Wirtschaft
BASF will komplett auf Ökostrom umstellen
Die BASF will fossile Energieträger, die das klimaschädliche CO2 emittieren, durch Ökostrom ersetzen. Dafür würden neue Produktionsverfahren entwickelt, sagte Konzernchef Brudermüller der RHEINPFALZ. Das treibe die Energiewende voran.
Die BASF werde ihr anspruchsvolles Forschungs- und Entwicklungsprogramm für eine klimaschonende Chemieproduktion umsetzen und grundlegend neue emissionsarme Fabriken hinstellen. Das Ludwigshafener Stammwerk, das mit 35.342 Mitarbeitern und 200 Produktionsanlagen auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern das größte Chemie-Areal der Welt ist, würde bei voller Elektrifizierung künftig drei bis vier Mal so viel Strom benötigen wie heute. Und der müsse aus erneuerbaren Quellen stammen. Das Werk verbraucht derzeit 6,2 Millionen Megawattstunden Strom im Jahr. Allein die BASF werde riesige Mengen Ökostrom nachfragen. „Wir werden zeigen, dass wir die klimaschonenden Verfahren haben. Damit bekommen wir politisch deutlich mehr Gehör“, sagte Brudermüller im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Neue Stromleitungen und Windräder nötig
Klimaschutz sei zu Recht ein großes Thema in der Bevölkerung und in der Politik. Doch gleichzeitig seien 90 Prozent der Anträge für neue Windräder an Land wegen Einsprüchen vor Gericht und damit blockiert. Und der Bau der dringend benötigten Fernleitungen zum Transport von Offshore-Windstrom von der Ostsee und der Nordsee zu den Industriezentren im Süden Deutschlands komme viel zu langsam voran, beklagte Brudermüller.
Bedeutung des Stammwerks sinkt
Die Chemie brauche nicht nur sehr viel Ökostrom, um klimaneutral zu werden. Sondern sie sei auch auf niedrige Stromkosten in der Größenordnung von 4 Cent je Kilowattstunde angewiesen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Derzeit kostet Industriestrom für Großabnehmer 9 Cent. Offshore-Windparks könnten heute schon Strom für 4 bis 5 Cent liefern, sagte Brudermüller. Der Ausstoß von Kohlendioxid müsse in allen Sektoren teurer werden, aber gleichzeitig der Strompreis durch die Abschaffung von Steuern und Abgaben gesenkt werden.
Er sei zuversichtlich, dass das Stammwerk auch im Jahr 2050 – dann soll die deutsche Chemie treibhausgasneutral sein – ein wichtiger Standort mit Vorbildcharakter in der BASF-Gruppe sein werde. Aber die Bedeutung im Konzern werde weiter abnehmen, alleine schon, weil Asien im Jahr 2030 für zwei Drittel des globalen Chemiemarkts stehen werde. Wie Ludwigshafen dann dastehen werde, hänge stark davon ab, wie sich Deutschland und die EU industriepolitisch positionieren werden. „Wenn das gelingt, werden die Lichter nicht ausgehen. Ich bin geborener Optimist“, sagte Brudermüller.
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