Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Zur Sanierung des Bahnhofs in Zweibrücken müsste Gewobau mehrere Millionen Euro investieren

Undichtes Dach, morsche Balken, Schimmel an Wänden und Decken. So sieht es in Teilen des alten Bahnhofgebäudes aus. Die Gewobau
Undichtes Dach, morsche Balken, Schimmel an Wänden und Decken. So sieht es in Teilen des alten Bahnhofgebäudes aus. Die Gewobau schätzt die Kosten für eine Sanierung auf mindestens sechs Millionen Euro. Fotos: mml

Im vergangenen Sommer kaufte die Gesellschaft für Wohnen und Bauen (Gewobau) das Zweibrücker Bahnhofgebäude. Dank eines Kiosks wurde die Empfangshalle wieder mit Leben gefüllt. Das Gebäude ist jedoch in so schlechtem Zustand, dass ein mittlerer siebenstelliger Betrag notwendig wäre, um den Bahnhof auf Vordermann zu bringen.

Bei der Eröffnung des DRK-Kiosks „Bummelzug“ in der Empfangshalle des Bahnhofs vor einigen Wochen sprach Oberbürgermeister Marold Wosnitza von einer „Oase, in die man hineingehen möchte“. Mit vergleichsweise geringen Mitteln, rund 30.000 Euro, hatte die städtische Tochter in den Wochen und Monaten zuvor die Empfangshalle auf Vordermann gebracht: Wände wurden gestrichen, ein roter Kubus sowie der Kiosk in die Halle integriert, Holzbänke aufgestellt und Info-Tafeln an den Wänden angebracht.

Auch Gewobau-Geschäftsführer Jörg Eschmann ist glücklich, dass der Empfangshalle wieder Leben eingehaucht werden konnte. Die Post bestätigte zuletzt Gespräche, im Bahnhof eine zusätzliche Filiale einzurichten. Doch das Bahnhofsgebäude ist in keinem guten Zustand. Eschmann schätzt, dass mindestens sechs Millionen Euro für die Sanierung fällig sind. Geld, das die Gewobau derzeit nicht in die Hand nehmen kann, zumal kein umfassendes Konzept für den Bahnhof vorhanden ist. Mit geringen Mitteln wolle man nun das Gebäude verschönern, sagt Eschmann.

Petition zum Erhalt der Halle

Für etwa 369.000 Euro hatte die städtische Tochter im vergangenen Jahr den Bahnhof von der Deutschen Bahn gekauft – auch auf Druck der Stadt und der Öffentlichkeit. Im OB-Wahlkampf sprachen sich Parteien für einen Kauf aus, da das Gebäude das Stadtbild präge. Weiterhin gab es eine Petition für den Erhalt der Empfangshalle. Ob sich die Gewobau das 1872 errichtete Bauwerk vor dem Kauf intensiv angeschaut hat, lässt Eschmann offen. War der Kauf ein Fehler? Eschmann wirkt hin- und hergerissen. „Ich bin froh, dass wir die Empfangshalle für Bürger und Reisende erhalten konnten.“ Allerdings hat sich die Gewobau mit dem Kauf einen weiteren gewaltigen Klotz ans Bein gebunden.

Elektrik aus den 1960er Jahren

Bei einem Rundgang spricht er aus, was offensichtlich ist: „Es gibt nahezu in jedem Raum etwas zu tun.“ Ausnahmen: Zwei der acht Wohnungen sind bewohnt, der Nebenraum der Gaststätte Tender ist renoviert. Dort finden regelmäßig Yoga-Kurse statt. Und in Obergeschoss hat eine Firma Räume bezogen.

Aus alten Unterlagen geht hervor, dass die Bahn zuletzt in den 80er Jahren rund 200.000 Mark in den Bahnhof gesteckt hat.

Im gesamten Gebäude müssten die Elektroleitungen neu verlegt werden. „Die Elektrik stammt noch aus den 60er Jahren, ist nicht mehr zeitgemäß.“ Im ehemaligen Gasthaus Tender wird das deutlich. Die Starkstromleitungen ragen aus dem Boden, der Schaltschrank scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. „Wer das sieht, weiß, wie viel man investieren müsste. Vermutlich hat man wegen des Bestandsschutzes alles so gelassen wie es ist“, ergänzt Hauswart Karsten Schubert.

Es tropft durch das Dach

Im Obergeschoss und unter dem Dach zeigt sich, dass nicht alles Gute von oben kommt. „Nach dem Kauf hat der Dachdecker viele Lücken abgedichtet“, so Schubert. Mit mäßigem Erfolg, wie der jüngste Regen verdeutlichte. An mehreren Stellen tropft Wasser ins Gebäude. Verschimmelte, aufgequollene Tapeten und nasse Wände sind erkennbar. Eschmann zufolge ist das Dach des Gebäudes mittlerweile repariert und winterfest.

Anders sieht es im Keller aus. „Nachdem wir das Gebäude übernommen hatten, mussten wir hier das Wasser abpumpen. Ein Wasserrohr war verrottet. Das ist mittlerweile repariert“, so Schubert. Zum Glück steht die Heizungsanlage auf einem kleinen Podest und wurde nicht beschädigt. Bei starkem Regen drückt sich dennoch das Wasser durch den Boden, auf dem in den dunklen Katakomben teils schon Pilze wachsen. „Dass Wasser hier eindringt, werden wir ohne großen Aufwand auch nicht verhindern können“, weiß Gewobau-Geschäftsführer Eschmann.

Reisende bekommen von den baulichen Mängeln nichts mit. Vom üblen Geruch der Toiletten aber schon. „Die Toiletten werden zweimal täglich gereinigt, und dennoch riecht es nach Urin“, so Eschmann. Seine Mitarbeiter hätten die Ursache ausgemacht: Die Wände seien einst von der Bahn nicht versiegelt worden. Der Geruch hänge in den Wänden.

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