Rheinpfalz Wettfahrt in den Treibstofftanks
«HINTERWEIDENTHAL.» Wenn man an die Besonderheiten Hinterweidenthals denkt, kommen einem schnell der Teufelstisch oder der dazugehörige Erlebnispark in den Sinn. Aber wer denkt schon an die Grundschule? Dabei ist die ein Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde: Es ist nämlich die einzige Grundschule im Landkreis Südwestpfalz, die in Trägerschaft einer Ortsgemeinde ist. Eine Struktur, die seit der Gründung der Verbandsgemeinde Hauenstein überdauert hat. Und eine Struktur, die mit der Auflösung ebendieser VG verschwinden könnte. „Die Grundschule bleibt erhalten“, sagt Ortsbürgermeisterin Barbara Schenk, egal wer der Fusionspartner ist. Ob die Gemeinde Träger bliebt, ist dagegen nicht sicher. Rund zwei Millionen Euro sind in den letzten Jahren in das Gebäude geflossen, das teils als Dorfgemeinschaftshaus genutzt wird. Eine Investition, die sich gelohnt hat, ist man sich am Tisch einig, als es dort nach dem Spaziergang frischgebackenen Kuchen gibt. „Wissen Sie eigentlich, warum die Insel genau diese Größe hat?“, fragt Schenk augenzwinkernd mit Blick auf die Arbeitsfläche in der neuen Küche. „Na, wenn es kaltes Buffet gibt, passt der ganze Gemeinderat drumherum“, sagt sie lachend. Eine tolle Küche hat auch der Kindergarten, der für 1,1 Millionen Euro neben der Schule neu gebaut wurde. Die „Pfälzerwald-Küche“ verdanke man dem Pfälzerwald-Verein Hinterweidenthal. Bei dessen Auflösung ist das übrige Geld der Kita zugeflossen, sagt Roland Schenk. 50 Kinder kann die Einrichtung aufnehmen. 34 Ganztagesplätze gibt es. Die sind begehrt, wie Kita-Leiterin Bettina Horn berichtet, als sie durch die Einrichtung führt. Vorbei an den Toiletten in Frosch-Optik, an Frühstücksecke und durch moderne Gruppenräumen. „Wir haben den Kostenrahmen genau eingehalten“, erzählt Roland Schenk nicht ohne Stolz. Die Investitionen haben sich gelohnt. „Aber das muss man sich erst einmal trauen“, sagt Alfred Stilgenbauer, der zweite Beigeordnete, mit Blick auf die große Summe. Doch Grundschule und Kindergarten sind Standortfaktoren, die junge Familien in die Gemeinde locken. Die können womöglich ab Frühjahr 2018 in Hinterweidenthal bauen. „Die Gemeinde hat zwar keine Bauplätze mehr“, sagt Barbara Schenk. Doch auf der Fläche zwischen Gleisen und Bahnhofsstraße unweit des Bahnhofes Hinterweidenthal Ort will Günther Meyer zwölf Bauplätze schaffen. Das 7000 Quadratmeter große Areal, auf dem früher das Sägewerk Schenck stand, sei bereits erschlossen, erklärt Meyer. Wird der Bebauungsplan genehmigt, könne es im Frühjahr losgehen. 45 bis 50 Euro müssen Interessierte wohl für den Quadratmeter zahlen. Erste Anfragen gibt es schon. Gleich nebenan hat sich die Gemeinde die Fläche bis zum Bahnhof – einem von drei Bahnhöfen im Ort – gesichert. Wenn die Wieslauterstrecke modernisiert ist, müssen die Pendler ja irgendwo parken können, sagt die Bürgermeisterin. Im Zuge der Modernisierung werden auch die Bahnschranken im Ort umgerüstet. Dort ist noch Handbetrieb angesagt. Als das Tanklager der Amerikaner zwischen Hinterweidenthal und Salzwoog noch in Betrieb war, fuhren vom Bahnhof aus Züge dorthin, erinnern sich die Spaziergänger. Riesige Tanks mit Flugzeugbenzin standen in dem Lager. 60 Meter im Durchmesser, schätzt Roland Schenk. „Da wurden Rennen drin gefahren“, erinnert er sich lachend. Heute seien die Tanks mit Gas verfüllt, könnten aber bei Bedarf wieder in Betrieb genommen werden. Am brachliegenden Gelände der Westpfälzischen Holzindustrie und am Brauhaus Ehrstein vorbei geht es hinauf zum Erlebnispark Teufelstisch. Ein Touristenmagnet, an dem die Gemeinde nichts verdient. Denn Eintritt darf für den mit EU-Mitteln geförderten Spielplatz nicht erhoben werden. Zwei Mitarbeiter kümmern sich um das Areal und Helmut Disque beantwortet fleißig Anfragen von Besuchern per Mail. „Alles individuell, keine Standardantworten“, sagt der erste Ortsbeigeordnete. Er sei auch schon auf eine Marktlücke im Ort gestoßen, sagt er schmunzelnd: eine Hundepension. Denn im Erlebnispark sind keine Vierbeiner erlaubt. Urlauber und Besucher wissen dann aber oft nicht, wohin mit dem Hund, berichtet er. Der Blick schweift hinauf zum Teufelstisch, der mal wieder freigeschnitten werden müsste, und zum Handschuh-Kopf. Der seltsame Name beruhe auf einem Missverständnis, sagt Alfred Stilgenbauer. Eigentlich war er nach einem keltischen Wort benannt, das wie „Ändsche“ klang. Daraus wurde irgendwann „Händsche“ und schließlich Handschuh. Oben soll es sogar eine keltische Fliehburg gegeben haben. Bewiesen ist das aber nicht. Aus der Keltenzeit sind die gut erhaltenen Fachwerkhäuser in der Hauptstraße nicht, 300 Jahre haben sie mitunter aber schon auf dem Buckel. Sie trotzen dem Verkehr der Bundesstraße, der an ihnen vorbeidonnert. Früher sei das schlimmer gewesen, berichten Sabine Kutschmann und Jürgen Burkhard. Als die Lastwagen der US-Armee noch durch den Ort fuhren, da mussten die Gläser in der Vitrine regelmäßig nach hinten geschoben werden, damit sie nicht aus dem Schrank fallen. Doch der Verkehr hat auch seine Vorteile, Geschäfte und Gastronomie wie das gut besuchte Café Zürn profitieren davon. Und die gute Verkehrsanbindung macht die Gemeinde interessant. 25 Minuten bis Landau, 50 bis Mannheim, rechnet Günther Meyer vor. Kein Wunder, dass die Mieten deutlich höher sind als in Pirmasens.