Energie RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Milliardenprojekt in der Nordsee – ein König zur Einweihung des Mega-Windparks

Neue Stromquelle: der Windpark Hollandse Kust Zuid vor der niederländischen Nordseeküste. Die Rotorblätter der 139 Turbinen sind
Neue Stromquelle: der Windpark Hollandse Kust Zuid vor der niederländischen Nordseeküste. Die Rotorblätter der 139 Turbinen sind je 97 Meter lang.

Der Offshore-Windpark Hollandse Kust Zuid, eine der weltgrößten Anlagen dieser Art, ist an der niederländischen Nordseeküste eingeweiht worden. Die BASF ist einer der Inhaber des Energieparks. Mit seinen 139 riesigen Windrädern soll er dem Konzern helfen, seine Chemiewerke in Europa mit grünem Strom zu versorgen.

Viele große, finanzstarke Konzerne dieser Welt wollen sich nicht durch die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Energiepreise in die Enge treiben lassen. Sie suchen unter anderem die Weite des Meeres zur selbst organisierten Erzeugung von sogenanntem grünem Strom: Der niederländische König Willem-Alexander hat am Freitag den gigantischen Offshore-Windpark Hollandse Kust Zuid (HKZ; holländische Küste, südlicher Teil) gemeinsam mit Vorstandsvertretern von Vattenfall, BASF und Allianz eingeweiht. Hollandse Kust Zuid befindet sich im Besitz dieser drei Konzerne, dem Chemieriesen BASF, dem schwedischen Energieunternehmen Vattenfall und dem Versicherungs- und Finanzkonzern Allianz, die damit gemäß ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit unterschiedliche Interessen verfolgen.Vattenfall als Mehrheitseigner will mit HKZ mehr grüne Energie liefern. Die BASF ist in einem äußerst energieintensiven Wirtschaftszweig aktiv und benötigt möglichst günstig große Mengen grünen Stroms. Und die Allianz investiert Kundengelder vor allem zu Anlagezwecken in nachhaltige Projekte.

Der neue Riesen-Windpark liegt auf einer Fläche von 225 Quadratkilometern zwischen 18 bis 36 Kilometer weit in der Nordsee vor der niederländischen Küste zwischen den Städten Scheveningen und Zandvoort.

2024 voll betriebsbereit für BASF und Co.

Mit 139 Turbinen und einer installierten Leistung von 1,5 Gigawatt (GW) ist Hollandse Kust Zuid einer der größten Offshore-Windparks der Welt. Die jährliche durchschnittliche Stromproduktion der Anlage entspricht den Berechnungen zufolge je nach Windverhältnissen dem Verbrauch von rund 1,5 Millionen Haushalten. Der Windpark, der zum Teil schon seit August 2022 Strom erzeugt, wird nach Angaben der drei Unternehmen voraussichtlich 2024 voll betriebsbereit sein. Baubeginn war im Juli 2021, die letzte Turbine ist vor drei Monaten, im Juni 2023, installiert worden.

Mehrheitseigner Vattenfall

Vattenfall besitzt 50,5 Prozent der Anteile an dem Offshore-Windpark, Allianz 25,2 Prozent und die BASF 24,3 Prozent. Die BASF hatte Ende 2021 knapp die Hälfte ihrer zunächst 49,5 Prozent an die Allianz veräußert. Der Teilverkauf an den Finanzinvestor war nach BASF-Angaben zuvor schon so geplant. Seinen Stromanteil aus HKZ von knapp der Hälfte der produzierten Menge behält der Chemieriese dennoch.

Das finanzielle Engagement der BASF an dem weltweit ersten subventionsfreien Offshore-Windpark – weder der Bau noch der über ein Umspannwerk ins niederländische Netz eingespeiste Strom wird nach Konzernangaben subventioniert – ist unabhängig von dem Teilverkauf 2021 an die Allianz beträchtlich. Es liegt Expertenschätzungen zufolge bei einem niedrigen einstelligen Milliardenbetrag.

Versorgt BASF-Standorte in ganz Europa

Nach BASF-Angaben trägt HKZ erheblich zur Versorgung von Unternehmensstandorten in ganz Europa mit Ökostrom bei. „Hollandse Kust Zuid spielt eine wichtige Rolle bei unserer Transformation zu Net Zero“, sagt Martin Brudermüller, der Vorstandsvorsitzende der BASF. Net Zero (deutsch: netto null) bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen der Menge der produzierten und der der Atmosphäre entzogenen Emissionen zu schaffen. Die BASF will ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent senken und bis 2050 Netto-null-Emissionen erreichen. Dazu soll aus fossilen Brennstoffen gewonnener Strom durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden. „Rund die Hälfte des Stroms aus Hollandse Kust Zuid wird dafür genutzt, den CO2-Fußabdruck unserer Produkte an BASF-Standorten in Europa zu verringern“, sagt Brudermüller.

BASF bezieht langfristig grünen Strom

Die BASF bezieht diesen Strom aus einem langfristigen Liefervertrag mit Projektpartner Vattenfall. Der international sehr aktive schwedische Energieversorger will mit dem Strom aus HKZ unter anderem auch den Anteil an erneuerbarer Energie für seine niederländischen Kunden erhöhen.

Antwerpen, nach dem Stammwerk in Ludwigshafen der zweitgrößte BASF-Standort weltweit und der größte Chemie-Standort Belgiens, liegt nur rund 100 Kilometer Luftlinie von HKZ entfernt. Auch dieser Standort soll stark von dem neuen Riesen-Windpark profitieren.

Auch für die Allianz wichtig

Die BASF hat 2022 den Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen am Gesamtstromverbrauch mit 16 Prozent konstant gehalten. Der neue Windpark in der Nordsee soll als eines von mehreren Großprojekten rund um die Erneuerbaren dazu beitragen, den „grünen“ Stromanteil schrittweise stark zu erhöhen. Bis 2030 sollen 100 Prozent des weltweiten BASF-Strombedarfs von 2021 aus erneuerbaren Quellen stammen.

Am entstehenden Standort Zhanjiang in China baut die BASF mit dem chinesischen Partner Mingyang ebenfalls einen Offshore-Windpark. Er soll 500 Megawatt Leistung haben, also ein Drittel von HKZ. Der Windpark in China soll 2025 fertig sein und den neuen BASF-Standort mit grünem Strom versorgen. HKZ und Zhanjiang sind die bisher höchsten BASF-Investitionen in erneuerbare Erzeugungsanlagen. Ein größeres Solarkraftwerk in der Lausitz soll den dortigen Konzern-Standort Schwarzheide mit grünem Strom versorgen.

Künstliche Felsenriffe geschaffen

Auch für die Allianz ist der neue Windpark vor der niederländischen Küste ein Meilenstein beim Engagement für nachhaltiges Wirtschaften. „Die Allianz investiert Versichertengelder in erneuerbare Energien und besitzt mehr als 100 Wind- und Solarparks“, sagt der Vorstandsvorsitzende Oliver Bäte. „Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit BASF und Vattenfall unsere erste Direktinvestition in einen Offshore-Windpark feiern.“

Auch für das Leben im Meer wurde etwas getan: Künstliche Felsenriffe sollen Fischen und Krustentieren Lebensraum bieten. Für die Niederlande ist Hollandse Kust Zuid ein Schlüsselprojekt zur Versorgung mit erneuerbarer Energie.

Hier lesen Sie einen Kommentar zum Windkraft-Engagement der BASF und zum Standort Deutschland.

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