Interview
Batterieforscher Janek: Der „Super-Akku“ kommt nicht
Überall begegnen wir dem Lithium-Ionen-Akku – im Handy, im Rasierapparat, im E-Auto. Wird das in zehn Jahren immer noch so sein? Oder werden wir da ganz andere Materialien begegnen?
Ich glaube, der Lithium-Ionen-Akku wird auch in zehn Jahren noch der Goldstandard sein. Es ist derzeit nicht erkennbar, dass sich bis dahin eine andere leistungsfähige Batterie mit so vielen unterschiedlichen positiven Eigenschaften durchsetzen könnte. Dazu muss man sich klarmachen: Lithium selbst speichert ja keine Energie. Vielmehr „vermittelt“ Lithium zwischen den Materialien, die die Energie speichern. Dazu zählen auf der einen Seite Kohlenstoff, auf der anderen Nickel, Kobalt, Mangan in Oxidform. Geforscht wird derzeit aber an Natrium als Ersatz für Lithium.
Im Periodensystem der chemischen Elemente ist Natrium ein Nachbar von Lithium. Mit ähnlich guten Eigenschaften?
Natrium, ein Bestandteil beispielsweise von Kochsalz, ist schwerer als Lithium. Das Tolle: Es ist auf der Welt in riesigen Mengen vorhanden. Im Gegensatz zu Lithium ist es nicht durch politische Entscheidungen verknappbar. Die Hoffnung ist, dass man günstige Natrium-Ionen-Batterien entwickeln kann. Wenn alles gut ginge, könnte dieser neue Batterie-Typ zumindest „Einsteiger“-Lithium-Ionen-Batterien ersetzen. Letztere wären aber wohl weiter Premiumware.
Wird es in ein paar Jahren die „Super“-Batterie fürs Auto geben?
Es wird, was die Energiedichte angeht, absehbar keine Riesensprünge mehr geben. Verbesserungen ja. Die Batterien werden noch schneller aufzuladen sein. Aber die Benutzer werden sich daran gewöhnen müssen, dass man im Zeitalter der Elektromobilität anders fährt. Zum Beispiel wird im Vergleich zum Benziner oder Diesel häufiger ein Zwischenstopp nötig sein, vor allem dann, wenn schwere Lasten transportiert werden. Das hängt aber natürlich sehr von der Größe der Batterie ab.
Mit den Natrium-Batterien ließe sich vermutlich auch das Problem entschärfen, dass derzeit die allermeisten Batteriezellen aus China kommen – wo viele der dafür notwendigen Rohstoffe natürlich vorkommen.
Nicht unterschlagen darf man: Die Chinesen haben sehr viel Geld und Know-how in die Entwicklung leistungsfähiger Batterien investiert! Bei allem, was mit Energie zu tun hat, gehen die Chinesen sehr strategisch vor. Für uns in Deutschland hat das durchaus Vorteile. Chinesische Produkte sind vergleichsweise günstig. Andererseits hat uns der Schwenk hin zu China ganze Industriezweige gekostet.
Sie spielen auf die Solarbranche an?
Ja. Wenn wir in Europa also weiterhin nur auf den Preis schauen und politische Fragen wie die Abhängigkeit ausblenden, werden wir Europäer auch bei den Natriumbatterien kaum erfolgreich sein. An denen forschen natürlich auch die Chinesen.
Sie arbeiten, als KIT-Forscher, mit dem Chemiekonzern BASF bei der Entwicklung von Batterien zusammen. Hat die deutsche Wirtschaft bei diesem Thema lange geschlafen?
Die BASF hat in den vergangenen 15 Jahren viel in die Forschung investiert. Die großen Chemiefirmen auf der Welt haben schon erkannt, dass sich hier für sie ein weites Geschäftsfeld auftut. Aber in den 1980er und 1990er Jahren schliefen viele der Aktivitäten auf diesem Gebiet, die nach den Ölkrisen in den 70er Jahren aufgenommen worden waren, wieder ein. Der Hauptgrund: Öl (und Gas) waren wieder konkurrenzlos billig. Und es herrschte der Gedanke vor: Batterien braucht man nur für die Unterhaltungselektronik. Und warum sollte man dabei mit den billig produzierenden Herstellern in Asien konkurrieren?
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