Kultur Südpfalz Zone des Grauens
So spannend war es im Universum-Kino in Landau schon lange nicht mehr. Es war die Zeit der Wettkämpfe des geflügelten Wortes. Poetry-Slam war angesagt. Auf die Bühne stiegen Dichter, Denker und Wortkünstler. Sie zeigten ihr wirklich geniales Können in jeweils sechs Minuten. Keine Requisiten waren erlaubt. Allerdings entschied sich das Publikum für eine interessante Ausnahme: Brokkoli auf der Bühne war erlaubt.
Sechs Slammer fanden den Weg nach Landau – und es war ein Genuss, den Akrobaten des geschliffenen Wortes zuzuhören. Eigenwillige, ergreifende oder erstaunliche Texte fanden da den Weg in den Gehörgang des Publikums. Und die waren aus dem Häuschen. Aber, nicht nur die Akteure auf der Bühne zeigten ihr Können, auch das Publikum auf der dunklen Seite sollte durch die Intensität des Klatschens zeigen, wer Sieger des Wettstreits wird. Den Anfang machte der 20-jährige Niklas Wiora aus Landau. Er erzählte von kleinen Wortansammlungen, die er zwar im Kopf hat, aber nicht so richtig auf das Papier bringen konnte. Sein Motto: „Er möchte gern einen Text schreiben, übertreiben und dann ruhig bleiben.“ Martin Ruppert aus Köln zeigt ein Horrorszenario an einem ganz normalen Alltags-Abend, das unter dem Titel Nächstenliebe und (ziemlich laute!) Musik steht. Aus Malsch kam Natalie Friedrich. Und mit ihr die Poesie unter dem Texttitel „Phönix“, sowie die brennenden Träume, die sich als dunkler Staub in alle Winde verstreuen. Jey Jey Günderling aus Frankfurt findet den Sommer mit all seinen Attributen einfach nur brutal. Und das Freibad ist eine Zone des Grauens. Sein Fazit: Hoffentlich kommt bald der Herbst! Aus Hannover fand Tabea Farnbacher den Weg ins Kino. Sie studiert Psychologie und widmete sich ihrer Klausur im Multiple Choice-Verfahren. Doch was ankreuzen? Kurz und knapp: durchgefallen. So was! Marius Loy aus Esslingen begrüßt mit einem „Shalömchen“ die Leute auf den Plätzen und rückt mit dem Text „Kuss“ die Liebeslyrik in ein sehr realistisches Licht. Und doch – wenn es, trotz aller Widrigkeiten, zu einem Kuss kommt, hört man die Engel applaudieren. Das Publikum hatte nun die Qual der Wahl und entschied sich mit deutlichem Applaus für Jey Jey Günderling als Sieger dieses Wettstreits. Ihm folgten Natalie Friedrich und Marvin Ruppert. Durch den Abend führte charmant Conférencier Hanz, der kürzlich den Dieter-Kissel-Performancepreis 2018 gewonnen hat.