BASF RHEINPFALZ Plus Artikel „Bürokratische Hürden gefährden Arbeitsplätze“

Die Steam-Cracker-Anlage der BASF soll bis 2030 elektrisch beheizt werden. Derzeit wird sie mit Gas befeuert.
Die Steam-Cracker-Anlage der BASF soll bis 2030 elektrisch beheizt werden. Derzeit wird sie mit Gas befeuert.

Hohe bürokratische Hürden wie lange Genehmigungsverfahren etwa für Meeres-Windparks und den Bau von Stromleitungen könnten aus Sicht der BASF deren Ziel in Frage stellen, bis 2050 klimaneutral zu produzieren. Es gibt aber auch positive Signale aus der Politik.

Die BASF investiert etliche Milliarden in Offshore-Windparks, um sich grünen Ökostrom zu sichern. Den braucht sie, um bis 2050 CO2-neutral zu produzieren. Man beobachte mit Spannung, wie die Bundestagswahl am Sonntag ausgeht, sagte Melanie Maas-Brunner am Dienstag in Ludwigshafen. Denn bisher vermisse das Unternehmen die für diesen Wandel notwendige Unterstützung der Politik. Maas-Brunner ist seit Juni Standortleiterin der BASF SE in Ludwigshafen und seit Februar im Vorstand. Die Forschungschefin ist auch Arbeitsdirektorin – und als solche alarmiert: Ohne günstigen Ökostrom, ohne Leitungen, die ihn – unter anderem – nach Ludwigshafen bringen und ohne eine grenzüberschreitende CO2-Bepreisung sei die klimaneutrale Produktion nicht möglich, schon gar nicht zu international wettbewerbsfähigen Preisen. Maas-Brunner warnte davor, dass Wettbewerber die gleiche Transformation, wie sie die BASF vor sich hat, anderswo günstiger vollziehen könnten. Wenn die Politik nicht helfe, seien Arbeitsplätze gefährdet – nicht zuletzt in Ludwigshafen.

Nicht nur die Industrie, auch die Bundesregierung geht inzwischen von einem dramatisch steigenden (Öko-)Strombedarf aus. Hier gibt es nun positive Ansätze, die auch der BASF zugute kommen könnten: Zum September trat die neue maritime Raumordnung in Kraft. Sie sieht vor, dass bis zu 43 Gigawatt Windenergie in Nord- und Ostsee installiert werden können. Die bisherigen Raumordnungspläne enthielten Gebiete für maximal zwölf Gigawatt. Zudem wurden weitere Leitungskorridore festgelegt. Die BASF sei bereits eng an diesem Thema dran, bestätigte Maas-Brunner auf Nachfrage. Unter heutigen Rahmenbedingungen könnten mit Partnern in zwei bis fünf Jahren weitere Offshore-Windkraftprojekte spruchreif sein.

Späte Leitungsfertigstellung Hürde für Milliardenprojekt Meereswindpark

Ein laufendes Projekt mit Vattenfall in den Niederlanden liefert bereits ab 2023 Ökostrom für das BASF-Werk in Antwerpen. Ein geplanter Offshore-Windpark mit RWE vor Helgoland ist in der Schwebe. Damit sollen der Strom für die bis 2030 elektrifizierte, derzeit gasbefeuerte Cracker-Anlage in Ludwigshafen sowie grüner Wasserstoff für das Stammwerk produziert werden. Die dafür notwendige Leitung wird aber wohl nicht vor 2032 fertiggestellt – eine weitere Hürde für das Milliarden-Projekt.

Die Forschung in der BASF, die eine wesentliche Bedeutung für das Unternehmen habe, müsse schneller, teilweise internationaler und noch kundenorientierter werden, postulierte die 53-Jährige Technologiechefin. Auch müsse sie sich noch mehr öffnen für Partner, etwa aus akademischen Kreisen, aber auch für Start-ups.

Herausforderung: Weiterbildung der Mitarbeiter hin zu neuen Technologien

Eine große Herausforderung für das Stammwerk sieht Maas-Brunner in der Weiterbildung der Mitarbeiter, die die neuen Technologien bedienen sollen. Mit dem Betriebsrat herrsche Übereinstimmung, dass dies nur gemeinsam zu bewerkstelligen sei. Hinsichtlich des kommunizierten Arbeitsplatzabbaus in Ludwigshafen seien die Hausaufgaben gemacht. Die BASF hatte angekündigt, 600 von 1400 Stellen der Abteilung Global Business Services zu streichen und teils nach Berlin zu verlagern.

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