Kultur Südpfalz Wider die Wegwerfgesellschaft

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In der Landauer Stadtbibliothek präsentiert Inge Barié dreidimensionale Objektkunst und verweist mit dem Titel „Verbrannte Brote“ auf den leichtfertigen Umgang mit dem kostbaren Nahrungsmittel. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem täglichen Brot als Grundnahrungsmittel und dem oft verschwenderischen Umgang damit ist das Thema dieser Ausstellung und berührt den Betrachter tief.

Riesige Brote, die weggeworfen worden waren, hat Barié aus dem Müll gerettet und zu Kunstwerken verarbeitet. Schwarz angebrannt und mit Draht umwickelt liegen sie beispielsweise auf einem Bett aus Weizenkörnern in ausgedienten Brot-Trögen. Oder werden mit Gerätschaften aus einer ehemaligen Mühle in Nieder-Gailbach, einem Ort ihrer Kindheit, zu Kunstobjekten verarbeitet. „Es gab Zeiten, da heizten die Bäcker mit altem Brot den Ofen“, weiß Barie und hält der Wegwerfgesellschaft den Spiegel vor. Das Teilen, der Abschied von der Verschwendung und die Hoffnung, dass die Menschheit wieder lernen möge, verantwortungsvoll mit der Natur und ihren Gaben umzugehen, sind Intentionen, die die Künstlerin mit ihrer Assemblage verbindet. Sechs Monotypien auf Büttenpapier widmet Barié der „Ährenleserin Ruth“ als Symbol der Solidarität mit den Frauen, die nach dem Krieg jedes Körnchen zu etwas Essbarem verarbeiteten. „Wer gibt seinen Kindern Steine statt Brot?“, schreibt Barié zu Steinen, die sie aus Pappmaschee geformt hat und zitiert damit Verse aus dem siebten Kapitel des Matthäus-Evangeliums: „Welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bitten wird, ihm etwa einen Stein geben wird.“ Und nicht wenige Exponate sind Zitate aus den Sagen um König Midas, der aus Habgier beinahe verhungert wäre, weil er sich wünschte, dass alles, was er anfasst, zu Gold werden soll, damit aber auch Wasser und Brot nicht mehr essbar waren. Aber auch die Erlösung von der Gier und der Fluss, der fortan das Gold trug, von dem sich Midas rein wusch, sind symbolisch Teil der Ausstellung. Brot soll ein Grundnahrungsmittel sein, das jedem Menschen zusteht und darf nicht aus Habgier zu Gold gemacht werden. In einer Serie mit blauen Steinen aus Pappmaschee, die sie mit unterschiedlichen Beigaben wie einer Schere und einem goldenen Hasen schmückt, zitiert Barié Joseph Beuys, der 1982 auf der Documenta in Kassel in einer öffentlichen Performance eine Nachbildung der Krone von Iwan dem Schrecklichen zum legendären „Friedenshasen“ umschmolz. Der Titel „Kein Brot zu Gold, kein Gold statt Brot“ will sagen: Eine Umkehr ist jederzeit möglich. Ausstellung Zu sehen in der Landauer Stadtbibliothek bis 20. Juni, montags und dienstags, 14 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags, 10 bis 18 Uhr, sowie samstags, 9 bis 13 Uhr. (srs)

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