Porträt
William Danne neuer Intendant am Karlsruher Kammertheater
William Danne ist in Rekordzeit von München nach Karlsruhe gezogen. „Erst einmal in eine Theaterwohnung. Aber ich habe schon eine Wohnung in der Innenstadt in Aussicht“, sagt der Neue, der natürlich einen kurzen Weg zu seiner neuen Wirkungsstätte haben will.
Der bemerkenswert schnelle und reibungslose Intendantenwechsel am Karlsruher Kammertheater ist zum einen möglich, weil es sich um eine private Bühne handelt. Zum anderen wusste Geschäftsführer Gnann, wen er anrufen will, weil es bereits einen Kontakt gab. Der bisherige Intendant Ingmar Otto, der zum Grenzlandtheater Aachen wechselt, verhandelte mit Danne über die Aufführung eines seiner Stücke. Ein bisschen Glück spielte auch eine Rolle. „Ich hatte ja ein Leben vor der Anfrage – mit Verträgen bis 2023“, sagt Danne. „Glücklicherweise waren alle Beteiligten einverstanden, mich aus dem Vertrag herauszulassen und eine einvernehmliche Lösung zu finden.“
Der größte Vorteil liegt vermutlich darin, dass Danne und Otto eine ähnliche Theaterader haben. „Ich finde das Programm des Kammertheaters großartig und möchte genau da anknüpfen. Die Programm-Mischung stimmt mit einem breiten Spektrum von der klassischen Boulevard-Komödie über moderne Musicals bis hin zur Revue mit Schmackes“, sagt der neue Intendant.
Diese Saison hat sein Vorgänger ohnehin schon bis zum Sommer durchgeplant. In der kommenden Spielzeit ab Herbst wird sich Danne dem Publikum auch mit einer eigenen Inszenierung vorstellen. Aber zuvor, bereits im April, lernen die Zuschauer des Kammertheaters ihn als einen der Schauspieler in „Das perfekte Geheimnis“ kennen.
Danne scheint das perfekte Allround-Talent zu sein, als Schauspieler, Regisseur und Autor. Geboren wurde er 1983, aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof im Sauerland. „Wir hatten 18.000 Hühner mit Bodenhaltung. Meine Geschwister und ich mussten regelmäßig Hühner einfangen, das sorgt für Bodenhaftung“, glaubt Danne.
Im Hühnerstall führte der kleine William für die Familie und die Dorfbewohner Adaptionen von Fernsehfilmen und Comedyserien auf. In der Nachbarschaft liegt Europas größte Naturhöhle, in der alljährlich Sommerfestspiele stattfinden. „Als ich neun oder zehn war, spielte ich dort eine der Hauptrollen. Danach war klar, dass ich wirklich Schauspieler werden will“, erzählt Danne. Schon mit 15 Jahren wurde er an einer Musicalschule angenommen, aber erst nach dem Abitur und dem Zivildienst machte er seine Ausbildung an der Joop van den Ende Academy in Hamburg.
Schon das erste Engagement erwies sich als haarige Angelegenheit. „Ich spielte in der Operette ,Das weiße Rössl’ den schönen Sigismund – mit Halbglatze. So wollte ich nicht unter die Leute gehen und fing an, Stücke zu schreiben“, erinnert sich Danne. Das war ausgerechnet am Grenzlandtheater Aachen, wo Ingmar Otto jetzt Intendant ist.
Danne hat derzeit einen sehr vollen Terminkalender: „Ich bin von 9 Uhr morgens bis 23 Uhr abends im Theater.“ Wenn er Erholung braucht, schaltet er sein Handy aus und fährt in seine Heimat, ins Sauerland. „Es wird wohl ein halbes Jahr dauern, bis ich wirklich in Karlsruhe angekommen bin. Ich wusste gar nicht, dass Karlsruhe eine so junge, dynamische Studentenstadt ist. Noch hatte ich nicht die Zeit, den Schlosspark ganz zu erkunden. Ich liebe Architektur, da gibt es in Karlsruhe vieles zu entdecken.“ Auch Ausstellungen wie die „Göttinnen des Jugendstils“ im Karlsruher Schloss interessieren ihn. „Ich freue mich auf alles, was ich als Zuschauer, Autor, Regisseur und Schauspieler in Karlsruhe am Theater erleben werde“, sagt Danne.