Kultur Südpfalz Wie „Trash“ zu Kunst veredelt wird

Der Mann inszeniert sich als permanent Reisender und ist zweifellos ein großer Kommunikator. Wer HA Schult in der Karlsruher Galerie Schrade erlebte, konnte sich diesem umfassenden Mix aus künstlerischem Exkurs, gesellschaftspolitischer Tour d’horizon und Egotrip nur schwer entziehen.
Und er macht frisch und frei gar keinen Hehl daraus, dass Kunst nicht nur aus Anliegen, sondern zu einem erheblichen Teil auch aus Geschäft besteht. Er scheint zu wissen, wie man das Publikum froh und kauffreudig stimmt. Zweifellos ist der 1939 im mecklenburgischen Parchim als Hans-Jürgen geborene und heute in Köln lebende Schult einer der wichtigsten und auch erfolgreichsten deutschen Objekt- und Aktionskünstler. Dabei hat er besonders das ökologische Ungleichgewicht in unserer heutigen Welt im kritischen Auge und führt vor, dass sich auch aus Zivilisationsmüll Kunst machen lässt, die Betrachter zum Nachdenken bringen und – wenn betucht genug – zur Brieftasche greifen lässt. So bei „Trash People“, der 550 Exemplare starken „Müllmänner“-Brigade aus gebrauchten Dosen, die schon vor der Kulisse des Matterhorns, in Moskau, Peking, Kairo oder Washington, aber auch in Gorleben und der Arktis Aufstellung genommen hat. Einige dieser „Trash People“ sind nun wie schon bei der jüngsten „art“ bei Schrade zu sehen, ebenso das großformatige Foto mit dem sich im Stellisee spiegelnden Matterhorn aus Draufgabe. Dazu etliche Bilder und Bildobjekte, die verdeutlichen, dass dieser Künstler auf seiner langen Spur durch die Welt und die Kunstwelt durchaus nicht nur von sich selbst angetrieben wird. Die Schau ist ein Beitrag zur aktuellen „Globale“ des ZKM, mit dessen Direktor Peter Weibel ihn ebenso viel verbindet wie mit dem Galeristen Schrade, was den Ausstellungsort erklärt. Und sie ist eine von 20 Stationen der „Action Blue“, die in Paris begann und über Luxemburg und Trier nun nach Karlsruhe führte, um dann als logistische Großleistung Richtung Osten über Warschau und St. Petersburg bis nach Ostasien zu führen. Am Ziel Peking werden er und sein Team nach 18 000 Kilometern in zehn Ländern zu Gast gewesen sein. Er fährt dabei, nur umgekehrt, die Route der legendären Rallye Peking-Paris von 1907 ab. Allerdings im Hybrid-Auto der Marke Toyota. Unterwegs wird zudem Wasser aus Flüssen und Seen der besuchten Städte und Orte entnommen. Aus mikroskopischen Aufnahmen dieser Wasserproben entstehen dann „Biokinetische Bilder“. Denn Wasser, das weiß auch Schult, wird zur ganz besonderen Herausforderung der Menschheit werden. Der Künstler und so auch sehr ernsthafte Unterhalter, in vierter Ehe mit einer aus Moskau stammenden Violinistin verheiratet, ist wuselig wie eh und je. Es dürfte ihm noch einiges einfallen. Info Schult bei Schrade, bis 8. August, Zirkel 34. Dienstag bis Freitag 11 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr. (yst)