Rheinpfalz Wolfstein/Lauterecken: Labradormix Maggie wird zum Schulhund ausgebildet

Konzentriert bei der Sache: Maggie im Unterricht am Schulstandort Wolfstein.
Konzentriert bei der Sache: Maggie im Unterricht am Schulstandort Wolfstein.

Zwar ist sie noch in der Ausbildung – aber dennoch sorgt die neue Pädagogin an der Realschule plus Lauterecken-Wolfstein schon jetzt mit ihrer ganz besonderen Art für eine bessere Lernatmosphäre, mehr Empathie, Ruhe und Sauberkeit. Seit einigen Wochen ist Maggie an beiden Schulstandorten auf vier Pfoten unterwegs. Stundenweise unterstützt der Labradormix den Unterricht seiner Besitzerin, Lehrerin Julia Konrad aus Kreimbach-Kaulbach. Dort hat Maggie die Rolle des sozialen Eisbrechers, aber auch ein wenig des Klassenclowns und Maskottchens übernommen.

„Wann ist Maggie da? Kommt sie auch mal zu uns?“ Mit diesen Fragen wir Julia Konrad derzeit häufig konfrontiert. In der Region ist die Realschule plus die einzige weiterführende Schule mit einem Schulhund. Der Labradormix, der am 14. April seinen ersten Geburtstag feiert, ist momentan noch in der Ausbildung. Wie ihre Besitzerin ist Maggie an beiden Schulstandorten aktiv – allerdings mit einem deutlich geringeren Stundenkontinent, denn der junge Hund soll in keinem Fall gestresst werden. Darum gibt es im Klassensaal der 8b eine Hundeecke mit einer verschließbaren Stoffbox, die die Schüler mit Namensschild und Lichterkette verziert haben. Zur Ruhe könnte die Hündin auch unter dem Pult kommen – doch noch sei Maggie zu neugierig und sie müsse weiter trainiert werden, damit sie sich überhaupt zur Ruhe legt, berichtet Konrad. Zwar sei beispielsweise ein umfallender Stuhl schon kein Problem mehr, doch gebe es tagtäglich neue interessante Geräusche für Maggie. Zum Glück ist der Weg nach Kreimbach-Kaulbach nicht weit, und so kann Konrad den Hund in Freistunden mal schnell nach Hause fahren zu ihrem neunjährigen Hund Barney. Für Maggie hat sich das hundeaffine Ehepaar Konrad entschieden, weil der Labradormix schon als Welpe sehr offen, aufmerksam und anhänglich war. Unterwegs auf dem Schulgelände ist Maggie stets angeleint. Schüler, die ihr begegnen, strahlen direkt und fragen nach – wie es die Hunderegeln vorschreiben –, ob sie den Hund streicheln dürfen. Die Hündin genießt die Zuneigung sichtlich. Für Maggie ist die Schule schon ein zweites Zuhause geworden, dafür müssen sie und ihre Besitzerin auch einiges leisten. Einen Eignungstest hat sie abgelegt, abends muss sie Tricks lernen und an Wochenenden zur Schulhundausbildung nach Saarbrücken. Zudem sind hygienische Standards einzuhalten, der Hund ist immer topfit, entwurmt und geimpft. Das nimmt Julia Konrad gerne in Kauf: Ihr großes Anliegen war es schon immer, Hobby und Beruf zu verbinden, außerdem ist sie interessiert daran auszutesten, wie Hunde eingesetzt werden können. Für die Pausen und für Maggies Geschäfte gibt es einen Dienst, den Schüler zwischen zwölf und 16 Jahren gerne übernehmen. Konrad hatte Maggie als Welpen stundenweise dabei, damit der Hund nicht so lange allein war. Bis Schulleiterin Katja Zielinski auf die Lehrerin zukam mit dem Vorschlag, Maggie zum Schulhund auszubilden. Der Rest des Kollegiums sei von der Hündin ebenfalls begeistert, auch von Elternseite habe es durchweg positive Rückmeldungen gegeben, sagt Konrad. Unterrichtsstunden mit Maggie seien anstrengender, weil die Lehrerin nicht nur den Schülern Aufmerksamkeit zukommen lassen muss, sondern zeitgleich den Hund im Blick haben. Bereits beim Referendariat in Saarbrücken hatte die junge Lehrerin, die im Hundeverein Hefersweiler seit Jahren als Trainerin und Ausbildungsleiterin aktiv ist, Erfahrungen mit einem Schulhund gemacht. Im Sommer werden Konrad und Maggie ihre Prüfungen ablegen, danach soll Maggie Halstuch und eine Art Geschirr erhalten, um direkt als Schulhund erkennbar zu sein. Hierzu lernt Konrad abends mit Maggie zum Beispiel das Würfeln. So kann die Hündin Glücksfee spielen und Gruppen zusammenwürfeln oder Themen zuweisen. Das lockert laut Konrad nicht nur den Unterricht auf, zudem herrsche hohe Akzeptanz für Entscheidungen des Hundes. Gelegentlich dürfen die Schüler natürlich auch einfach nur mit Maggie spielen. In der Klasse 8b mit 27 Schülern hat Maggie schnell die Rolle des Klassenclowns und Maskottchens übernommen. Kaum abgeleint, geht sie zielstrebig zu ihrem quietschenden Spielzeug, mit dem sie erst einmal eine Ruhe durch den Klassensaal dreht. Der Labradormix ist – typisch für seine Rasse – sehr verfressen und sucht den ganzen Boden nach Essbarem ab. Das wissen auch die Schüler, und entsprechend sind die Ranzen verschlossen, es liegt kaum etwas am Boden – und wenn doch, dann findet Maggie es. Da wird dann mal kurz auf einem Radiergummi herumgebissen, bis Julia Konrad ihn der Hündin wegnimmt. Natürlich gibt es auch mal Probleme, wie Konrad schildert: So hatte eine Schülerin extreme Angst vor Hunden, weil sie einst hatte mit ansehen müssen, wie ihre Schwester gebissen wurde. Als dies klar wurde, musste Maggie den Saal umgehend verlassen. Doch anders als befürchtet, hätten die Mitschüler dem Mädchen keine Vorwürfe gemacht, weil Maggie die Klasse nicht besuchen kann, sondern seien verständnisvoll gewesen und hätten die Schülerin beruhigt. Beim RHEINPFALZ-Besuch zeigt sich, dass der Hund gut fürs Klassenklima zu sein scheint. So berichtet etwa Keith, dass er sich deutlich wohler in der Klasse fühle, seit Maggie den Unterricht stundenweise besucht. Der Labradormix höre gut auf die Lehrerin und selbst auf die Schüler. Und David, der schon schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht hat, sagt, seine Angst sei nach und nach komplett verschwunden. „Das hat sich um 100 Prozent geändert“, erklärt er stolz. Chantal, die viel Erfahrung mit Hunden hat, betont vor allem, dass es in der Klasse nicht nur deutlich leiser sei als früher, sondern auch sauberer, da jeder direkt seinen Müll wegwerfe.

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