Wirtschaft BASF: Phosgen-Verfahren ist sicher
Ludwigshafen. Zwei Vorfälle bei der BASF werfen Fragen nach Sicherheitsrisiken beim Umgang mit der hochgiftigen Chemikalie Phosgen auf. Am 27. Mai kam im südkoreanischen BASF-Werk Yeosu ein Mitarbeiter einer externen Firma mit Phosgen in Berührung. Am 9. Juni ist er an den Folgen des Arbeitsunfalls gestorben. Zu einem weiteren Phosgen-Ereignis kam es am 15. Juni beim Hochfahren der neuen TDI-Anlage in Ludwigshafen.
Die BASF macht geltend, dass sie das Produktionsverfahren, bei dem Phosgen verwendet wird, seit Jahren weltweit betreibe und weiterentwickle. Die BASF verfüge über langjährige Erfahrung bei der sicheren Umsetzung von Phosgen, sagte der Leiter des Werks Ludwigshafen, Uwe Liebelt. In Ludwigshafen kam es am 15. Juni in der neuen TDI-Anlage zu einem Phosgen-Austritt innerhalb einer Sicherheitskammer. Bei den Arbeiten zur Inbetriebnahme der Anlage trat in der Kammer ein Gasgemisch aus Stickstoff und Phosgen aus. Die BASF, die die Vorfälle jetzt auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigt hat, teilte mit, es sei über kurze Zeit eine geringe Menge des Gases aus einer Leitung ausgetreten. Zwei Mitarbeiter, die sich an einer einige Meter entfernten Stelle aufhielten, hätten die Kammer sofort verlassen. Ihre Phosgenplaketten, die die Konzentration anzeigen, hätten sich nicht verfärbt. Einer der Mitarbeiter habe über leichte unspezifische Beschwerden geklagt. Die beiden seien vorsichtshalber zur Beobachtung in die BASF-Ambulanz gebracht und untersucht worden. Es hätten sich keine auffälligen Befunde ergeben. Beide Mitarbeiter hätten die Ambulanz beschwerdefrei verlassen. Es seien keine weiteren Untersuchungen erforderlich gewesen. Das ausgetretene Gas sei in der geschlossenen Sicherheitskammer aufgefangen und entsorgt worden. Die Umweltmesswagen seien innerhalb des Werks unterwegs gewesen und hätten keine erhöhten Messwerte festgestellt. Es sei niemand verletzt worden. Und es seien keine Chemikalien ausgetreten, so die BASF. Im Fall des tödlichen Unglücks im südkoreanischen BASF-Werk mit 350 Mitarbeitern könnte menschliches Versagen eine Rolle gespielt haben. Zu solchen Chemieunfällen kann es kommen, wenn Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden. Bei der RHEINPFALZ fragten in jüngster Zeit im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der TDI-Anlage mehrere Leser nach, ob der Umgang mit Phosgen in der Nachbarschaft von Wohngebieten zu verantworten sei. Tatsächlich wird die Chemikalie weltweit an vielen Standorten – auch in der Nähe von Wohngebieten – unter anderem bei der Produktion von Isocyanaten verwendet. Aus Isocyanaten – dazu zählen die Chemikalien TDI und MDI – werden etwa Schaumstoffe, Klebstoffe und Lacke hergestellt. Der Einsatz von Phosgen in der Ludwigshafener TDI-Anlage neben einem Wohngebiet ist keine Ausnahme. Auch die TDI-Fabrik, die der Leverkusener Bayer-Konzern in Dormagen gebaut hat, steht am Rand der Stadt. Das Projekt in Dormagen gehört zur inzwischen aus Bayer ausgegliederten und an die Börse gebrachten Covestro AG. Wie die BASF-Anlage hat die Fabrik eine Jahreskapazität von 300.000 Tonnen TDI. Beide Anlagen sollten Ende 2014 in Betrieb gehen. Bayer gelang das auch. Doch der Zeitplan für das Ludwigshafener Projekt verzögerte sich um 19 Monate. Es besteht aus elf Einzelanlagen und ist mit gut 1 Milliarde Euro die größte Einzelinvestition der 151-jährigen BASF-Geschichte. Ein zu knapp bemessener Zeitplan und technische Probleme waren die Ursachen für die ungewöhnlich lange Verspätung. Seit Mitte August wird die Anlage, wie berichtet, über mehrere Monate nach und nach hochgefahren, bis sie auf vollen Touren laufen kann. Immissionsschutzrechtliche Genehmigungsbehörde für die TDI-Anlage der BASF im Stammwerk ist die Stadtverwaltung Ludwigshafen. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) in Neustadt ist als Fachbehörde einbezogen. Der Standort der TDI-Fabrik im BASF Werksteil Süd sei mit Öffentlichkeitsbeteiligung und Umwelt-Verträglichkeitsprüfung als geeignet eingestuft worden, so die SGD auf Anfrage. Das Phosgen werde im Produktionsverfahren in einer Sicherheitskammer hergestellt und sofort innerhalb dieser Kammer weiterverarbeitet, so die Behörde. Laut BASF wird Phosgen weder gelagert noch transportiert. Kommentar/Zur Sache