Rheinpfalz Zur Sache: Viele Facetten auf 130 Seiten

, Heßheimer Straße, Mörscher Straße, Teile von Nord- und Ostring und die Marinesiedlung sind einige von vielen Beispielen: Im heutigen Erscheinungsbild der Stadt Frankenthal spiegeln sich maßgeblich auch Investitionsentscheidungen der örtlichen Baugesellschaft wider. Der Band „100 Jahre Baugesellschaft Frankenthal“, den Dieter Schiffmann und Bernd Leidig im Auftrag des Unternehmens erarbeitet haben, geht über eine Firmengeschichte hinaus und beschreibt viele weitere Facetten des städtischen Lebens. Wie bedrückend die Wohnungsnot in der aufstrebenden Industriestadt zu Anfang des 20. Jahrhunderts war, lässt etwa der im Buch zitierte Bericht eines Wohnungsinspektors von 1911 erkennen: Fast 60 Prozent der kontrollierten Wohnungen mussten damals beanstandet werden – „wegen schlechter Licht- und Luftverhältnisse, baulicher Schäden, unzureichender Heizung, feuchter Wände und Decken, mangelhafter Entwässerung, Überfüllung der Schlaf- und Wohnräume“ und nicht zuletzt auch unzureichender oder fehlender Toiletten. Gemeinsam mit örtlichen Wirtschaftsunternehmen, darunter KSB, Korkfabrik Bender und Schnellpressenfabrik Albert Frankenthal, gründete die Stadt 1918 das Unternehmen, das vor allem neuen Wohnraum schaffen sollte. Wie die Baugesellschaft sukzessive investierte, welche Krisen sie erlebte, bis sie zum Großvermieter mit 1900 Einheiten geworden war – das stellen die Autoren dar. Auch die kritischen Kapitel – etwa die Vereinnahmung durch das NS-Regime oder die Misswirtschaft im Unternehmen Anfang der 50er-Jahre, die sogar zu einem Prozess führte – werden angemessen dargestellt. 1998 sortierte sich der Kreis der Gesellschafter neu: Die Grundstücks- und Baugesellschaft aus Heidenheim übernahm die Mehrheit der Anteile, die Stadt Frankenthal behielt 25,1 Prozent. Im Grundsatz ist es bis heute so geblieben.
