Kultur Südpfalz Wie gemacht für die böse Hexe
Hänsel und Gretels Hexe würde in diesen Ofen locker reinpassen. In der Tat hat Ann-Kathrin Krächan schon mal einen Menschen hineingesetzt: hockend und aus Ton, versteht sich. Die Plastik sei aber beim Brennen zerbrochen, sagt die Kunststudentin. Sie arbeitet in den neuen Werkstätten, welche die Uni Landau in der ehemaligen Reithalle eingerichtet hat, schon auf ihren Magister hin. Je größer der Rohling, desto schwieriger der Brand.
Drei dieser 300 Liter großen Metallöfen, die von außen aussehen wie Tresore, stellt die Uni ihren Stundenten zur Verfügung. Die Geräte laufen alle im Schnitt einmal pro Woche, erzählt Karin Flurer-Brünger, Lehrbeauftragte für Keramik. Das Innenleben besteht aus dicken Schamottsteinen. 1250 Grad heiß kann man zwei der Öfen fahren, den mit 21 Kilowatt sogar auf bis zu 1400 Grad. Zwölf Stunden heizen sie dem Ton ein, bis die Schalen, Plastiken oder Vasen ausgehärtet sind. Anschließend müssen die Teile noch einmal 24 Stunden abkühlen, erzählt die Dozentin. Vom jüngsten Brand stehen noch etliche Teile in den Öfen. Eine Schale aus Porzellan ist darunter, das ja besonders schwer zu verarbeiten ist. Auch Arbeiten von Ann-Kathrin Krächan gibt der Ofen wieder frei. Sie offenbaren, wie intensiv sich die Kunststudentin in den vergangenen fünf Jahren mit unterschiedlichen Techniken auseinandergesetzt hat. So hat sie eine ihrer Schalen in einer Räucherkapsel im Freien geschwärzt. Die Kapsel hat sie aus feuerfesten Steinen selbst gebaut. Draußen gibt es auch noch einen Rakuofen, der mit Propangasflaschen befeuert wird. Hier hinein kommen die Objekte direkt aus dem heißen Brennofen, ohne vorher abzukühlen. Glasierungen erhalten so die charakteristischen Risse (Craquelé), Sauerstoffentzug und Pflanzenreste verändern Farben und Oberflächen. Keramik sei so vielfältig, auch als Dozentin müsse sie sich dauernd weiterbilden, erzählt Flurer-Brünger, die schon seit 20 Jahren an der Uni lehrt. Gerade erst sei sie auf einem Symposium in Lettland gewesen. Einige ihrer Studentinnen fahren nach China und Japan, um beispielsweise Lacktechnik zu lernen. Nur ein kleiner Teil der Dinge, die an den Werkbänken in der Reithalle auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände entsteht, wird tatsächlich gebrannt. Das meiste wird wiederverwendet. Dazu muss der Ton eingeweicht werden. Erst vergangene Woche hätten ihre Studenten mehrere hundert Kilo aufbereitet, sagt Flurer-Brünger. Vor allem für die Anfänger, die sich und ihre Kreativität erst einmal ausprobieren sollen mit dem Material. Nicht nur Kunststudenten, die über mehrere Jahre tief in die Materie einsteigen, lernen hier. Die Dozentin lehrt die angehenden Grundschullehrer auch ästhetische Erziehung. „Gerade für Kinder ist die Arbeit mit Ton schön. Hier können sie nicht wirklich was kaputt machen“, sagt Flurer-Brünger. Und auch beim Thema Inklusion biete sich Ton an. Die Dozentin ist froh über die gute Ausstattung ihrer Werkstatt. Den Rakuofen hätten ihre Studenten unbedingt haben wollen und dafür zur Hälfte durch Aktionen mitfinanziert. Auch für die Spendenaktion „Leere Schalen“ für hungernde Kinder wurden Arbeiten verkauft. Und im Sommer kommen die Öfen wieder raus ins Freie für öffentliche Aktionstage. Flurer-Brünger meint, dass die Keramikausbildung besonders gut nach Landau passe. Immerhin sei die hiesige Festhalle 1905 von August Ludowici finanziert worden, dem seinerzeit größten Ziegelhersteller weltweit. Er sei durch den Tonabbau in der Pfalz reich geworden. Und den haben schon die Römer geschätzt, wie das Terra-sigillata-Museum in Rheinzabern zeigt.