Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF beliefert jetzt auch Arztpraxen

Am Donnerstag belieferte die BASF erstmals auch Arztpraxen – zunächst in Ludwigshafen, Frankenthal und Mannheim – mit Hand-Desin
Am Donnerstag belieferte die BASF erstmals auch Arztpraxen – zunächst in Ludwigshafen, Frankenthal und Mannheim – mit Hand-Desinfektionsmittel.

Vor einer Woche hat der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF die kostenlose Belieferung von Krankenhäusern in der Metropolregion Rhein-Neckar mit Hand-Desinfektionsmittel gestartet. Das ist wegen der Corona-Krise knapp geworden. Arztpraxen wurden zunächst nicht versorgt. Warum sich das geändert hat.

Die Verzweiflung in großen Teilen des Gesundheitswesens ist groß. Wegen der Corona-Krise werden plötzlich riesige Mengen an Desinfektionsmitteln gebraucht. Auch in Unternehmen, Ämtern und Privathaushalten wird händeringend nach Versorgungsmöglichkeiten gesucht. Wie dramatisch die Lage ist, haben gerade die Experten des Statistischen Bundesamtes dokumentiert. Ende Februar und Anfang März stieg die Verkaufsmenge auf das Achtfache gegenüber normalen Zeiten. In der vergangenen Woche brach der Absatz von Desinfektionsmitteln dann aber ein und lag nur noch bei der Hälfte des Üblichen. Der Grund: ausverkauft.

Pro Woche 30.000 bis 35.000 Liter

In diesen Notzeiten hat die BASF in der vergangenen Woche ein Technikum und einen Abfüllbetrieb im Ludwigshafener Stammwerk für die Herstellung von Hand-Desinfektionsmitteln tauglich gemacht. Am Donnerstag vergangener Woche startete die Produktion. Einen Tag später begann die Auslieferung. Zunächst wurden Universitätskliniken und Krankenhäuser der Maximalversorgung beliefert, die über Kapazitäten für Intensivmedizin und Beatmung verfügen. Ein solches Krankenhaus brauche durchschnittlich 30 Liter Hand-Desinfektionsmittel pro Tag, sagte BASF-Arbeitsdirektor Michael Heinz, der auch für das Stammwerk verantwortlich ist, der RHEINPFALZ. Die BASF könne derzeit pro Woche maximal 30.000 bis 35.000 Liter des Stoffs herstellen. Da die Krankenhäuser der Region jetzt gut versorgt seien, würden seit diesem Donnerstag auch Arztpraxen versorgt. Auch hier gebe es eine Priorisierung. Zunächst gehe das Desinfektionsmittel an Ärzte mit lokaler Notfallversorgung. Am Donnerstag wurden 20 Praxen in Ludwigshafen, Frankenthal und Mannheim mit Packungen beliefert. Am Freitag sind weitere Ärzte an der badischen Bergstraße an der Reihe.

Krankenhäuser und Ärzte in der Metropolregion Rhein-Neckar können ihren Bedarf bei der E-Mail-Adresse standortaktuell@basf. com anmelden. In den vergangenen Tagen habe es schon über 1000 Anfragen gegeben. Darunter seien auch viele aus anderen Teilen Deutschlands, die bisher wegen der knappen Produktionskapazität nicht beliefert werden.

Versorgung könnte sich bald verbessern

Doch die Versorgungslage könnte sich bald verbessern. Bisher wird Hand-Desinfektionsmittel aus dem Alkohol Isopropanol hergestellt. Der ist sehr knapp. Die BASF selbst stellt Isopropanol nicht her. Das Unternehmen habe auf eigene Lagerbestände zugegriffen, die vor der Corona-Krise von Zulieferern bezogen worden und eigentlich für andere Produktionslinien vorgesehen waren. Dafür erhielt die BASF eine Ausnahmegenehmigung von den zuständigen Behörden. Inzwischen darf Desinfektionsmittel auch aus Bioethanol hergestellt werden. Dieser technische Alkohol wird auch bei der Herstellung von Kraftstoffen verwendet. Die zum Mannheimer Südzucker-Konzern gehörende Crop Energies AG stellt allein in ihrer Fabrik in Zeitz in Sachsen-Anhalt täglich rund eine Million Liter dieses Alkohols her. Auf Bioethanol will nach Angaben von Michael Heinz auch die BASF zurückgreifen. Frühestens Ende nächster Woche werde klar sein, ob die Produktion von Desinfektionsmittel aus Bioethanol in einer weiteren Anlage des BASF-Stammwerks überhaupt technisch möglich sei, sagte Heinz.

Vorstand und Betriebsrat bereiteten das BASF-Stammwerk mit seinen knapp 35.000 Mitarbeitern auf Auftragsrückgänge als Folge der Corona-Krise vor, sagten Arbeitsdirektor Michael Heinz und Betriebsratsvorsitzender Sinischa Horvat im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Bisher seien aber noch keine Anlagen stillgelegt worden. Bei Einstellungen gehe man sehr restriktiv vor. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber durch eine Standortvereinbarung ausgeschlossen. Kurzarbeit sei bisher kein Thema.

Den Betrieb aufrecht erhalten

Die Mitarbeiter würden laufend über die Entwicklung und über Maßnahmen und Regeln zur Vermeidung von Ansteckungen informiert. Dazu gebe es auch viel Lob und Zustimmung aus der Belegschaft. Seit der Schließung der Kantinen könnten sich Beschäftigte dort ihr Essen gratis abholen oder auch liefern lassen.

Es sei jetzt wichtig, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Denn die Produktion der BASF habe einen wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen Stabilität der Region und des Landes. Die BASF stelle viele Produkt für den täglichen Bedarf her wie Inhaltsstoffe für Hygieneartikel, Mittel für die pharmazeutische Industrie, Klebstoffe für Schutzmasken oder Inhaltsstoffe für Desinfektionsmittel.

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