Rheinpfalz „Wir wollen Wertschätzung“

Sportliche Erfolge werden nicht „trotz“, sondern „mit“ einer Hörschädigung errungen – so sieht das Daniel Haffke. Der von ihm ge
Sportliche Erfolge werden nicht »trotz«, sondern »mit« einer Hörschädigung errungen – so sieht das Daniel Haffke. Der von ihm geführte GSC Frankenthal ist der größte Gehörlosen-Sportverein in Rheinland-Pfalz.

«Frankenthal.» Morgen kommen junge hörgeschädigte Sportler aus ganz Deutschland nach Frankenthal zum Bundesjugendtreffen der Gehörlosen. Ausrichter der Wettkämpfe ist der hiesige Gehörlosen-Sportclub (GSC). Von Barrieren und Brücken zwischen Hörenden und Nichthören, berichtet Vorsitzender Daniel Haffke. Das Gespräch mit ihm wurde per E-Mail geführt.

Warum findet das siebte Bundesjugendtreffen der Gehörlosen ausgerechnet in Frankenthal statt?

Der GSC war der einzige Bewerber für dieses Treffen. Die beiden vorherigen Bundesjugendtreffen waren 2010 in Köln und 2014 in Hamburg. Ich war dort im Organisationskomitee und habe meinem Verein gesagt: „2018 machen wir das, wir schaffen das.“ Alle waren dafür. Werden im beschaulichen Frankenthal kleinere Brötchen gebacken als in Köln und Hamburg? Dort hatten wir jeweils etwa 500 Teilnehmer. Für Frankenthal liegen uns nur 420 Anmeldungen vor. Das liegt nicht an mangelnder Nachfrage. Viele Vereine würden gern kommen, es hapert aber an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten in der Region – Worms und Mannheim sind komplett ausgebucht, Frankenthal hat keine Jugendherberge oder ähnliches in dieser Preisklasse. Das ist schon ein Standortnachteil. Welcher Aufwand steht hinter so einem großen Projekt? Am schwierigsten war es, ehrenamtliche Mitarbeiter und Sponsoren zu finden. Finanziert werden die drei Tage von Med-El, einem Entwickler und Hersteller von Hörsystemen, der Aktion Mensch, der Stadt Frankenthal, den Stadtwerken, vom Landessportbund und von uns. Wir mussten auch das Spielmaterial besorgen – Tischtennisplatten, Bälle und so weiter. Was ist das Besondere am Gehörlosensport? Ob Schwimmen, Fußball oder Basketball – die Regeln sind dieselben wie beim Sport der Hörenden. Der Unterschied besteht in der Kommunikation. Wir verständigen uns in der Gebärdensprache. Wie können Hörende beim Jugendtreffen Wettkämpfe verfolgen? Bei Spielen werden Gebärdensprachdolmetscher übersetzen. Solche Dolmetscher sind im Sport weniger nötig als im Bildungsbereich. Das Meiste versteht man als Zuschauer ohnehin, etwa das Schwenken der Fahnen vom Fußballschiedsrichter oder die visuellen Signale beim Schwimmen. Außerdem gibt es viele Gebärden, die Hörende sofort verstehen – zum Beispiel den hochgestreckten Daumen. Wie wollen Gehörlose wahrgenommen werden? Leider ist es oft noch so, dass Menschen mit Handicap Beachtung finden, weil sie trotz ihrer Behinderung etwas erreichen. Dieses Wörtchen „trotz“ stört uns, denn es grenzt uns aus. Wir wollen Wertschätzung erfahren, weil wir mit einer Hörschädigung etwas schaffen. In der Gesellschaft gelten wir als behindert. Wir erleben uns aber nicht als Behinderte. Wir hören nichts und haben gelernt, damit umzugehen. Viel besser, als viele Hörende glauben. Inwieweit ist die Welt für Nichthörende barrierefrei? Ein großer Fortschritt ist das Internet, das Hörbarrieren überwindet – per Video-Chat kann in der Gebärdensprache kommuniziert werden. Suche ich eine Straße, kann ich sie per Google-Maps auf dem Smartphone finden. Doch momentan sehen sich laut einer aktuellen Studie 76 Prozent der Gehörlosen ausgebremst, wenn es um audiobasierte Inhalte im Netz geht. Und außerhalb des Internets? Auch da ist die Kommunikation sehr auf das Hören ausgerichtet. Ein Beispiel: die Notrufsäule auf der Autobahn. Was können die Gehörlosen damit anfangen? Was ich mir wünsche: Die Deutsche Gebärdensprache sollte stärker präsent sein. In Amerika beherrschen viele Ärzte, Polizisten und Anwälte die Gebärdensprache. Das Bundesjugendtreffen in Frankenthal ist da schon ein Schritt in diese Richtung. Im Netz www.dg-sportjugend.de

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