Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF mit starkem Geschäft

Die BASF zählte an ihrem Standort Ludwigshafen Ende vergangenen Jahres 38.371 Mitarbeiter.
Die BASF zählte an ihrem Standort Ludwigshafen Ende vergangenen Jahres 38.371 Mitarbeiter.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern präsentierte am Donnerstag sehr gute Geschäftszahlen. Die positiven Nachrichten waren jedoch überschattet vom Krieg in der Ukraine. BASF-Chef Martin Brudermüller verurteilte den Angriff Russlands. Und tat sich schwer damit, die wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen abzuschätzen.

„Es fällt schwer, am Tag nach dem Angriff von Russland auf die Ukraine zur Tagesordnung überzugehen“, sagte am Freitag BASF-Chef Martin Brudermüller. „Der gestrige Tag markiert das Ende des Friedens in Europa.“ Es sei „ein bitterer Tag für uns alle“, so Brudermüller weiter. „Noch vor kurzer Zeit hätte das keiner für möglich gehalten. Wir sind entsetzt über diesen Angriff und sehen die weitere Entwicklung mit großer Sorge.“

Zur Bilanzpressekonferenz am Freitag stellen die Journalisten zahlreiche Fragen zu den Folgen des Krieges in der Ukraine für die BASF. Konzernchef Brudermüller und Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel reagierten darauf mit großer Zurückhaltung. Es sei vermessen, jetzt schon die Auswirkungen abzuschätzen, sagte Brudermüller.

„Gute Zahlen im Januar“

Der Ludwigshafener Chemiekonzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz erwirtschaftet. „Es war ein starkes und erfolgreiches Jahr“, sagte Brudermüller. „Wir sind sehr stark in das Jahr gestartet und haben im Januar 2022 gute Zahlen über denen des Vorjahresmonats erzielt“, fügte er hinzu.

Der Umsatz der BASF-Gruppe lag 2021 mit 78,6 Milliarden Euro um 33 Prozent über dem des Vorjahres und ist damit der höchste der Unternehmensgeschichte. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (Ebit) vor Sondereinflüssen hat sich im Vergleich zu 2020 mehr als verdoppelt und belief sich auf 7,8 Milliarden Euro. Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Verglichen mit dem Niveau vor der Pandemie im Jahr 2019 ist dies ein Plus von 67 Prozent. Die positive Ergebnisentwicklung wurde nach Angaben der BASF vor allem von den Segmenten Chemicals (Chemikalien) und Materials (Grundprodukte und Kunststoffe) getragen. Aber auch die Segmente Surface Technologies (Oberflächentechnologien) und Industrial Solutions (Industrielösungen) trugen maßgeblich zur starken Erholung bei. „Wir haben die Verkaufspreise um 25 Prozent und die Mengen um 11 Prozent gesteigert“, so Brudermüller: „Alle Segmente erzielten im vergangenen Jahr sowohl Preis- als auch Mengensteigerungen.“

Hoher Erdgaspreis belastet

2021 haben höhere Rohstoffpreise und gestiegene Kosten für Energie und Logistik die Ergebnisentwicklung belastet, besonders im vierten Quartal. Für die europäischen BASF-Standorte beliefen sich die Mehrkosten durch die hohen Erdgaspreise im vergangenen Jahr auf rund 1,5 Milliarden Euro. Davon entfielen 0,8 Milliarden Euro allein auf das vierte Quartal. Brudermüller kündigte deshalb weitere „signifikante Preiserhöhungen“ in den kommenden Monaten an, um die deutlich gestiegenen Kosten weiterzugeben und die Margen wieder zu verbessern.

Die BASF bezifferte ihre CO2-Emissionen für 2021 mit 20,2 Millionen Tonnen, im Jahr zuvor waren es 20,8 Millionen Tonnen. „Dieser Rückgang ist bemerkenswert“, sagte Brudermüller, da gleichzeitig die Produktionsmengen stark gewachsen seien. Ziel des Konzerns ist es, seine CO2-Emissionen bis 2030 um 25 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2018 zu senken. Für 2022 erwartet die BASF CO2-Emissionen zwischen 19,6 Millionen und 20,6 Millionen Tonnen. Im schlechtesten Fall könnten sie also höher ausfallen als 2021. Auf Nachfrage sagte Brudermüller dazu, es sei nahezu unmöglich, hier eine punktgenau Vorhersage zu machen, deshalb müsse ein Korridor definiert werden. Dessen Mittelwert liege aber niedriger als der Wert für 2021.

Stillstand beim Stellenabbau

Für das laufende Jahr geht die BASF von einer moderateren Geschäftsentwicklung aus und erwartet einen Rückgang bei Umsatz und Betriebsergebnis gegenüber 2021. Das Unternehmen prognostiziert für 2022 einen Umsatz zwischen 74 Milliarden und 77 Milliarden Euro. Beim Betriebsergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen rechnet die BASF mit einem Wert zwischen 6,6 Milliarden und 7,2 Milliarden Euro.

Der Stellenabbau, den die BASF 2019 an ihrem Standort Ludwigshafen begonnen hat, ist offenbar zum Stillstand gekommen. Der Chemiekonzern zählte hier Ende vergangenen Jahres 38.371 Mitarbeiter. Das sind zunächst zwar 772 Beschäftigte weniger als ein Jahr zuvor. Diesen Personalrückgang führt die BASF vor allem auf den Verkauf des Pigmentgeschäfts Mitte 2021 an den japanischen Feinchemiekonzern DIC zurück. Mit dem Verkauf wechselten auch BASF-Mitarbeiter zu DIC. Nach Angaben des Konzerns arbeiteten 938 der weltweit 2600 Beschäftigten der BASF-Pigmentsparte in Ludwigshafen. Gemessen am Personalstand Ende September 2021 hat sich allerdings praktisch keine Veränderung bis Ende 2021 ergeben. Am Standort zählte der Konzern 14 Mitarbeiter weniger und im Stammwerk 21 Beschäftigte weniger als Ende September.

Äußerungen des BASF-Chefs Martin Brudermüller vom 27. Oktober 2021 deuten darauf hin, dass der Personalstand am Standort Ludwigshafen eher konstant bleiben wird. Das aktuelle Beschäftigungsniveau sei kein schlechter Indikator für die kommenden Jahre, hatte der BASF-Chef gesagt. Die Beschäftigtenzahlen am Standort würden in den nächsten Jahren nicht deutlich nach unten gehen. Dem BASF-Standort Ludwigshafen werden neben dem Stammwerk weitere Gruppengesellschaften in der Region zugerechnet. Das Stammwerk zählte Ende vergangenen Jahres 34.405 Beschäftigte, 79 weniger als ein Jahr zuvor.

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