Wirtschaft Champagnerart seit 180 Jahren

Gemeinsam mit seinem technischen Betriebsleiter Achim Eberle (Mitte) engagiert sich Johann Fitz (links), immer unterstützt von s
Gemeinsam mit seinem technischen Betriebsleiter Achim Eberle (Mitte) engagiert sich Johann Fitz (links), immer unterstützt von seinem Vater Konrad Fitz, für die Reputation der ältesten Sektkellerei in Rheinland-Pfalz.

Fitz-Ritter, ein Bio-Weingut mit exponierten Weinlagen und einer bewegten Geschichte. In neunter Generation führt Johann Fitz den VDP-Betrieb unweit des Riesenfasses. Etikette aus der Zeit um 1840, als die Flaschengärung nach Champagnermethode in der ältesten Sektkellerei in Rheinland-Pfalz ihren vielversprechenden Anfang nahm, zieren noch heute die Spitzenprodukte des Hauses.

Einer dieser besonderen Sekte ist der Hochbenn Riesling, Jahrgang 2012, cremig und weich, der beachtliche fünf Jahre auf der Hefe reifte. Er steht in einer Reihe mit prickelnden Spitzengewächsen, die ein Chardonnay Crémant brut krönt. Die Trauben reiften im Dürkheimer Abtsfronhof, einer Monopollage im Eigentum von Fitz-Ritter. Bio bedeutet für Johann Fitz und seine Mannschaft, alles zu unternehmen, um die Bodengesundheit und somit das Leben im Erdreich weiter zu verbessern. So respektvoll er dem Tun seines Vaters Konrad Fitz begegnet, so wenig verhehlt er: „Wir arbeiten eher wieder wie zu Zeiten meines Urgroßvaters“. Bei einem Durchschnitts-Hektarertrag von rund 6500 Litern heißt das: „Für weniger Menge betreiben wir einen deutlich größeren Aufwand als früher“. Entlastung gerade auch im Segment Sekt verspricht sich der 44-jährige Hausherr von der neuen Kellereihalle, die ihm die Chance bieten wird, „noch viel schonender zu arbeiten“. Dabei weiß er auch seinen Kellermeister und technischen Betriebsleiter Achim Eberle an seiner Seite. Beide werden künftig die mächtigen Kellergewölbe unter dem klassizistischen Gutshaus nur noch für die Flaschengärung nutzen und damit an die alte Tradition anknüpfen. Das Thema Sekt beschäftigt Fitz derzeit eminent. Ihm ist es wichtig, die Arbeitsweise weiter zu entwickeln und pflegt deshalb auch mit den Kollegen der Sektbranche einen intensiven Austausch. „Voneinander lernen wird immer wichtiger.“ Angesichts des ständig wachsenden Drucks wolle jetzt auch der VDP, der Verband Deutscher Prädikatsweingüter, ähnlich dem Wein eine Sektklassifikation festlegen, die etwa für „Große Lagen“ ein Hefelager von mindestens drei Jahren vorsehe. „Reputation und Nachhaltigkeit, darauf kommt es an“, betont Johann Fitz, der für seine Marke zukünftig nur noch das traditionelle Flaschengärungsverfahren sieht. Er will seinem Vater nacheifern, der bereits in den frühen 1980er Jahren mit Fitz-Ritter-Sekt für Furore sorgte. Als einziges deutsches Sektgut hat er sich damals an einem französischen Champagnerwettbewerb beteiligt und in der verdeckten Probe mit seinem Riesling „dosage zero“ ganz vorne mitgemischt. Konrad Fitz, mit seinen 84 Jahren noch immer jeden Tag im Betrieb, hat kontrolliert-umweltschonend fast ein halbes Jahrhundert seine Weinberge beackert und gemeinsam mit seiner Frau Alice, die engagiert den Export in ihre amerikanische Heimat ankurbelte, dem Gut zu internationalem Ansehen verholfen. Acht Jahre hatte Johann Fitz nach seinem Abitur in Kalifornien gelebt, an der Berkeley-Universität Wirtschaftswissenschaften studiert, ehe ihm klar wurde, was er wirklich wollte. Er kehrte zurück in den elterlichen Betrieb und setzte in Neustadt noch seinen Weinwirtschafter drauf, ehe er 2007 das Gut übernahm. Seither hat er die Betriebsfläche um gut 20 Prozent vergrößert, sein Areal mit Toplagen wie Spielberg oder Wachenheimer Mandelgarten komplettiert. Zehn Jahre ist das über 230 Jahre alte Weingut inzwischen bio-zertifiziert. Rund 60 Prozent der Jahresernte wird zu Wein, wobei der Riesling beim Sekt wie beim Wein die Marschrichtung vorgibt. Rund 70 Prozent der Trauben werden von Hand gelesen. Acht fest angestellte Mitarbeiter zählt das Traditionshaus, dazu kommen in der Regel zwei bis drei Auszubildende. Der Chefstratege des Unternehmens kümmert sich auch um den Verkauf und die Koordination des ständig wachsenden Eventgeschäfts. Den Jahresumsatz beziffert der Hausherr mit zuletzt 1,2 Millionen Euro. Auf Privatkunden entfallen rund 60 Prozent seiner Einnahmen. 15 Prozent davon gehen dabei auf das Konto des schon lange florierenden Online-Shops. 20 Prozent ordert die regionale Gastronomie, jeweils 10 Prozent Export-Partner und der Fachhandel. Mehr Rebfläche ist für Fitz kein Thema. Ihm ist es wichtiger, mit großen Gewächsen und Unikaten das Profil des Wein- und Sektgutes weiter zu schärfen und so Tradition und Innovation miteinander zu verschmelzen. Preisbeispiel —Dürkheimer Hochbenn Riesling brut, Jahrgang 2012, 14 Euro.

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