Arbeitsmarkt RHEINPFALZ Plus Artikel Bilanz 2023: Mehr Jobs – und mehr ohne Job

Das Gastgewerbe gehört zu den Branchen in Rheinland-Pfalz, in denen 2023 die Anzahl der Arbeitsplätze gegenüber dem Vorjahr gewa
Das Gastgewerbe gehört zu den Branchen in Rheinland-Pfalz, in denen 2023 die Anzahl der Arbeitsplätze gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist.

Die maue Konjunktur und die hohe Anzahl von Flüchtlingen sind wesentliche Einflussfaktoren für die Entwicklung des rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkts in 2023.

Wie hat sich die Beschäftigung 2023 entwickelt?
Die Beschäftigung „wächst und wächst und wächst“, beschrieb Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA), am Dienstag die Lage im zu Ende gehenden Jahr. Im Jahresvergleich stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 0,6 Prozent auf 1,48 Millionen. Als Referenzmonat für diesen Vergleich dient der März. Hochgerechnet bis September, werde die Zahl mit ziemlicher Sicherheit die Schwelle von 1,5 Millionen überschritten haben, wagte Schulz einen Ausblick.

Woher stammen die zusätzlichen Arbeitskräfte?
In den 9400 zusätzlichen Beschäftigungsverhältnissen finden sich vor allem Ausländer. Gegenüber 2022 stieg die Anzahl der ausländischen Beschäftigten um 13.400 oder 6,7 Prozent auf 213.600. Dagegen sank die Anzahl der deutschen Beschäftigten um 4000 auf knapp 1,27 Millionen.

Wie sieht es bei der Arbeitslosigkeit aus?
Trotz steigender Beschäftigung ist auch die Arbeitslosigkeit angewachsen. Im Schnitt waren 2023 landesweit etwa 110.600 Menschen ohne Arbeit; ein Plus von 7,9 Prozent gegenüber 2022. Die Arbeitslosenquote wird in diesem Jahr voraussichtlich 4,9 Prozent betragen, 0,3 Punkte mehr als im Vorjahr. Ein knappes Drittel der Jobsuchenden ist langzeitarbeitslos, das heißt schon mehr als zwölf Monate ohne Arbeit. Und mehr als die Hälfte der Arbeitslosen (55,6 Prozent) hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. Diese Ungelernten haben es besonders schwer, weil die allermeisten Betriebe eine Ausbildung zur Voraussetzung machen, um einen Bewerber einzustellen, hob Heidrun Schulz die Bedeutung eines Berufsabschlusses hervor.

Mehr Jobs, mehr Arbeitslose, wie passt das zusammen?
Viele Unternehmen versuchen ihre Mitarbeiter zu halten – neue Arbeitsplätze werden wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage in vielen Branchen aber häufig nicht angeboten. So ging die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen im Jahr 2023 um deutliche 16 Prozent auf 78.800 zurück. Das Hauptproblem sei, erläuterte Heidrun Schulz, dass es derzeit weniger Menschen gelinge, aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung zu wechseln.

Neben der mauen Konjunktur spielt beim Anstieg der Arbeitslosigkeit die wachsende Anzahl der arbeitssuchenden Flüchtlinge eine Rolle. Viele dieser Menschen hätten bislang Sprach- und Integrationskurse absolviert und stünden nun „schrittweise“ dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, erläuterte Schulz.

Wie ist die Situation bei Flüchtlingen?
Hier gilt es zu unterscheiden zwischen Menschen, die aus den acht Asylherkunftsländern (Afghanistan, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) nach Deutschland kommen, und denen, die wegen des russischen Angriffskriegs ihre Heimat in der Ukraine verlassen haben. In der ersten Flüchtlingsgruppe waren 2023 im Schnitt 11.400 Menschen ohne Arbeit – 15 Prozent mehr als 2022. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen in Rheinland-Pfalz liegt bei 10 Prozent.

Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind Hunderttausende, vor allem Frauen, nach Deutschland geflüchtet. Sie konnten, anders als Flüchtlinge aus anderen Ländern, von Anfang an von den Jobcentern betreut werden. Im zu Ende gehenden Jahr waren durchschnittlich 7300 Personen aus der Ukraine arbeitslos gemeldet – 51 Prozent mehr als noch 2022. Dieser hohe Zuwachs liegt unter anderem daran, dass viele dieser Menschen zwischenzeitlich ihre Sprach- und Integrationskurse beendet haben und nun eine Arbeit suchen. Ukrainerinnen und Ukrainer stellen 6,6 Prozent aller Arbeitslosen im Land.

Wie viele dieser Menschen haben eine Arbeit gefunden?
Laut BA hatten im März landesweit 5700 Personen aus der Ukraine eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das waren 3700 oder 185 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bis September dürfte sich diese Zahl sogar auf 6900 erhöht haben, schätzt BA-Regionalchefin Schulz.

Was bringt das Jahr 2024 am Arbeitsmarkt?
Im kommenden Jahr werde sich der Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz „verhalten stabil“ entwickeln, erwartet Heidrun Schulz und verweist dabei auf Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Demnach ist 2024 mit einem leichten Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu rechnen. Zugleich wird ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 3,4 Prozent prognostiziert; die Arbeitslosenquote würde dann um 0,1 Punkte auf 5,0 Prozent steigen. Grund für diesen vorausgesagten Anstieg sei vor allem, dass weitere Flüchtlinge eine Arbeit suchen werden.

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