Wirtschaft Kommentar: Teure Lehrjahre für die BASF

Die TDI-Anlage wird mit rund vier Jahren Verspätung ihren regulären Betrieb aufnehmen – wenn jetzt alles nach Plan läuft.
In der langen BASF-Geschichte ist die Pannenserie der neuen TDI-Anlage ein einzigartiger Reinfall. Ausgerechnet ihr bisher größtes Investitionsprojekt brachte die BASF bisher nicht richtig zum Laufen. Das kostete viel Ansehen und Geld. Nach den ursprünglichen Plänen sollte die Fabrik mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen schon Ende 2014 starten, für Umsätze und Gewinne sorgen. Doch nach einer verspäteten Anlaufphase von August bis November 2016 musste sie nach dem Austritt des giftigen Zwischenprodukts Phosgen in der Sicherheitskammer wieder stillgelegt werden. Weitere Pannen und Stillstände folgten.
Hoffentlich ein einmaliger Vorgang
Zwei Hauptgründe wurden für das Debakel erkennbar. Erstens war der Zeitplan des Vorstands für den Bau der Anlage viel zu knapp bemessen. Baubeginn war im September 2012. Die Produktion sollte nach 28 Monaten Bauzeit Ende 2014 starten, ungefähr zur gleichen Zeit wie die gleich große neue TDI-Anlage der ehemaligen Bayer-Tochter Covestro. Die BASF und der Bayer-Konzern lieferten sich bis dahin ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der TDI-Weltmarktführerschaft. Im Unterschied zur BASF-Anlage ging die weniger komplexe Covestro-Fabrik nach 30 Monaten Bauzeit im Dezember 2014 planmäßig in Betrieb. Zweitens gab es Qualitätsmängel bei Zulieferern und Dienstleistern. Der Anteil der Eigenleistung der BASF bei dem Projekt lag bei 20 Prozent. Nach all den Pannen und Notlösungen soll jetzt nach langer Lieferzeit der dritte Phosgen-Reaktor eingebaut werden. Es wird mehrere Monate dauern, bis die TDI-Anlage im Ludwigshafener BASF-Stammwerk auf vollen Touren läuft. Dass die BASF vier teure Lehrjahre braucht, um eine neue Fabrik zu starten, bleibt hoffentlich ein einmaliger Vorgang. Der Chemieweltmeister muss jetzt beweisen, dass er Technik kann – auch wenn diese sehr komplex ist.