Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Zweites Gleis am Bahnhof Steinalben soll Fahrtzeit reduzieren

Das bestehende Gleis in Steinalben wird Richtung Böschung verschoben und erneuert. Daneben entsteht ein zweites Gleis, das zum R
Das bestehende Gleis in Steinalben wird Richtung Böschung verschoben und erneuert. Daneben entsteht ein zweites Gleis, das zum Regelgleis wird. Zwischen den beiden Gleisen wird ein 120 Meter langer Bahnsteig gebaut. Foto: Andrea Daum

Bis Mitte 2022 hofft die DB Netz AG grünes Licht für den Bau des Kreuzungsbahnhofes in Steinalben zu haben. 2023 soll gebaut werden. Mindestens zehn Monate Bauzeit, inklusive sechs Wochen Vollsperrung der Strecke, sind aktuell für das zehn Millionen Euro teure Projekt eingeplant.

Am Montag informierten die DB Netz AG und die Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben bei einer Einwohnerversammlung in Steinalben über die Planung. Bereits 2002 waren erste Ideen zur Umgestaltung des Bahnhaltepunkts in Steinalben aufgekommen. 2006 hat das Vorhaben dann konkretere Formen angenommen. Die Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben ist seitdem mit im Boot, plant den Umbau des wenig ansehnlichen Bahnhofsvorplatzes. 2007 erwarb sie dafür Gelände von der Bahn im Bereich der Bahnhofstraße. Darüber informierte Heinz Klages, der von der Verbandsgemeinde beauftragte Ingenieur für die Neugestaltung des Vorplatzes.

Steinalben als Zustieg attraktiv

Das Projekt lag mal in der Schublade, mal auf den Schreibtischen verschiedener Behörden. Die Kreisverwaltung Südwestpfalz lehnte ab, dass die Parkplätze am Bahnhof asphaltiert werden, Schotter reiche, so die damalige Aussage. Mittlerweile habe sich viel geändert, sagte Klages. „Standen damals im Schnitt zehn bis 15 Autos täglich auf dem Platz, so wird der Parkplatz mittlerweile regelmäßig von mehr als 30 Nutzern frequentiert“, sagt der Ingenieur. Als Zustieg zur Bahn ist der Haltepunkt Steinalben attraktiv. Ziel ist es, diesen noch attraktiver zu gestalten. „Davon profitiert nicht nur die Gemeinde Steinalben, davon profitieren auch die umliegenden Dörfer“, unterstrich Verbandsbürgermeister Lothar Weber (SPD). Als Wohnort gewinne Steinalben, das mit Bahnhof und guten Anbindungen punkten könne. Das sieht auch Steinalbens Bürgermeister Klaus Reischmann (CDU) so: „Für uns ist das eine Aufwertung.“

Fahrtzeit reduziert sich

Diese Aufwertung hat die Bahn seit 2016 forciert, erläuterte Kai Schwarz von der DB Netz AG, der seitdem mit diesem Projekt betraut ist. „Seit 2016 planen wir den Kreuzungsbahnhof“, erläuterte Schwarz. Das bedeutet, es wird ein zweites Gleis verlegt. Züge, die aus Richtung Pirmasens und Kaiserslautern kommen – derzeit begegnen sie sich am Bahnhof in Waldfischbach-Burgalben –, kreuzen sich künftig in Steinalben. Das bringt Vorteile bei den Fahrzeiten und damit bei den Anschlüssen an überregionale Verbindungen. Von Kaiserslautern nach Pirmasens und umgekehrt verringert sich die Fahrzeit um drei Minuten. Ebenso auf der Strecke von Pirmasens nach Landau. Von Landau nach Pirmasens wird die Fahrzeit um vier Minuten reduziert, erläuterte Schwarz. Für die Bahn ist das ein wichtiger Punkt, um diese Investition zu tätigen. Kreuzungsverkehr wird weiter in Schopp und Waldfischbach-Burgalben möglich sein. Das bringe betriebliche Flexibilität mit sich, um Verspätungen auszugleichen, weil Züge nicht in Waldfischbach-Burgalben oder später in Steinalben warten müssen.

Die DB Netz AG, die für den Betrieb und die Instandhaltung des Schienennetzes zuständig ist, habe ihre Planungen abgeschlossen. Ende des Jahres gehen die Pläne an das Eisenbahnbundesamt. Dort wird das Planfeststellungsverfahren vollzogen. Wie lange das dauert, lasse sich nicht prognostizieren. Die DB Netz AG hofft bis Mitte 2022 Rechtssicherheit zu haben. Liegen genehmigte Pläne vor, „wird gebaut“, so Schwarz.

Neuer Bahnsteig entsteht

Das bisher vorhandene Gleis wird in Richtung Osten von der Bebauung weggerückt und erneuert. Daneben wird das zweite Gleis verlegt. Es wird zum Hauptgleis, zum sogenannten Regelgleis. Signaltechnik, Beleuchtung, Entwässerung – alles wird erneuert. In der Mitte der beiden Gleise wird ein 120 Meter langer, barrierefreier Bahnsteig gebaut. Der bisherige Bahnsteig wird nicht mehr genutzt. Es gibt eine direkte Anbindung zum Bushalte- und Bahnhofsvorplatz, der den Reisenden einen schnellen Zustieg ermöglicht. Mit 80 Stundenkilometern wird in den Bahnhof eingefahren, außer im Kreuzungsfall. Dann fahren die Züge, die aus Richtung Pirmasens kommen mit 40 Stundenkilometern ein, die Züge aus Richtung Kaiserslautern mit Tempo 60. Um Standsicherheit zu gewährleisten, soll östlich der Gleise eine Stützmauer die Böschung stabilisieren. Unweit des ehemaligen Bahnhofsgebäudes, das inzwischen als Wohnhaus genutzt wird, entsteht ein Modulgebäude, in dem unter anderem Sanitäranlagen für Bahnbedienstete eingerichtet werden.

So eine große Baumaßnahme gehe natürlich nicht ohne Staub, Lärm (bis zu 110 Dezibel) und Baustellenverkehr über die Bühne. Zehn Monate Bauzeit sind kalkuliert. Die lärmintensivsten Arbeiten sollen auf sechs Wochen konzentriert werden, in denen auch nachts gearbeitet wird. Die Bahnstrecke wird dann voll gesperrt. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens müssen sich betroffene Anlieger melden – unmittelbar betroffen ist der Eigentümer des früheren Bahnhofsgebäudes, insgesamt sind sechs Häuser in der Bahnhofstraße bewohnt – und ihre Beeinträchtigung anmelden. In diesem Verfahren wird der Grad der Beeinträchtigung festgestellt. Gegebenenfalls müsse die Bahn Bewohner während dieser Bauphase anderweitig unterbringen.

Straßenausbau treibt Anwohner um

Die Frage nach den Kosten für den Straßenausbau treibt die Anlieger in der Bahnhofstraße um. Die Straße werde so ausgebaut, „wie wir Anlieger es nicht bräuchten, aber wir zahlen“, sagten sie. Die Kosten ließen sich noch nicht beziffern, erläuterte Verbandsbürgermeister Weber. Auch Kostenverteilung sei noch offen. Klar sei, dass die Bahn für Schäden aufkomme, die im Zuge ihrer Bautätigkeit entstehen. Die Verbandsgemeinde sei finanziell mit im Boot, wenn sie den Vorplatz herstellt. Der Rest der Ausbaukosten verteile sich auf die Gemeinde und die Anlieger, falls es bis dahin keine wiederkehrenden Beiträge im Ort gibt. Klages beruhigte die Anlieger mit Blick auf die Vielzahl beteiligter Kostenträger: „Ich kann euch heute auch nicht sagen, wie teuer es wird. Aber ganz sicher bekommt ihr den Straßenausbau so günstig, wie sonst nie.“

Weber wies darauf hin, dass die Verbandsgemeinde für das Projekt Bahnhofsvorplatz bis dato 220.000 Euro ausgegeben habe. 48.000 Euro hat der Abriss dreier alter Schuppen gekostet, der in diesem Jahr erfolgte.

Und dann war da noch…

…der Anlieger in der Bahnhofstraße, der für einen Parkplatz vor seinem Haus seines Wissens noch einen Mietvertrag mit der Bahn hat. Die Bahn ist allerdings nicht mehr Eigentümerin des Geländes. „Den würde ich dringend kündigen“, riet ihm Heinz Klages, auch wenn die Bahn, wie der Mann erklärte, nie Miete für den Parkplatz von seinem Konto abgebucht habe.

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