Rheinpfalz „Zughunde arbeiten auch mit dem Kopf“
Auf den hochgelegenen Feldern nahe Buborn, ist zurzeit einiges los. Nicht nur Traktoren und Mähdrescher sind hier unterwegs, sondern auch ein- bis zweimal die Woche die Bernhardiner Kati und Elfi mit ihren Haltern Dieter Schmidt aus Offenbach und Myrjam Schröer aus Buborn. Dort gehen sie jedoch nicht einfach nur mit den Schweizer Nationalhunden spazieren, sondern trainieren das Ziehen von Gespannen.
Dieter Schmidt ist seit 2004 begeisterter Anhänger des Zughundsports und Gründungsmitglied des Schweizer Sennenhund-Vereins Ortsgruppe Rodenbach. Wie Myriam Schröer aus Buborn, ist er ein großer Hundefreund und liebt die Arbeit mit den Tieren. Der Offenbacher wusste vor 2004 nichts von dieser Art Hundesport und war auch ein wenig skeptisch, als er erstmals beim Verein der Hundefreunde in Rodenbach von Gerhard Hunsinger davon hörte. Doch die anfängliche Skepsis ist schnell einer großen Begeisterung gewichen und nun arbeitet er an seinem Traum vom eingespielten Zweispänner mit seiner Kati und der jungen Elfi. Wichtig ist beim Zweiergespann, dass die Hunde harmonieren, und das ist bei den beiden Hündinnen der Fall. Wenn auch Kati eine waschechte Schweizerin mit deutlich dickerem Fell und erfahrener ist als die aus Kollweiler stammende Elfi. Die Stockhaarhündin ist erst 20 Monate alt und noch am Anfang ihrer Zughundeausbildung, komme aber schon gut mit dem Einspänner klar, versichert Schmidt. Mit dem Zweispänner hingegen will es an diesem Abend nicht so richtig klappen, denn Elfi möchte sich lieber gemütlich im Feld rumrollen. „Die ist schon den ganzen Tag etwas müde“, erklärt Schröer lachend. Tadel oder Strafe bleiben komplett aus und stattdessen zeigt Kati, die geduldig auf weitere Anweisungen ihres Herrchens wartet, alleine was sie kann. Spielend leicht bringt sie den Wagen zum Rollen und zieht hocherhobenen Hauptes von dannen. Um diese Aufgabe bewältigen zu dürfen, müssen Hunde mindestens 18 Monate alt sein, mindestens 30 Kilogramm wiegen und eine Widerristhöhe (vom Boden bis zum höchsten Punkt des Rückens) von 50 Zentimetern haben. Diese Anforderungen erfüllen die beiden großen Vierbeiner mit 58 und rund 66 Kilo mit Leichtigkeit, und auch das eher ruhige und sanftmütige Wesen der Bernhardiner passt. Schmidt hat die Erfahrung gemacht, dass Zughunde ausgeglichener sind, da sie sowohl körperlich als auch mit dem Köpfchen arbeiten. Bis es soweit ist, ist aber etwas Geduld gefragt, denn zunächst wird durch das Ziehen eines Reifens die Kondition des Hundes trainiert, und auch an das Geschirr oder die „Lande“, das Holz, welches am Hundekörper vorbeigeht und der Lenkung dient, muss sich der Hund schrittweise gewöhnen. Wichtig ist es beiden Haltern, dass der Hund noch Hund bleiben darf – es wird viel mit Leckerchen und Lob gearbeitet. „Der Hund ist schließlich keine Maschine“, sind sich Schröer und Schmidt einig, während in der Vergangenheit das „Pferd des kleinen Mannes“ weniger zum beiderseitigen Vergnügen, sondern zum Lastentransport eingesetzt wurde. Der Wagen wiegt rund 50 Kilogramm. Theoretisch könne ein Bernhardiner das Vierfache seines Gewichts ziehen, berichtet Schmidt, doch das sei nicht sein Anliegen. Bei Festumzügen wird der Wagen mit Blumen und Milchkanne geschmückt, und auch als Kleinkindertaxi auf einem Weihnachtsmarkt oder ähnlichem ist das Gespann zu nutzen. Viermal nahm er in der Schweiz an einem Wettbewerb teil und gerät noch immer ins Schwärmen. Dass Bernhardiner immer ein Fässchen tragen, sei nur ein Gerücht, aber trotzdem hat Schmidt eines. Seine fünfeinhalbjährige Hündin aus der Schweiz trägt es auch gelegentlich, aber nur, wenn das Zuggeschirr nicht angelegt ist. Der Schutz der Tiere ist beiden Haltern sehr wichtig. Daher ziehen die massiven Hunde keine größeren Lasten und auch nicht, wenn es über 23 Grad warm ist. Auch ist der Wagen so konzipiert, dass das Geschirr nicht an der breiten Hundebrust scheuert oder der Wagen dem Hund in die Hinterläufe geraten kann. Nachdem der traditionelle Zugwettbewerb in Bigenthal/Schweiz nach 25 Jahren nicht mehr ausgetragen wurde, findet seit 2016 in Siegelbach ein ähnlicher Wettbewerb statt, den die Rodenbacher Hundefreunde organisieren. In diesem Jahr ist es am 14. Oktober wieder soweit. Dort können Zuschauer beobachten, wie Hunde im Gelände diverse Aufgaben bewältigen und wie die Vierbeiner in einem Geschicklichkeitsparcours knifflige Hindernisse wie einen Balken oder auch einen Wassergraben überwinden. Dieter Schmidt darf als Mitglied an diesem Wettbewerb nur außer Konkurrenz teilnehmen. Er wird eher darauf achten, wie die Hunde sich während des Wettbewerbs im Gelände verhalten.