Rheinpfalz Zur Sache: Der Mann, der „Pfeil“ hieß

In der Ersterwähnung von 1068 wird Niederschlettenbach als „Slettenbach“ bezeichnet. Weitere Nennungen finden sich mit Slettinbach in einer Urkunde vom Jahr 1329. Schon 1348, dann 1462 und in der folgenden Zeit schreibt sich der Ort Schlettenbach, ab 1816 Niederschlettenbach. Das Grundwort „Bach“ im Ortsnamen nimmt Bezug auf fließendes Wasser. Gemeint ist hier der Erlenbach, der den Ort durchfließt. Da sowohl Nieder- als auch Oberschlettenbach am gleichen Bachlauf liegen, muss der Bach oder müssen Teile von ihm ursprünglich einmal Schlettenbach geheißen haben und nach ihm die Orte benannt worden sein. Diese Ansicht vertritt der Namensforscher Ernst Christmann. Woher kommt jedoch das Bestimmungswort im Namen? Um es vorwegzunehmen, es ist nicht eindeutig zu klären. Älteste Nennung ist „sletten“ und slettin. Die mundartliche Bezeichnung lautet Schläddebach. Eine Version bezieht sich auf das mittelhochdeutsche Wort „slade“ für Talschlucht, es bedeutet aber auch Schilfrohr und Schilfsumpf. Demnach wäre das Dorf nach einem Bach benannt, der durch ein schilfbewachsenes Tal fließt. Möglich ist aber auch eine Benennung nach einer Person, einem Sleto jener frühen Tage, der hier Besitz hatte, so Christmann. Um 796 ist der Frauenname Sleta/Sledda nachgewiesen, wobei Sleto der männliche Name ist. Nach Meinung des Namensforschers Henning Kaufmann rührt die Dorfbezeichnung vom Personennamen Slatto her. Der Personenname selbst sei jedoch aus Slad entstanden, im Mittelhochdeutschen zu slate geworden, weiblich in der Bedeutung „Schilfrohr“ und hier wohl im Sinne von „Pfeilschaft“ gemeint. Im übertragenen Sinne könnte man also sagen, dass der Schlettenbach in jenen frühen Tagen der Bach war, der dem Slatto gehörte, einem Manne, den man „Pfeil“ nannte. Der Ortsname ist gewiss nicht alltäglich, aber auch nicht einmalig. Auf der Suche nach namensverwandten Orten in Deutschland und Europa stießen wir auf insgesamt 52 Orte, vom elsässischen Schlettstadt (um 727) über das westfälischen Schlade (1050 als Slade, Slede) bis hin zum dänischen Slettestrand.
