Eisenberg „Wohnortnahe Versorgung der Patienten würde schlechter“

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Seit 2009 ist die Kassenärztliche Vereinigung dabei, Bereitschaftsdienstzentren zu schaffen. Davon sollen nun auch Kirchheimbolanden und Rockenhausen betroffen sein. Möglich, dass Patienten künftig nachts nach Meisenheim oder Alzey fahren müssen. In Kirchheimbolanden stößt das alles andere als auf Begeisterung.

Guido E. Jack kann das Vorhaben der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz nicht nachvollziehen. „Ohne Not“, sagt der Leiter der Bereitschaftsdienstzentrale in Kirchheimbolanden kopfschüttelnd. Konkret geht es um eine Zusammenlegung der Kirchheimbolander Zentrale mit der in Alzey. Für Jack entstehen daraus Nachteile für Kirchheimbolanden und die Ortschaften am Donnersberg, die von den Ärzten in der Bereitschaftsdienstzentrale betreut werden. So sei ab dem 1. Juli vorgesehen, dass montags, dienstags und donnerstags ab 19 Uhr bis am nächsten Morgen um 7 Uhr die Bereitschaftsdienstzentrale in Alzey zuständig ist. Bislang hatten montags und dienstags Hausärzte ab 19 Uhr Dienst, donnerstags war von 19 bis freitags, 7 Uhr, die Bereitschaftsdienstzentrale neben dem Westpfalzklinikum in Kirchheimbolanden zuständig. Diese war bisher auch mittwochs ab 14 Uhr bis donnerstags, 7 Uhr, und freitags ab 16 Uhr bis montags, 7 Uhr, besetzt. Auch hier soll es künftig anders aussehen, wie Jack erfahren hat. In Kirchheimbolanden wäre die Bereitschaftsdienstzentrale mittwochs noch von 14 bis 24 Uhr, freitags von 16 bis 24 Uhr und samstags sowie sonntags jeweils von 8 bis 24 Uhr geöffnet. Ansonsten sei dann Alzey zuständig. Pläne, die der Leiter der Bereitschaftsdienstzentrale nicht nachvollziehen kann. „Wie soll ein Patient solche Öffnungszeiten verstehen?“, fragt er. Er denkt auch an ältere Menschen, die nachts dann nach Alzey fahren müssten. „Beide Städte liegen zwar nahe zusammen, aber die Versorgungsgebiete driften auseinander“, betont Jack. Kirchheimbolanden und auch Rockenhausen sollen nach Informationen Jacks künftig nur noch Nebenstellen der Bereitschaftsdienstzentralen in Meisenheim und Alzey sein. Für ihn ist das eine Benachteiligung für die Bewohner des Donnersbergkreises, „die mit einer deutlichen Verschlechterung der wohnortnahen Patientenversorgung einhergeht und für den einen oder anderen Fall über die Grenzen der Zumutbarkeit hinaus geht“. Das hat der Leiter der Kirchheimbolander Bereitschaftsdienstzentrale auch Sigrid Ultes-Kaiser, der Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, so mitgeteilt. Die Folgen kann er sich schon ausmalen. „Statt in eine Bereitschaftsdienstzentrale zu kommen, werden die Patienten dann auch mal wegen eines Schnupfens in der Notaufnahme des Krankenhauses sitzen – oder sie warten, bis die Hausarztpraxis wieder geöffnet ist“, sagt Jack. Der 67-Jährige war vor über 20 Jahren dabei, als in Kirchheimbolanden eine Bereitschaftsdienstzentrale eingerichtet wurde. „Seit mehr als zehn Jahren läuft das hier auch mehr oder weniger reibungslos“, sagt Jack. Der Vorteil in Kirchheimbolanden sei, dass ein Großteil des siebenköpfigen Teams Hausärzte sind. „Diese kennen die Gegend, kennen oft die Patienten und die Krankheitsbilder.“ Das, befürchtet der Kirchheimbolander Hausarzt, werde künftig verloren gehen. Zudem betreue die Bereitschaftsdienstzentrale in Kirchheimbolanden unter anderem auch sechs Altenheime. „Unsere Befürchtung ist, dass durch die nächtliche Versorgung der Bereitschaftsdienstzentrale in Alzey eine deutliche Verschlechterung für diese Institutionen entstehen wird. Hausbesuche werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr in dem Maße wahrgenommen, wie es durch die Bereitschaftsdienstzentrale Kirchheimbolanden in der Vergangenheit geschehen ist“, sagt Jack. Bisher habe in Kirchheimbolanden immer ein Arzt Dienst gehabt. Das sei kostengünstig. Die zwölf Stunden donnerstags seien über eine zusätzliche Umlage finanziert worden. Was das Patientenaufkommen in Kirchheimbolanden betrifft, müsse man sich vor anderen Zentralen nicht verstecken, sagt Guido E. Jack. Gerade an verlängerten Wochenenden seien es in Kirchheimbolanden schon mal 150 Patienten am Tag. „Da sind dann auch mal Fälle dabei, wo jemand mit Rückenschmerzen kommt und sich das als Infarkt herausstellt“, so der Leiter der Zentrale. In solchen Fällen komme es auf jede Minute an. Nicht zuletzt gehe es hier auch um die Arbeitsplätze der Kräfte am Empfang, die auch den Telefondienst übernehmen. „Warum muss man was ändern, dass sich bewährt hat?“, fragt der Mediziner.

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