Jahresbilanz RHEINPFALZ Plus Artikel Daimler Truck hofft auf „Elektro-Flaggschiff“

Seit dem 1. Oktober 2024 ist Karin Radström Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck.
Seit dem 1. Oktober 2024 ist Karin Radström Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck.

Vor allem in Europa ist die Nachfrage nach Fahrzeugen aus Wörth eingebrochen. Dabei sind die Konkurrenz und mögliche US-Zölle nicht die einzigen Baustellen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2025 erwartet der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck angesichts der weiter schwachen Nachfrage in Europa einen Umsatz zwischen 52 und 54 Milliarden Euro, allerdings mit einem zwischen 8 und 15 Prozent höheren bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Dieser lag 2024 mit rund 4,7 Milliarden Euro etwa 15 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das teilte Daimler Truck am Freitag bei der Präsentation der Jahreszahlen am Stammsitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mit.

Allerdings, schränkte Vorstandschefin Karin Radström ein, hänge dies von der weiteren weltweiten geopolitischen Entwicklung ab – auch von eventuellen Einfuhrzöllen, die US-Präsident Trump verhängen könnte.

Sparprogramm bis 2030

Hoffnung schöpft das Unternehmen aus dem im Schlussquartal 2024 um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegenen Auftragseingang auf 124.046 Bestellungen. Zudem verwies Vorstandschefin Karin Radström auf das geplante Effizienzprogramm. Bis 2030 sollen die jährlichen Fixkosten durch Einsparungen unter anderem bei Material und Personal, aber auch beim Verkauf und der IT in Europa um mehr als 1 Milliarde Euro sinken. Ausgenommen vom Sparprogramm ist die Bussparte, zu der das Mercedes-Benz-Werk in Mannheim gehört.

Unter Druck steht vor allem die Kernmarke Mercedes Benz Trucks. Die Fahrzeuge der Marke werden zu einem großen Teil im südpfälzischen Wörth gefertigt. Wie viele Arbeitsplätze vom Sparprogramm und wie stark das weltweit größte Lkw-Werk in Wörth mit rund 9800 Mitarbeitern davon betroffen sein werden, ließ Radström mit Verweis auf laufende Verhandlungen mit dem Betriebsrat weiter offen. Finanzchefin Eva Scherer bestätigte aber, dass der Fokus auf Deutschland liege und der „Zukunftsvertrag 2030“, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, nicht in Frage gestellt werde.

Weltweiter Absatz geht zurück

Nach Angaben des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Michael Brecht liegen die Positionen von Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung „noch weit auseinander“. Der Betriebsrat sei weiter zu konstruktiven Gesprächen bereit und habe den Vorstand aufgefordert, „verhandlungsfähige Vorschläge zu machen, die in eine wachstumsorientierte Gesamtstrategie eingebettet sind“.

Weltweit ging der Absatz im Geschäftsjahr 2024 um 12 Prozent auf 460.409 Fahrzeuge zurück und lag damit deutlich unter der Prognose zu Beginn des Geschäftsjahres. Im Jahr zuvor hatte der seit 2021 eigenständige Konzern Rekordzahlen erreicht. Der Umsatz lag bei 55,8 Milliarden Euro, weltweit verkaufte Daimler Truck rund 526.000 Lkw und Busse.

E-Fahrzeuge legen zu

Zugelegt hat Daimler Truck 2024 hingegen beim Absatz von batterieelektrischen Fahrzeugen und Bussen. Dieser stieg um 15 Prozent auf 4035 Fahrzeuge. Deutlich schwächer ist die Nachfrage sowie das bereinigte Ebit vor allem in Europa und Asien, während der Konzern in Nordamerika trotz leichten Absatzrückgangs ein um 3 Prozent besseres Ergebnis erzielte. Zugelegt hat beim Umsatz und beim bereinigtem Betriebsergebnis auch die Bussparte mit Zuwächsen von 8 beziehungsweise 17 Prozent. Konzernweit lag die bereinigte Umsatzrendite 2024 bei 8,9 (2023: 9,9) Prozent. Für 2025 erwartet der Konzern einen Wert zwischen 8 und 10 Prozent.

Ziel von Aufsichtsratschef Joe Kaeser ist eine deutliche Steigerung. Mit dem Kostensenkungsprogramm verbindet das Kontrollgremium die Erwartung, in einigen Jahren mit Wettbewerbern gleichzuziehen und eine Rendite von bis zu 15 Prozent zu erreichen.

Produktion in Wörth sinkt

Im Werk Wörth sank die Produktion 2024 im Vergleich zum Vorjahr stark: um 36.000 auf rund 61.000 Fahrzeuge, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Wie viele eActros 600 darunter waren – die Serienfertigung startete Ende November – ließ der Konzern auf Nachfrage unbeantwortet. Nach Angaben von Standortleiter Andreas Bachhofer werde die Produktion des „Elektro-Flaggschiffs“ derzeit sukzessive hochgefahren. Radström betonte am Freitag, dass auf dem eActros 600 „große Hoffnungen ruhen“.

Trotz des schwächeren Ergebnisses und eines verhalten optimistischen Ausblicks reagierte die Börse nach deutlichen Verlusten in den Vortagen zunächst positiv. Der Hauptversammlung Ende Mai will der Vorstand eine Dividende in Vorjahreshöhe von 1,90 Euro pro Anteilsschein vorschlagen. Deutlich geringer fallen die Boni für die rund 25.000 Tarifbeschäftigten in Deutschland aus. Sie erhalten 4140 Euro – nach 7000 Euro im Rekordjahr 2023.

Erste Schritte in die Zukunft

Mehr finanziellen Spielraum, aber auch höhere Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit im globalen Wettbewerb verspricht sich Vorstandschefin Radström vom verschärften und vom Betriebsrat kritisierten Sparkurs. Ziel sei, der weltweit beste Nutzfahrzeughersteller zu werden.

Erste Schritte auf dem Weg, Daimler Truck „zukunftsfest aufzustellen“ seien eingeleitet, sagte Radström. So wurden die Geschäfte von Daimler Truck in China und Indien mit Mercedes Benz Trucks in Europa und Lateinamerika zusammengelegt. Ob das auch Verlagerungen bei der Fertigung nach sich ziehen könnte, ließ die Unternehmensspitze am Freitag ebenfalls unbeantwortet.

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