der Schiene nur noch 18 Gramm Treibhausgase. Das seien weniger als je zuvor, betont die Organisation „Allianz pro Schiene“, die von Umwelt- und Verbraucherverbänden sowie Gewerkschaften getragen wird. Allein in den vergangenen vier Jahren sei die spezifische Klimabelastung vor allem dank gestiegenem Ökostrom-Anteil um ein Viertel verringert worden. Tatsächlich zeigen die neuen UBA-Zahlen, die für das Jahr 2018 gelten, noch eindrucksvoller als bisher den Klimavorsprung der Bahn gegenüber dem Straßenverkehr. So erzeugt ein Lkw mit 112 Gramm Treibhausgasen eine sechs Mal höhere Klimabelastung. Bei anderen Schadstoffen sind die Unterschiede noch größer. Bei den Stickoxiden sind die Lkw-Emissionen sieben Mal größer, beim Kohlenmonoxid fast acht Mal. Auch beim Feinstaub schneidet die Schiene viel besser ab als Lkw und Binnenschiffe. Die Vergleichswerte basieren auf komplizierten Berechnungen. Das UBA erfasst für die verschiedenen Verkehrsmittel umweltrelevante Daten und hat zur Ermittlung und Aufbereitung das Computerprogramm Tremod entwickeln lassen. Mit diesem Modell sind Trend- und Szenario-Berechnungen im Zeitraum von 1960 bis 2030 möglich. Das Verfahren ist weithin anerkannt, die Daten werden von der Bundesregierung ebenso genutzt wie von den Autoherstellern und der Deutschen Bahn (DB). Im Personenverkehr fällt der Vorsprung der Bahn kaum geringer aus. Wer möglichst klimaschonend unterwegs sei will, ist auf der Schiene richtig. Im Fernverkehr erzeugt der Zug pro Person und Kilometer nur 32 Gramm Treibhausgase. Im Auto sind es mit 147 Gramm fast fünf Mal mehr, beim Inlandsflug sogar 230 Gramm und damit mehr als das Siebenfache.

Flugzeug am umweltschädlichsten

Fliegen ist die mit weitem Abstand umweltschädlichste Art des Reisens, das zeigt auch der neue Vergleich. So belastet ein Flug die Atemluft 24 Mal mehr mit Kohlenmonoxid als bei einer Zugfahrt, bei den Stickoxiden ist es das 25-fache. Auch der Feinstaub-Ausstoß ist pro Person und Kilometer weit größer als beim Auto oder der Zugfahrt. Nur der Fernbus kann im Umweltvergleich mit der Bahn mithalten und liegt bei den Treibhausgasen sogar mit 29 Gramm pro Personenkilometern vorn. Hier profitiere der Fernbus aber von den Berechnungsmethoden, heißt es bei der Allianz pro Schiene. Denn das UBA nehme als Basis den allgemeinen Strom-Mix in Deutschland. Dort sei der Anteil der erneuerbaren Energien aber deutlich geringer als bei den Bahnunternehmen. So bezieht die DB erhebliche Teile ihres Stroms bereits aus Wind- und Wasserkraft. In der Realität sei der Schienenverkehr daher noch umweltfreundlicher.

Fernzüge fahren mit Ökostrom

Der DB-Konkurrent Flixtrain, der unter anderem von Stuttgart über Heidelberg nach Berlin fährt, bezieht seinen Strom von Greenpeace. Auch der DB-Fernverkehr fährt – außer auf den wenigen verbliebenen Dieselstrecken wie beispielsweise nach Westerland und Oberstdorf – komplett mit Ökostrom. Dabei stellt sich allerdings dasselbe Problem wie für Haushaltskunden, die Ökostrom beziehen. Sie können mit der Wahl ihres Stromtarifs darüber mitbestimmen, welcher Strom ins Netz eingespeist wird. Der Strom, der bei ihnen aus der Steckdose kommt, ist aber deswegen nicht zwangsläufig Ökostrom. Wenn auf derselben Strecke ein ICE und ein Güterzug unterwegs sind, fahren sie mit demselben Strommix, dessen Ökostrom-Anteil beim Bahnstrom immerhin schon deutlich höher ist als im übrigen Netz.

DB-Fernverkehr trägt Ökostrom-Mehrkosten

Der Fernverkehr kann deswegen behaupten, dass er mit 100 Prozent Ökostrom fährt (und damit bessere CO2-Werte erreicht als der Fernbus), weil er bereit ist, sich die mit dem Ökostrom verbundenen Mehrkosten zurechnen zu lassen. Im deutlich kostensensibleren Güterverkehr liegt der Ökostrom-Anteil dagegen erheblich niedriger; einen Transport mit 100 Prozent Ökostrom gibt es nur, wenn der Kunde einen Aufpreis zahlt. Diese Option nutzen nur relativ wenige DB-Kunden, zu denen beispielsweise Audi für Transporte von Neckarsulm zum Hafen Emden gehört. In den Pro-Kopf-Berechnungen legt das UBA unterschiedliche Auslastungen der Verkehrsmittel zugrunde. Beim Pkw werden 1,5 Personen angesetzt, beim Flugzeug 71 Prozent, im Bahn-Fernverkehr 56 Prozent und beim Fernbus 55 Prozent. Bei der Ermittlung der Schadstoffbelastungen sind auch die Emissionen eingerechnet, die bei der Erzeugung und Bereitstellung von Strom, Benzin und Kerosin entstehen.

Im Nahverkehr Schiene besser als Bus

Der Nahverkehr wird gesondert untersucht. Auch hier kann die Eisenbahn mit 58 Gramm Treibhausgasen punkten, auch im Vergleich zum Linienbus (80 Gramm). Die Auslastung der Regionalzüge ist mit 28 Prozent zwar deutlich niedriger ist als im Fernverkehr, aber immer noch besser als in den Linienbussen (19 Prozent). Auch für Straßen-, Stadt- und U-Bahnen wird eine durchschnittliche Auslastung von 19 Prozent angesetzt. Da sie fast immer elektrifiziert sind, fällt ihre Klimabelastung mit 58 Gramm pro Fahrgast und Kilometer nicht höher aus als bei den Regionalzügen und sehr viel niedriger als bei einer Autofahrt.

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