UNTERNEHMEN RHEINPFALZ Plus Artikel Bilfinger: Wachstum dank grüner Energie – aber Aktienkurs bricht ein

Auch am Hauptsitz in Mannheim setzt Bilfinger auf flachere Hierarchien.
Auch am Hauptsitz in Mannheim setzt Bilfinger auf flachere Hierarchien.

Der weltweit tätige Dienstleister Bilfinger freut sich über gute Geschäfte beim Umrüsten der Industrie auf nachhaltige Technologie. Dennoch bricht der Aktienkurs ein. In der Verwaltung soll gespart werden. In der Pfalz hat der Konzern rund 500 Mitarbeiter.

Sonnenenergie, Wasserstoff, Windkraft und Projekte mit Wärmespeicher-Möglichkeiten aller Art sind für viele Unternehmen gerade große Umsatz- und Gewinnbringer. So profitiert auch der Bilfinger-Konzern, der weltweit 31.279 Mitarbeiter beschäftigt, vom Umbau der Industrie in Richtung Nachhaltigkeit.

Der Trend, dass Unternehmen wegen der extrem stark gestiegenen Energiepreise mehr denn je auf sparsamere, effizientere Anlagen setzen, hilft dem Industriedienstleister mit Hauptsitz in Mannheim.

„Wir sehen weltweit große Investitionen in grüne Energie“, sagt Thomas Schulz, der seit 1. März dieses Jahres Vorstandsvorsitzender bei Bilfinger ist. Entsprechend zufrieden zeigt sich Schulz mit der Entwicklung des Konzerns. Bilfinger unterstützt Unternehmen bei der Planung und beim Bau von Anlagen, bietet Instandhaltung und Inspektion von Industrieanlagen an. Ein wichtiger Bilfinger-Kunde ist auch der Chemiekonzern BASF. Daher sitzt knapp die Hälfte der 970 Bilfinger-Mitarbeiter aus der Metropolregion Rhein-Neckar in Ludwigshafen. Deutschlandweit hat Bilfinger, das 2021 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, 6350 Mitarbeiter.

Dickes Plus im Ausland

Ungeachtet der gesamtwirtschaftlichen Krisenstimmung spricht Vorstandschef Schulz für sein Unternehmen von einem „hervorragenden dritten Quartal“ in diesem Jahr. „Energiewende, Effizienz und Nachhaltigkeit bleiben treibende Faktoren.“

Der Umsatz im dritten Quartal 2022 ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf 1,075 Milliarden gestiegen, der Gewinn (Ebita) beträgt 37 Millionen Euro, die Gewinnmarge liegt mit 3,4 Prozent aus dem operativen Geschäft auf Vorjahresniveau. „Für die Bilfinger-Gruppe sehen wir weiterhin eine sehr, sehr positive Entwicklung“, sagt Schulz.

Dass Bilfinger weltweit per 30. September 2022 rund 1300 Mitarbeiter mehr hatte als ein Jahr zuvor, liegt vor allem an größeren Instandhaltungs-Aufträgen in Großbritannien und im Mittleren Osten. Dort hat der Industriedienstleister kräftig Personal aufgebaut. So war unter den Bestelleingängen im dritten Quartal von 1,118 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 917 Millionen Euro) ein wichtiger Auftrag des Energieunternehmens Saudi Electricity Company aus Saudi-Arabien. Eine hohe Nachfrage kommt laut Schulz auch aus Nordamerika. „Europäische Technik“, sagt der Bilfinger-Boss, „ist ein Verkaufsschlager – in Europa und weltweit.“

Fernkältenetz zur Klimatisierung

Als Beispiel für innovative Bilfinger-Projekte nennt Schulz das Fernkältenetz der Stadtwerke München zur ressourcenschonenden Gebäudeklimatisierung gerade in heißen Sommermonaten. Das bringe eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz mit sich. Ein interessantes Fernwärmespeicherprojekt gebe es in Heidelberg, Energiespeicherung generell nennt Schultz als wichtiges Zukunftsthema. „Bilfinger wird sich ausschließlich auf die Effizienz- und Nachhaltigkeitsverbesserung unserer Kunden ausrichten“, sagt Schulz. „Industriesegmente und Regionen mit profitablem Wachstum stehen im Zentrum der Strategieentwicklung.“

Trend zur Deglobalisierung

An der Prognose für das Gesamtjahr 2022 und an seinem Aktienrückkaufprogramm hält Bilfinger fest. Umsatz und operatives Ergebnis sollen deutlich wachsen. Ein Effizienzsteigerungsprogramm mit Umorganisation und flacheren Hierarchien wird das Ergebnis zunächst mit einmalig 60 Millionen Euro belasten. Diese Ankündigung ließ den Kurs der Bilfinger-Aktie am Mittwoch deutlich nachgeben.

Langfristig soll das Programm Einsparungen von 55 Millionen Euro pro Jahr bringen und helfen, die Gewinnmarge (Ebita) ab 2024 auf mindestens 5 Prozent zu treiben. „Interne Abläufe werden standardisiert“, sagt Schulz. Er setzt noch stärker auf gute Mitarbeiterschulung. „Aus- und Weiterbildung werden als Grundlage unseres Geschäftsmodelles festgelegt.“

Wachstumstreiber ist für Bilfinger auch das Pharma- und Biopharma-Segment. Es macht 5 Prozent des Konzernumsatzes aus – Tendenz steigend. Es würden kleinere, aber mehr Anlagen gebaut. Auch hier gehe der Trend – wie in Energiefragen – zur Deglobalisierung, sagt Schulz, um unabhängiger von einzelnen Anbietern zu werden. Für einen weltweit tätigen Industriedienstleister wie Bilfinger ein Gewinn bringendes Feld.

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