Rheinpfalz Wo in Speyer gebaut werden soll: 31 Flächen mit vielen Fragezeichen

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Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt das Angebot in Speyer seit Jahren bei Weitem. Wohnbaupotenziale zu erschließen, ist deshalb eine wichtige Aufgabe der Stadtplanung. Entsprechende Vorschläge gab es schon 2014 und 2016, jetzt liegt – wie am 16. August berichtet – ein neuer, an einigen Stellen angepasster Entwurf für ein „Flächenprogramm Wohnen“ vor. Die RHEINPFALZ gibt einen Überblick über den Inhalt.

Auf 2190 Wohneinheiten schätzt die Stadt den Neubaubedarf bis ins Jahr 2030. Das wären 840 Einfamilienhäuser und 1350 Einheiten in Mehrfamilienhäusern, für die in der Summe ein Flächenbedarf von 40 Hektar angesetzt wird. Die dafür möglichen Gelände sind inzwischen in der Verwaltung, von externen Fachleuten und auch von der Politik mehrfach bewertet worden. Einzelne Flächen sind dazugekommen, andere herausgefallen. 31 Flächen plus fünf „Sonderwohnbauflächen“ stehen in der Liste, die die Stadt vorige Woche der Arbeitsgruppe „Wohnen“ vorgestellt hat. „Es ist noch ein Entwurf“, betont Matthias Nowack, Pressesprecher der Stadtverwaltung. „Das wird Grundlage für die weiteren Diskussionen im Bauausschuss und im Stadtrat sein.“ Am Mittwoch, 27. September, soll das Thema im Bau- und Planungsausschuss aufgerufen, noch vor Jahresende im Stadtrat beschlossen werden. In früheren Aussagen waren frühere Daten für die Vorlage des Flächenplans genannt worden. Nun soll es durchaus zügig gehen, denn Ergebnisse des zu beschließenden Handlungskonzepts sollen nicht erst 2030 zu sehen sein. Die 31 Projekte sind in dieser Hinsicht klassifiziert. Die mit „hoher Priorität“ sollen bis 2022 stehen – genannt sind 15 Bauvorhaben, die 900 Wohneinheiten – 250 in Ein- sowie Zweifamilienhäusern, 650 in Mehrfamilienhäusern – bringen würden. Danach kämen Projekte mit „mäßiger Priorität“. Andere sind als „zurückgestellt“ oder „Reserve“ eingeordnet. Ob jeweils bereits konkrete Investoren dahinterstehen, ist nicht aufgeführt. Ein Überblick über die Kategorien: Projekte mit hoher Priorität: Längst gestartet bis umstritten

  • Nummer 3: Außenbereichsentwicklung „Kurze Wingertsgewanne“. Es handelt sich um den Bereich zwischen Kurpfalzkaserne und den ASV-Sportplätzen sowie der L 534 in Richtung Waldsee. Heute wird dieser als Acker genutzt. Die Stadt sieht eine städtebauliche Voruntersuchung/Eignungsabschätzung als erforderlich an, um zu klären, ob dort die theoretisch möglichen 350 Wohneinheiten denkbar sind.
  • Nummer 6: Hinterhausbebauung „Baumviertel“. Projekt mit einigem Diskussionspotenzial: Soll grob gesagt im Karree zwischen Siedlungsschule, Spaldinger und Waldseer Straße sowie Nußbaumweg Bauen in zweiter Reihe erlaubt sein? Laut Stadt wäre zunächst wieder eine Eignungsabschätzung nötig. Es könnte um 80 Einheiten gehen.
  • Nummer 7: Nachverdichtung „Gewo-Nord, Fliederweg“. Hier hat bereits eine kurze Diskussion 2016 im Ausschuss gezeigt, dass es unterschiedliche Ansichten gibt. Die Gewo, städtische Wohnungsbaugesellschaft, hat gute Erfahrungen mit auf bisherige Grünflächen gestellten zusätzlichen Wohnblöcken in Speyer-West gemacht. Es muss aber jeweils genau abgewogen werden, was in dem ohnehin dicht besiedelten Bereich verträglich ist. Vorschlag der Stadt nun: zwei bis drei zusätzliche Gebäude links und rechts des Eibenwegs. Das wäre ein erster Abschnitt, für den bereits Baurecht vorliege. Insgesamt könnte es um 120 Einheiten gehen.
  • Nummer 10: Konversion „Am Rabensteiner Weg“. Hier gibt es Bauträger-Vorschläge, auf deren Basis die Stadt circa 40 Einheiten im Dreieck zwischen Wormser Landstraße, Rabensteiner Weg und Industriegleis und den Start eines Bebauungsplanverfahrens empfiehlt.
  • Nummer 12: „Wohnergänzung am Mausbergweg“. Baurecht bestehe, ein konkretes Bauantragsverfahren müsse folgen. In einer Nachverdichtung entstehen könnten rund zehn Reihenhäuser parallel zum Parkplatz von Schule und Kita.
  • Nummer 15: Konversion „Alte Ziegelei“. Das von Investor Deutsche Wohnwerte (Heidelberg) schon gestartete Erlus-Projekt „Am Fluss“. Die Stadt kalkuliert mit 300 Wohneinheiten in fünf Häusern.
  • Nummer 19: Nachverdichtung „Gewo-West, Heinrich-Heine-Straße“. Zusätzliche Gebäude zwischen bestehenden Blöcken in den Bereichen Heinrich-Heine- und Eichendorffstraße könnten 110 Wohnungen bringen. Baurecht bestehe für einen ersten Abschnitt mit zwei Häusern zur Quartiersmensa hin.
  • Nummer 23: Nachverdichtung „Paulstraße“. Eine Lücke im Mittelkämmerer könnte mit 25 Wohneinheiten gefüllt werden.
  • Nummer 24: Blockrandbebauung „Bartholomäus-Weltz-Straße“. Circa 15 Wohneinheiten mit Tiefgarage im Bereich der Kita, die auf den Diakonissen-Campus umzieht, und im Garten des Scherer-Stifts.
  • Nummer 25: Neuordnung „Ehemaliges Bistumshaus St. Ludwig“. Das Bistum sucht einen Käufer für den 2017 aufgegebenen Sitz seines Caritas-Verbandes. Viele Lösungen bis hin zum Hotel waren schon in der Diskussion. Laut Stadt könnten rund 70 Einheiten entstehen.
  • Nummer 26: Konversion „Stiftungskrankenhaus“. Kommendes Jahr wollen die Diakonissen aus dem ehemaligen städtischen „Stift“ ausziehen. Was passiert mit dem Gebäude und Gelände im Herzen der Stadt? Die Verwaltung setzt 60 Wohneinheiten im Konzept an.
  • Nummer 28: Bauliche Ergänzung „Versickerungsbecken Normand“. Es handelt sich noch nicht um die Bebauung des früheren Sportplatzes der Kaserne, sondern den Bereich zwischen Sportfeld und Paul-Egell-/Seekatzstraße. Kalkuliert wird mit rund 20 Reihenhäusern.
  • Nummer 29: Neubebauung „Am Priesterseminar“. Das Projekt des katholischen Siedlungswerks GSW mit 150 Einheiten ist in trockenen Tüchern. Der Baubeginn wird in den nächsten Monaten erwartet.
  • Nummer 30: Konversion „Russenweiher“. Hier geht es planerisch nur noch um Formalien. 130 Einheiten in unterschiedlicher Größe werden unter anderem auf früheren Gärtnerei-Flächen gebaut.
  • Nummer 31: Konversion „Windthorststraße“. Hier ist die Planung für die Bebauung einer bisherigen Gärtnerei weitgediehen. Dem Projekt einer GmbH von Investor Thomas Huber werden gut 40 Einheiten in vier Gebäuden zugerechnet.
Projekte mit mäßiger Priorität: Lange Liste für die Zeit ab 2022
  • Nummer 1: Konversion „Kurpfalzkaserne“. Die Stadt arbeitet an einem Masterplan, seit die Bundeswehr 2015 abgezogen war. Dazwischengekommen ist die Nutzung der Kaserne als Flüchtlingsunterkunft. Teile der Liegenschaft will die Stadt schnell übernehmen, andere nach Ende der Asylunterkunft. Sie rechnet jetzt mit 150 Einheiten auf dem Gebiet, wo sie überwiegend selbst Flüchtlinge beherbergt. Der nördliche Bereich der Landeseinrichtung ist außen vor. Heute ist die gesamte Kaserne auf mehr als 1600 Flüchtlinge ausgelegt.
  • Nummer 2: Lückenschluss „Hagebuttenweg“. Eine heutige Wiesenfläche nördlich der Bebauung, die an Feld und Kaserne grenzt, könnten 40 Wohneinheiten beheimaten. 2016 hatte die Stadt darüber nachgedacht, dort mobile Asylunterkünfte unterzustellen, die sie aber jetzt nicht mehr benötigt.
  • Nummer 4: Nachverdichtung „Sanddornweg“. Die Stadt hält 15 Einheiten, etwa in Reihenhäusern, im Bereich des Gewo-Parkplatzes am Wendehammer für möglich.
  • Nummer 11: Konversion „Von der Heydt-Gelände“. Das traditionsreiche Unternehmen will sich im Industriegebiet West ausweiten, die Gewo hat sich die bisherige Immobilie schon vor vielen Jahren gesichert, die Stadtverwaltung hält 35 Wohneinheiten für möglich.
  • Nummer 14: Konversion „Industriehof/Schiffer & Nicklaus“. Ein heißes Eisen, gerade was den Industriehof angeht. Die Eigentümer der einstigen Celluloid-Fabrik sind sich uneins, ob sie den Wandel von Gewerbe- zu Wohnnutzung wollen. Beim benachbarten Schiffer-Nicklaus-Gelände hat Investor Thomas Pfirrmann zwar ebenfalls Kleingewerbe angesiedelt, sagt aber offen, dass er mittelfristig hin zu Wohnbebauung möchte. 200 Wohneinheiten hält die Stadt für denkbar.
  • Nummer 17: Nachverdichtung „St. Otto“. Im Plan genannt sind 20 Einheiten bei der Kirche.
  • Nummer 18: Arrondierung „Haus Pannonia“. Neben dem Quartier der Donaudeutschen in B-9-Nähe ist eine Freifläche, für deren Bebauung die Stadt 45 Einheiten ansetzt. Sie hat sie auch für Gemeinschaftswohnprojekte vorgeschlagen, aber keine Interessenten gefunden.
  • Nummer 20: Neuordnung „Albert-Einstein-Straße“. Auf einem Areal zur Landauer Straße hin könnten 25 Wohnungen entstehen.
  • Nummer 27: Neubebauung auf dem „Sportplatz Normand“. Neben Nummer 28 der größere Teil eines möglichen Großprojekts, für das auch die Politik schon viele Vorschläge gemacht hat. Die Stadt hält 60 Einheiten für möglich.Ansonsten: Reserven, Rückläufer und besondere Flächen
Ansonsten: Reserven, Rückläufer und besondere Flächen
  • Weitere 400 Wohneinheiten bezeichnet die Stadt als „Reserve“, deren Umsetzung sie als zurückgestellt ansieht. Der Entwurf nennt die Arrondierung „Westlich Birkenweg“ (Nummer 5, 20 Einheiten), die Hinterhausbebauung „Östlich Otterstadter Weg“ (Nummer 8, 20 Einheiten), die Neuordnung „Alte Speyerer Weide/Kuhweide“ (Nummer 9, 40 Einheiten), die Neustrukturierung „Zwischen Nonnenbach und Wormser Landstraße“ (Nummer 13, 30 Einheiten), die Neustrukturierung „Im Sterngarten“ (Nummer 16, 150 Einheiten), die Konversion „Ehemaliges Sägewerk Steiner“ (Nummer 21, 20 Einheiten) und die Neuordnung „Hirschstraße“ (Nummer 27, 30 Einheiten).
  • Preisgünstiger Wohnungsbau ist ein Thema, über das bei allen Stadtentwicklungsfragen in Speyer politisch diskutiert wird. Auch hierzu macht die Stadt Vorschläge: Sie geht davon aus, dass auf den Flächen Nummer 1, 2, 4, 5, 7, 11, 12, 17, 18, 29 und 20 nicht nur Top-Verdiener zum Zug kommen können. Als gut für Gemeinschaftswohnprojekte geeignet nennt sie die Nummern 1, 7, 11, 14, 17, 18, 26, 27 und 28.
  • Nicht mehr im Plan enthalten sind mehrere früher vorgeschlagene Flächen. Ursache ist laut Stadt-Sprecher Matthias Nowack unter anderem, dass sich nicht nur beim Wohnen, sondern auch beim Gewerbe die Engpässe verstärkt hätten. Deshalb solle nicht mehr jede einst angedachte gewerbliche Fläche zu Wohnbauzwecken umgenutzt werden. Beispiele sind das alte Lidl-Zentrallager an der Franz-Kirrmeier-Straße, wo der Discounter selbst umgeplant und sich für eine Weiternutzung entschieden hat, die Werkstraße, wo zum einen nicht alle Eigentümer Interesse an einer wohnbaulichen Entwicklung hätten und zum anderen die künftig dort angesiedelte Hauptfeuerwache für Nutzungskonflikte sorgen könnte, sowie die Alte Speyerer Weide entlang der Wormser Landstraße: „Hier sieht die Stadtplanung angesichts der Lage und des Umfeldes eine gemischte Entwicklung eher als eine reine wohnbauliche Nutzung.“ Eine Bebauung entlang der Bahnstrecke in der Burgstraße war politisch nicht gewollt, ein Bauen hinter der Wimphelingstraße zum Feld hin brächte laut Nowack eine „schwierige und voraussichtlich unwirtschaftliche Erschließung“ mit sich. Er ergänzt: „Die ursprüngliche Übersicht entstand auf der Basis einer sehr grobmaschigen Betrachtungsweise.“ Inzwischen sei die Stadtplanung bei einem sehr feinen Prüfraster angekommen. Es sei geplant, die möglichen Standorte weiterhin zu prüfen und im Sinn einer integrierten Stadtentwicklung nicht isoliert zu sehen. Nicht im Konzept enthalten sind übrigens auch der Vorschlag der SPD Speyer-Nord, im Rinkenbergerhof nachzuverdichten, sowie frühere Pläne, etwa den Bereich der ehemaligen Kita „Villa Kunterbunt“ am Eselsdamm/Schiffergasse für neue Wohneinheiten zu nutzen.
  • Fünf Gebiete sind in der Kategorie „Sonderwohnformen“ aufgelistet: Dabei handelt es sich um mögliche Studentenwohnheime im Bereich des Instituts St. Dominikus (S3 und S4), ein vom Bauherr Diakonissen bereits fest in Aussicht gestelltes Wohnheim für Mitarbeiter auf der Fläche bei dessen Klinik (S5), darüber hinaus eine „Arrondierung Viehtriftstraße“ (S1) und neue Ideen fürs frühere Erlichhaus (S2).
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