Wirtschaft BASF: Ersatzreaktor für TDI-Anlage kommt im März

Die TDI-Anlage der BASF in Ludwigshafen hat inzwischen mehr als 1 Milliarde Euro gekostet. Damit ist sie das größte Investitions
Die TDI-Anlage der BASF in Ludwigshafen hat inzwischen mehr als 1 Milliarde Euro gekostet. Damit ist sie das größte Investitionsprojekt in der Geschichte des Chemiekonzerns.

Das Ende des TDI-Albtraums der BASF rückt näher. Der riesige neue Phosgen-Reaktor, das Herzstück des Ludwigshafener Milliardenprojekts TDI-Anlage, werde Anfang März geliefert, teilte der Chemiekonzern auf Anfrage mit.

Der neue Phosgen-Reaktor mit den Ausmaßen eines Einfamilienhauses wird über den Rhein zum BASF-Stammwerk transportiert und dann per Spezialtransport zum Einsatzort gebracht. Das neue Teil wird mit einem Kran in ein Nebengebäude der 42 Meter hohen Phosgen-Sicherheitskammer der Anlage eingehoben. Derzeit liefen Wartungsarbeiten und Vorbereitungen für den anstehenden Wechsel des Reaktors, sagte ein BASF-Sprecher. Die TDI-Anlage wurde deshalb in der zweiten Januarhälfte stillgelegt. Im Lauf des zweiten Quartals 2018 solle der neue Reaktor in Betrieb genommen werden. Dann soll die TDI-Produktion anlaufen. In den vergangenen Monaten lief die Fabrik mit einem kleineren Ersatzreaktor. Damit wurde dem Vernehmen nach rund ein Drittel der geplanten Jahreskapazität von 300.000 Tonnen erreicht. TDI ist ein Ausgangsstoff für Polyurethan-Schäume, die unter anderem zur Herstellung von Matratzen, Möbel- und Autositzpolstern verwendet werden.

Lange Pannenserie

Die TDI-Kunden würden während der Abstellung in Ludwigshafen aus dem globalen TDI-Produktionsnetzwerk beliefert, so die BASF. Der Chemiekonzern betreibt neben der neuen Ludwigshafener TDI-Fabrik vier weitere Anlagen zur Herstellung der Chemikalie. Die TDI-Fabrik im brandenburgischen Schwarzheide mit einer Jahreskapazität von 80.000 Tonnen soll stillgelegt werden, wenn die Ludwigshafener Anlage stabil mit voller Kapazität läuft. Daneben stellt die BASF TDI in Anlagen mit Jahreskapazitäten von jeweils 160.000 Tonnen in Geismar (USA), Caojing bei Schanghai (China) und Yeosu (Südkorea) her. Nach einer langen Pannenserie musste die Ludwigshafener TDI-Anlage im Sommer 2017 erneut stillgelegt werden. Damals war es zu einer Panne in der mit dem kleineren Ersatzreaktor ausgestatteten Anlage gekommen. Zwischen dem 25. August und dem 29. September wurden knapp 7000 Tonnen der Chemikalie TDI hergestellt und ausgeliefert, die mit großen Mengen der giftigen Chemikalie Dichlorbenzol (DCB) verunreinigt war.

Große Rückholaktion

Über 90 Prozent der verunreinigten flüssigen Chemikalie TDI und der daraus hergestellten Schäume hat die BASF in einer Rückholaktion zur Wiederaufbereitung eingesammelt. DCB steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Es kann außerdem Haut, Atemwege und Augen reizen. Von den Schäumen, die mit dem verunreinigten TDI hergestellt worden sind, gehe keine Gefahr aus, ergaben Risikountersuchungen der BASF. Die Untersuchungsergebnisse der BASF wurden später von externer Seite wie dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen bestätigt.

Fabrik soll 200 Jobs schaffen

Die Verunreinigung mit DCB war eine weitere Folge der langen, für die BASF untypischen Serie von technischen Problemen. Ausgerechnet das größte Investitionsprojekt ihrer fast 153-jährigen Geschichte hat die BASF bisher noch nicht richtig im Griff. Die zunächst auf 1 Milliarde Euro veranschlagten Kosten dürften deutlich gestiegen sein. 200 zusätzliche Jobs soll die neue Fabrik schaffen, deren Bau und Betrieb auch wichtig ist für die Weiterentwicklung des gesamten Standorts. Nach ursprünglichen Plänen sollte die Fabrik schon seit Ende 2014 laufen. Doch nach einer kurzen Anlaufphase von August bis November 2016 musste sie nach dem Austritt des giftigen Zwischenprodukts Phosgen in der Sicherheitskammer wieder stillgelegt werden. Im Februar 2017 wurde dann der ursprüngliche Phosgen-Reaktor durch einen kleineren Reserve-Apparat ersetzt, der vom BASF-Standort Antwerpen herbeigeschafft worden war. Jetzt wird der neue Phosgen-Reaktor eingebaut, mit dem dann die 300.000 Tonnen TDI pro Jahr möglich werden sollen.

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