Rheinpfalz Wo der Notruf eingeht
„Wie ist die Lage?“ – In der Führungs- und Lagezentrale des Polizeipräsidiums Westpfalz ergibt diese Frage so richtig viel Sinn. Denn dort werden jeden Tag Polizeimeldungen und Medien ausgewertet, um eine aktuelle Einschätzung der Lage vorzunehmen. Ebenfalls in ihrer Zuständigkeit: die Büros, in denen der Polizeinotruf 110 eingeht.
Die Führungs- und Lagezentrale ist beim Führungsstab des Polizeipräsidiums Westpfalz angesiedelt und gilt als sein Herzstück. So ziemlich alles, was im Polizeipräsidium passiert, landet auf den Schreibtischen von Leiter Jürgen Stork und seinen Kollegen – und das an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr. Fünf Dienstgruppen wechseln sich dabei im Schichtdienst ab, berichtet Stork. Für die Beamten der Führungs- und Lagezentrale steht jede Menge Lesen auf dem Programm: Sie erhalten die Einsatzberichte aller Dienststellen des Polizeipräsidiums, darunter unter anderem Rockenhausen, Dahn, Landstuhl und Kusel, zählt Stork auf. „Die Kollegen dort erstellen jeweils einen Einsatzbericht, den wir hier auswerten“, schildert Stork. Alles, was bei der Auswertung relevant erscheine, werde von seinen Kollegen zusammengefasst und in ein internes Informationsnetz gestellt, auf das alle Polizeibeamte zugreifen können. Das Ziel: Durch das Lesen und Auswerten der Polizeimeldungen sollen Muster und Zusammenhänge von Taten erkannt werden, die für die einzelnen Dienststellen nicht sichtbar wären. Etwa, wenn ähnliche Delikte nacheinander in verschiedenen Städten passieren, wie beispielsweise Einbruchsserien. Doch auch Informationen über Personen, die an verschiedenen Stellen strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, werden bei der Lagezentrale gesammelt. Neben den Polizeiberichten analysieren die Beamten täglich unterschiedliche Medien: Dazu zählen neben Zeitungen auch Online-Medien wie Facebook und Twitter. „Wir werten das aus, was aktuell stattfindet“, so Stork. Ebenfalls in seiner Zuständigkeit liegt die Führungszentrale oder auch Einsatzleitstelle. Sie ist der Ort, an dem der Polizeinotruf 110 entgegengenommen wird. Die Beamten sitzen dort an Schreibtischen, die im Halbkreis angeordnet sind, vor sich jeweils mehrere Bildschirme. Als Polizeiführer vom Dienst hat an diesem Tag Michael Peters den Hut auf. „Vom Unfall bis zu auffälligen Feststellungen und dem Melden von Einbrüchen läuft hier alles ein“, nennt er einige der Themengebiete, die die Arbeit in der Führungszentrale abdeckt. Je nachdem, welches Anliegen der Anrufer hat, werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet, erläutert Stork. Das reiche vom Entsenden einer Streife bis zur Organisation eines Großeinsatzes. Auch an dieser Stelle dreht sich alles um die Einschätzung der Lage: Sobald der Polizeiführer vom Dienst diese als zu groß für seinen Bereich beurteilt, werde der Einsatz anders aufgezogen, schildert Stork. Während die Beamten der Führungszentrale den Fall betreuen, werde parallel dazu eine Art Sondereinsatz organisiert, für den ein eigener Raum neben der Führungszentrale bereitsteht. Dort können bei Bedarf Beamte aus allen notwendigen Abteilungen hinzugezogen werden. Eines gilt dabei für alle Einsätze: sind sie beendet, wird das Ergebnis zurück an die Führungs- und Lagezentrale gemeldet, wo alle Informationen zusammenlaufen – und am nächsten Tag wieder als Polizeimeldung auf dem Tisch von Stork und seinen Kollegen liegen. Ein weiterer Bereich, für den Stork zuständig ist, ist die Diensthundestaffel. Die Hunde selbst seien zwar in Enkenbach-Alsenborn untergebracht, die Organisation der Einsätze werde hingegen von der Führungs- und Lagezentrale in Kaiserslautern gesteuert. (jtt)