Eisenberg Wie vertragen sich Wald und Windräder?

Zum Waldbegang des Göllheimer Ortsgemeinderats hatte Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller dieses Mal auch Vertreter des Rats der Nachbargemeinde Breunigweiler eingeladen sowie Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, der Pfalzwerke und der Bauern- und Winzerschaft. Thema des Rundgangs unter der Führung von Revierförster Franz Kern: Wie kommt der Göllheimer Wald mit erhöhten Anforderungen des Naturschutzes und der Nutzung der Windenergie zurecht?
Fünf Windräder stehen im Göllheimer Wald. Seit Oktober sind sie in Betrieb. Nicht nur ragen sie weit über die Baumwipfel hinaus, auch ihr Bau hat Spuren hinterlassen. „Das sind schon fünf Wunden im Wald“, machte Förster Kern deutlich. Die Initiative zum Bau der Windräder kam von den Pfalzwerken, finanziert werden sie zu je einem Drittel von den Pfalzwerken, dem Kreis und der Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) der Verbandsgemeinde. Die Ortsgemeinde Göllheim erhält die Pacht für den Betrieb der Anlagen. „Eigentlich waren ja sieben Windräder geplant“, sagte Hartmüller. Zwei davon seien jedoch nicht verwirklicht worden, weil es Einwände vor allem wegen des Naturschutzes gegeben habe. Die Windräder – Typ GE 2,5 mit einer Gesamthöhe von 199 Metern und laut den Pfalzwerken einer Nennleistung von jeweils 2,5 Megawatt – sind schon aus einer Entfernung von einigen hundert Metern zu hören: ein Geräusch wie eine gut befahrene Autobahn oder ein Düsenjet in einigen tausend Metern Höhe – nur eben stetig. „Wir wohnen auf der Füllenweide in der Nähe des Windrades sechs, und mein Hund wollte die ersten Wochen nach der Inbetriebnahme der Anlage nicht aus dem Haus. Er war lange sehr verwirrt“, sagte Doris Hartelt, die für die Grünen im Gemeinderat sitzt. Gerade das Windrad in der Nähe der Füllenweide scheint dort aber Probleme zu machen: Gemeinderatsmitglied Eberhard Hartelt, gleichzeitig Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, erwähnte einen Hofeigentümer von der Füllenweide, der Verkaufsabsichten wegen des Lärms geäußert habe. Bürgermeister Hartmüller teilte mit, dass derzeit dort Lärmmessungen stattfänden. Diese schreibt das Bundesimmissionsschutzgesetz vor. Die Reaktion eines beim Waldbegang mitgeführten Hundes – beim Halt vor Windrad zwei schaute das Tier immer wieder mit gespitzten Ohren nach oben – brachte die Frage nach den Auswirkungen auf das Wild auf: „Also, ich habe schon Wildschweine und Rehe direkt unter den Anlagen stehen sehen“, so Förster Kerns prompte Antwort. Er merkte aber auch an, dass sich die tatsächlichen Auswirkungen auf die Tiere vermutlich erst in ein bis zwei Jahren genauer zeigen werden. Der Göllheimer Jagdaufseher Wolfgang Hartmüller hingegen wies darauf hin, dass in den vergangenen Monaten eine Jagd nicht möglich gewesen sei. Er räumte jedoch ein, dass sich aufgrund der Arbeiten an den Anlagen bis zu 100 Menschen täglich im Wald aufgehalten hätten. Wolfgang Hartmüller führte auch an, dass es Wildschäden in Gebieten gegeben hätte, die vorher noch nie betroffen gewesen seien. Das warf die Frage auf, ob sich das Wild – im Göllheimer Wald gibt es übrigens auch einen guten Bestand an Wildkatzen – nun einen anderen Lebensraum suche. Darauf sagte Förster Kern, es sei normal, dass Wild sich über weite Strecken bewege. „Wo es die besten Früchte gibt, da geht auch das Wild hin“, betonte Kern. Auch die Frage, inwieweit beim Bau der Anlagen in den Wald eingegriffen wurde, kam auf. Die Bauteile wurden über die K 80 in den Wald transportiert. Wie Kern erläutert, mussten dazu auch Wege verbreitert und Plätze zur Lagerung der Teile eingerichtet werden. Von den rund 490 Hektar Gesamtfläche des Göllheimer Waldes wurden laut Kern etwa 3,6 Hektar für die Windräder beansprucht. Etwa 1,6 Hektar werden nach der Fertigstellung der Anlagen wieder zurückgebaut. So sollen Wasserlöcher entstehen, die sich in der recht wasserarmen Gegend zu Biotopen entwickeln können. Außerdem wurden mittlerweile Flächen umzäunt, in denen unter anderem Obstbäume angepflanzt werden sollen. Etwa zwei Hektar sind aber verloren. Laut Kern wird allerdings an anderer Stelle (im Woog) auf gemeindeeigenem Gebiet wieder aufgeforstet. Das sieht wiederum Bauernvertreter Hartelt kritisch, weil es sich dabei um Ackerland handelt. Für solche Ausgleiche werde immer wieder wertvolles Ackerland zweckentfremdet, kritisierte er. Immerhin sei man mit den Rodungen sparsamer als zuvor erwartet gewesen, führte wiederum Kern aus. Er selbst habe vom ersten Tag an seine Aufgabe darin gesehen, „den Wald zu verteidigen“. Dazu habe auch gehört, vier der Anlagen nahe beieinander aufzustellen. Natürlich sei es immer schlecht, gesunde Bäume zu fällen, räumte der Revierförster ein. „Meine Aufgabe war es letztlich, das Beste draus zu machen. Vielleicht haben wir ja auch Synergieeffekte durch die Windräder.“ Ortschef Hartmüller regte an, einen Energiewanderweg mit Informationstafeln zu den Windrädern und anderen neuen Energieformen einzurichten. „Die Pfalzwerke haben schon Interesse gezeigt“, so Hartmüller. Allerdings soll das Projekt erst gezielt angegangen werden, wenn der Rückbau fast beendet ist.