Rheinpfalz Zur Sache: Geschichte des Lauterecker Heimatfestes

Wie wurde das Heimatfest zu dem, was es heute ist? Dieser Frage hat sich Jan Fickert gewidmet, der Informationen aus dem Stadtarchiv und privaten Sammlungen zusammentrug. Die nunmehr 62-jährige Geschichte des Festes zeigt Höhen und Tiefen. Bis 1956 wurde am zweiten Augustwochenende die Lauterecker Kirchweih in Gastwirtschaften und entlang der Hauptstraße gefeiert, montags fand ein Viehmarkt statt und dienstags endete das Fest am Tanzplatz im Wälderbusch. Die Straßenkerwe habe in den 1950ern an Reiz verloren und sei vielen zu „armselig“ für Lauterecken gewesen. Nach der Vereinigung des Verkehrsvereins und des Gewerbevereins 1956 fungierte der Verein „als Motor“ des Heimatfestes, denn eines der Vereinsziele war die Förderung heimatverbundener Veranstaltungen. Vom 10. bis 12. August 1957 fand das erste Heimatfest statt und fand „begeistertes Echo“ in der Bevölkerung. 1962 wurde ein Festausschuss mit Vertretern einiger Vereine gebildet, die Stadt unterstützte mit Zuschüssen. Damals begann das Fest samstags mit einem Unterhaltungsabend im Festzelt, der Sonntag wartete mit einem Platzkonzert auf dem Veldenzplatz und dem Festumzug auf. Der Montag startete mit einem Frühschoppenkonzert und endete mit einem Feuerwerk: Noch vieles ist so, wie es damals schon war. 1966 wurde das Fest erstmals an fünf Tagen gefeiert. Seit 1971 bis 1987 fanden an Freitagen Box-Großveranstaltungen statt. Boxen stand auch wieder in den Jahren 2006 bis 2010 (außer 2008) auf dem Programm. Costa Cordalis 1974, Cindy und Bert 1986 und Jürgen Drews 1990 – bekannte Stars gaben sich in Lauterecken die Ehre. Nie geändert hat sich etwas am bunten Lindwurm, der sonntags durch die Innenstadt führt, während das Abschlussfeuerwerk seit 1977 nicht mehr vom Wingertsberg, sondern von der Gewanne „Auf Dumpf“ abgeschossen wird. Damals wie heute besuchen zahlreiche auswärtige Lauterecker das Fest, um ihre Heimat, Verwandte und Freunde wiederzusehen. Bereits 1959 reisten ehemalige Lauterecker aus Amerika, Australien, Afrika und Asien an, wie Fickert herausfand. Die Ehrung der 50-Jährigen am Heimatfest geht zurück auf ein Klassentreffen 1957 und erfreut sich noch heute großer Beliebtheit. Wie Fickerts Recherchen zeigen, war der Eifer der Helfer in den ersten Jahren sehr groß, zahlreiche Vereine und Betriebe waren aktiv und in dem Festtagsausschuss waren rund 70 Personen tätig. Doch auch Krisen kennt das Fest. Bereits 1961 erwog der Verkehrs- und Gewerbeverein, die Organisation in die Hände der Stadt zu legen und in Folgejahren wurden rote Zahlen geschrieben. Die Besucherzahlen ließen nach und in den 1990ern flammten Diskussionen um die Zukunft des Festes auf. 1990 wurde aus dem Verkehrs- und Gewerbeverein der Heimat- und Kulturverein, der im Jahr 2002 zum letzten Mal das Fest ausrichtete. „Ermüdungserscheinungen und fehlende finanzielle Unterstützung“ waren laut Fickert die Ursache und das, obwohl seit Ende der 1980er die traditionellen bunten Abende von Showabenden oder auch Disco-Partys abgelöst wurden. Trotzdem bereichert der „Heikuve“ weiterhin das Fest, beispielsweise mit seinen zahlreichen Tanzgruppen. Von 2003 bis 2013 übernahm die Stadt die Organisation. Eine große Neuerung ist die Wahl zur Miss Lauterecken, die seit 2005 stattfindet. Da die Stadt immer größere Probleme bekam, genügend Helfer zu finden, wurde die Organisation seit 2014 an Eventfirmen vergeben. Bis 2016 organisierte das „Event Team“ aus Kaiserslautern das Fest, seit 2017 die Altenglaner Firma „Speed of Sounds“ um Thomas Barz.
