Ludwigshafen
Zwei neue Kitas für Friesenheim: Welche Standorte die Stadt empfiehlt
In Friesenheim mit seinen mehr als 19.000 Einwohnern fehlen rund 180 Kita-Plätze. Gut möglich, dass dieser Notstand bis 2027/28 getilgt ist. Aus einer monatelangen Analyse der Stadt gehen nun zwei von insgesamt acht untersuchten Standorten als klare Favoriten hervor. Dort sollen Kitas für jeweils 100 Kinder ab dem zweiten Lebensjahr entstehen. Geschätzte Kosten: fünf bis sechs Millionen Euro pro Gebäude.
Die Ergebnisse der Analyse präsentierte der zuständige Dezernent Lars Pletscher (CDU) am Dienstagnachmittag in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums – im Vorfeld einer Ortsbeiratssitzung und eines Info-Markts, bei dem sich Bürger über die Resultate erkundigen und Fragen stellen konnten. „Wir haben schlagkräftige Argumente für die ausgewählten Standorte gesammelt, mit denen wir die politischen Gremien, aber auch Anwohner und Kritiker überzeugen werden“, gab sich Pletscher auf Anfrage zuversichtlich.
Ärger programmiert
Ärger könnte es dennoch geben. Denn während der auf Rang zwei gelistete Standort Erzbergerstraße (ehemals Protestantische Kita) unproblematisch scheint, weil dort ein jahrelanges Container-Provisorium verschwinden würde, ist der topplatzierte Standort Leuschner-/Ecke Fichtestraße am Alwin-Mittasch-Park höchst umstritten. Eine Bürgerinitiative läuft seit Monaten Sturm gegen einen Kita-Neubau vor Ort, weil sie die Parkanlage bedroht sieht. Dazu sagte Pletscher: „Wir wissen um die Diskussionen um den Standort Leuschner-/Ecke Fichtestraße. Die Anregungen, die aus dem Kreis der Anwohner in diesem Zusammenhang kamen, haben wir uns angeschaut und in begründeten Fällen aufgegriffen. Der gesamte alte Baumbestand kann erhalten werden. Fläche, die wir für die Bodenplatte der Kita benötigen, ersetzen wir über eine Dachbegrünung. Die Struktur des Parks findet sich im Außengelände wieder, in das wir bereits vorhandene Elemente einbeziehen.“ Die Sichtachse von der Friedenskirche zum Ebertpark bleibe unberührt. Der Parkplatz werde erhalten. „Insofern ist die nun vorliegende, optimierte Planung an diesem Standort etwas, was ein Gewinn für viele Menschen in Friesenheim sein kann: Für die Familien, die dringend auf einen Kita-Platz warten genauso, wie für die Nachbarn des Mittasch-Parks“, bekräftigte Pletscher.
Der Standortanalyse zufolge bietet das Areal – wie jenes in der Erzbergerstraße – beste Voraussetzungen, auch wegen der Nähe zu einer Grund- und einer Realschule. Für beide Standorte gebe es weder Klärungsbedarf, noch entstünden Zusatzkosten. Beide Standorte erhielten durchweg grüne und gelbe Ampeln, also gute bis sehr gute Bewertungen – und keine einzige rote Ampel, die Argumente gegen einen Standort signalisiert.
Schnelle Bauweise spart Zeit und Kosten
Entstehen sollen die beiden Kitas nach dem „FlexiKitaLU“-Prinzip, das die Stadt und ihre Bauprojektgesellschaft (BPG) entwickelt haben. Das Konzept biete die Chance, flexibel auf gesellschaftliche, demografische und städtebauliche Veränderungen zu reagieren. Die Gebäude hätten wegen ihrer Modulbauweise den Vorteil, dass sie umgenutzt oder an andere Orte versetzt werden könnten, erläuterte Nadine Hainbuch von der BPG. Die schnelle Bauweise spare Zeit und Kosten – auch ohne Fördermittel.
Begrüntes Dach mit Photovoltaik
Die zweigeschossigen Holzhäuser übererfüllten sogar ökologische Standards, seien für jeweils vier 25er-Gruppen vorgesehen und sollen neben einem großzügigen Außengelände (1000 Quadratmeter) ein begrüntes Dach mit Photovoltaik erhalten. Die Energieversorgung erfolgt per Wärmepumpe. Die Fläche der Bodenplatte beträgt 715 Quadratmeter, die Räume sind bis zu 2,75 Meter hoch.
Hainbuch zufolge könnten die Kitas in 14 bis 18 Monaten stehen. Die Module würden werksfertig angeliefert und in zwei bis drei Wochen zusammengebaut. Bisher seien drei Angebote von deutschen Firmen eingeholt worden, das favorisierte Unternehmen komme aus dem Allgäu. Ausgeschrieben werden müssten die Aufträge nicht, weil das Kostenvolumen zumindest bisher im Rahmen liege. Bau- und Grundstücksausschuss (8. Juni), Ortsbeirat (16. Juni), Jugendhilfeausschuss (18. Juni) sowie der Stadtrat (22. Juni) müssen den von der BPG empfohlenen Standorten allerdings noch zustimmen.
„Eine Menge Druck auf dem Kessel“
Laut Pascal Thümling vom städtischen Kitabereich rechnet die Stadt für 2026/27 mit einem Bedarf von 8223 Kita-Plätzen. Derzeit fehlten 899 Plätze, gut ein Fünftel davon in Friesenheim. „Da ist eine Menge Druck auf dem Kessel“, sagte er. Infolge des geplanten Wohnungsbaus im Stadtgebiet steige der Bedarf perspektivisch sogar auf 1246 Kita-Plätze. Der aktuelle Bedarfsplan weise 31 Projekte aus, mit denen die Stadt das Angebot in den nächsten Jahren ausbauen möchte. Derzeit gibt es in Friesenheim sieben Kitas, fünf davon betreiben freie Träger, zwei die Stadt.
Gleiche Kriterien angelegt
„Alle Standorte wurden anhand der gleichen Kriterien untersucht und bewertet. Unser Ziel war es, ein ausgewogenes und vergleichbares Bild von allen möglichen Standorten zu erhalten, um am Ende begründet, nachvollziehbar und transparent Empfehlungen aussprechen zu können“, sagte Beigeordneter Pletscher zur Herangehensweise. Bei der Analyse der Standorte sei sehr sorgfältig auf einen Ausgleich unterschiedlicher Interessen geachtet und Themen wie Klima, Naturschutz, Stadtbildpflege und Verkehr mit dem Anspruch von Kindern und Eltern auf einen wohnortnahen Kindergartenplatz abgewogen worden. „Wir haben Hinweise aus der Mitte der Anwohner aufgegriffen. Wir setzen eine nachhaltige, ökologisch hochwertige Lösung um: All diese Argumente haben den Stadtvorstand bewogen, uns für die beiden Standorte Leuschner-/Ecke Fichtestraße und Erzbergerstraße auszusprechen“, so Pletscher.
Standardisiertes Verfahren
Die acht möglichen Standortoptionen in Friesenheim wurden von der BPG nach einem standardisierten Verfahren begutachtet. In die Untersuchung eingeflossen seien Stellungnahmen von mehreren Bereichen der Stadtverwaltung, die standortbezogen ihre Expertise eingebracht hätten. Dazu zählten unter anderem Stadtentwicklung, Stadtplanung, Umwelt und Klima, Bauaufsicht, Grünflächen, Stadtentwässerung oder Brandschutz.
Die acht untersuchten Standorte
1. Leuschner-/Ecke Fichtestraße (Allwin-Mittasch-Park)
2. Erzbergerstraße (ehemalige Protestantische Kita)
3. Bexbacher Straße (ehemaliger Girlassic Park)
4. Weiherstraße I (vor dem Alten- und Pflegeheim).
5. Weiherstraße II (auf dem Acker)
6. Brunck-/Ecke Teichgartenstraße
7. Ruthen-/Eschenbach-/Sternstraße (Bolz-/Spielplatz)
8. Rollesstraße/Parkplatz (in Privathand)
Das „FlexiKitaLU“-Konzept
Das im Jahr 2025 gemeinsam von Stadtverwaltung und BPG entwickelte Konzept der „FlexiKitaLU“ beinhalte sowohl eine kurzfristig greifende Entlastung für Eltern angesichts der angespannten Betreuungssituation als auch langfristig ein hohes Maß an Flexibilität: Das Konzept schaffe dringend benötigte Kita-Plätze in einer nachhaltigen, nach ökologischen Standards konzipierten Holzmodulbauweise. Die Einrichtungen verfügten grundsätzlich auf zwei Etagen über Platz für 100 Kinder und über ein Außengelände von rund 1000 Quadratmetern. Das Konzept biete darüber hinaus die Möglichkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Die Gebäude hätten aufgrund ihrer modularen Bauweise den Vorteil, dass sie flexibel umgenutzt oder an andere Standorte versetzt werden könnten. In einem ersten Schritt sei geplant, innerhalb des Projekte drei Kindertagesstätten zu errichten, und zwar in der Nördlichen Innenstadt und in Friesenheim. Diesem Vorhaben hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 30. Juni 2025 zugestimmt.
Ein Standort bereits festgelegt
Mit der „FlexiKitaLU“ in der Pettenkoferstraße ist ein Standort bereits festgelegt. Die beiden weiteren Kitas sollen nun, sofern die Gremien zustimmen, in Friesenheim entstehen. Die Stadtverwaltung informiert zunächst am 8. Juni den Bau- und Grundstücksausschuss über die Standortanalyse und die abgeleiteten Empfehlungen. Der Ortsbeirat tagt dazu am 16. Juni, nachdem er sich am 2. Juni über die Planungen informiert hat. Der Jugendhilfeausschuss befasst sich am 18. Juni mit dem Thema „FlexiKitaLU“ für Friesenheim. Die abschließende Entscheidung trifft am 22. Juni der Stadtrat. Umfassende Infos gibt’s im Netz unter www.ludwigshafen.de.