Wirtschaft Das digitalisierte Stammwerk
«Ludwigshafen». Der demografische Wandel, die Digitalisierung und der Verkehr: Das sind für BASF-Vorstandsmitglied und Standortleiter Michael Heinz drei große Herausforderungen für das Ludwigshafener Stammwerk des Chemiekonzerns mit seinen rund 34.500 Mitarbeitern.
Eine wachsende Anzahl Mitarbeiter gehe in den kommenden Jahren in Rente, sagte Heinz, der auch Arbeitsdirektor ist. Derzeit seien das rund 250 jährlich, diese Zahl werde aber bis 2028 auf 1000 ansteigen (siehe Bericht auch auf Seite 1). Ein Demografie-Cockpit erfasse bereits 60 Prozent der rund 200 Betriebe im Stammwerk. Für jeden Betrieb könne dieses IT-basiert Werkzeug die jeweilige Altersstruktur der Mitarbeiter, ihren Ausbildungsstand und einen demografischen Ausblick aufzeigen. Ein Projekt Wissenstransfer bereite systematisch das Wissen in den einzelnen Betrieben auf und dokumentiere es. Für die kommenden Jahre rechnet er mit einer leicht rückläufigen Mitarbeiterzahl im Stammwerk. Die Digitalisierung im Werk erfasse Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung sowie Geschäftsmodelle. Als Beispiel nennt er ein Projekt, bei dem zu einer Anlage, vor der man steht, auf einem Pad gewünschte Informationen digital abgebildet werden. Dies sei bereits in zehn der rund 200 Betriebe in Ludwigshafen und in fünf Betrieben in den USA eingeführt worden und dies solle nun mit 70 weiteren Anlagen fortgesetzt werden. Die BASF investiere jährlich einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in die Digitalisierung des Stammwerkes. Die Summe aller Investitionen im Stammwerk von 2016 bis 2020 bezifferte Heinz mit 6 Milliarden Euro. Als weiter Herausforderung nannte er den 2019 beginnenden Abriss einer 1,8 Kilometer lange Hochstraße und Hauptverkehrsader durch Ludwigshafen. Die BASF tue sehr, sehr viel dafür, die Verkehrsbehinderungen dadurch so gering wie möglich zu halten. Heinz kündigte für Oktober eine Befragung aller Mitarbeiter zur Mobilität an. Die BASF sammle zudem Ideen für einen Werkzeugkasten der Angebote. Dazu gehöre etwa die, Stellen in der Region einzurichten, von denen Busse BASF-Mitarbeiter direkt ins Werk an ihre Produktionsstätten fahren. Er sei nach nun 137 Tagen als Standortleiter für das Stammwerk in seiner Aufgabe gut angekommen, sagte Heinz gestern. Der gebürtige Mannheimer, der seit 1984 bei der BASF arbeitet, sagte, er führe viele Gespräche und gehe einmal pro Woche in einen der Betriebe. Er habe die Themen kennengelernt, die die Mitarbeiter beschäftigten. Ihm sei es wichtig, Entwicklungen richtig zu erklären, sie in einen größeren Zusammenhang zu stellen und den Standort in eine sichere und nachhaltige Zukunft zu führen. Das wollten die Aniliner auch. Zur Stimmung im Werk sagt er, sie sei bei 80 Prozent der Mitarbeiter Okay. Der Arbeitsdruck sei hoch im Stammwerk, räumte Heinz ein. Es müsse aber ein gewisser Druck auf dem Kessel sein, fügte er hinzu, der dürfe nur nicht zu hoch werden. Den Ausgang der Bundestagswahl wollte Heinz gestern nicht kommentieren, auch nicht das Ergebnis der AfD. Gefragt nach dem Umgang mit Mitarbeitern, die sich für die AfD engagierten, sagte er, die BASF respektiere die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen. Und fügte hinzu: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit am Arbeitsplatz dulde die BASF nicht. Aktienchart, Nils fragt