Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Das abrupte Ende der Ära Heer bei Südzucker

Wolfgang Heer hat seit 1987 für den Südzucker-Konzern gearbeitet.
Wolfgang Heer hat seit 1987 für den Südzucker-Konzern gearbeitet. Foto: Südzucker

Der künftige Chef des Südzucker-Konzerns Niels Pörksen war 17 Jahre bei der BASF beschäftigt.

Kurz vor seinem 64. Geburtstag und knapp ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags ist Südzucker-Chef Wolfgang Heer abgetreten – offenbar nicht freiwillig. Sein Nachfolger Niels Pörksen war rund 17 Jahre bei der BASF tätig, bevor er 2009 zu Nordzucker wechselte.

Südzucker-Chef und Handball-Fan

Häufig verdienen hochkarätige Manager ihr Geld in Ludwigshafen, wohnen aber anderswo – beispielsweise in Neustadt oder Heidelberg. Umgekehrt war es lange Zeit beim Vorstandsvorsitzenden des Mannheimer Südzucker-Konzerns. Sowohl Theo Spettmann (von 1995 bis 2009 Südzucker-Chef, 2015 verstorben), als auch sein Nachfolger Wolfgang Heer wohnten als Südzucker-Chef in Ludwigshafen und engagierten sich für das Handballteam der TSG Friesenheim (heute Eulen Ludwigshafen).

Im Vergleich zur heutigen Situation wirkte der Wechsel von Spettmann zu Heer 2009 geradezu idyllisch, obwohl der Südzucker-Konzern auch damals nach der Reform der EU-Zuckermarktordnung in einer schwierigen Situation war und wegen hoher Firmenwertabschreibungen im Geschäftsjahr 2006/07 erstmals rote Zahlen geschrieben hatte. Der Vorstandsvorsitz blieb 2009 gewissermaßen in der Südzucker-Familie, der neue Chef Wolfgang Heer war seit 1987 in verschiedenen Funktionen für den Konzern tätig.

Unfreiwilliger Abgang

2020 sieht alles anders aus. Heer legte sein Amt knapp ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags nieder – und zwar offenbar nicht freiwillig. Darauf deutet die Formulierung „im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ hin. Geht ein Manager aus eigenem Antrieb wird in aller Regel die Formulierung „auf eigenen Wunsch“ gewählt. Heer war in den vergangenen Jahren mit einer Situation konfrontiert, die noch weit schwieriger war als die rund zehn Jahre zuvor. Der Versuch, auf die EU-Zuckermarktliberalisierung mit einer Exportoffensive zu reagieren und dabei auch den Weltmarkt ins Visier zu nehmen, scheiterte am unerwartet dramatischen Zuckerpreisverfall. Heer sah sich gezwungen, das Ruder herumzureißen. Der Kurswechsel war mit Personalabbau und Werkschließungen verbunden. Im Zuckersegment schreibt der Konzern derzeit operativ rote Zahlen.

Nachfolger kein Südzucker-Eigengewächs

Der Nachfolger Heers kommt nicht aus dem Südzucker-Konzern, sondern von dem australischen Agrarchemikalienunternehmen Nufarm. Niels Pörksen war von 1992 bis 2009 bei der BASF tätig, unter anderem als Leiter des Unternehmensbereichs Pflanzenschutz Deutschland, Österreich, Schweiz und Benelux und zuletzt als Leiter Globales strategisches Marketing Fungizide, bevor er 2009 zu Nordzucker wechselte. Der Kontrast zu den Südzucker-Eigengewächsen Spettmann und Heer, die praktisch ihr ganzes Berufsleben im Südzucker-Konzern verbracht haben, ist frappierend.

Werk in Neu-Offstein behält Bedeutung

Trotz aller Probleme der Zuckersparte dürfte sich allerdings an der zentralen Bedeutung des pfälzischen Werks Neu-Offstein für den Südzucker-Konzern nichts Wesentliches ändern, auch wenn der künftige Südzucker-Chef sich dem Werk sicher nicht so verbunden fühlt wie das bei Spettmann der Fall war.

Niels Pörksen arbeitete von 1992 bis 2009 für die BASF.
Niels Pörksen arbeitete von 1992 bis 2009 für die BASF. Foto: Südzucker
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