Rheinpfalz Wer muss bei Kranbauer Terex gehen?

91-92404434.jpg

Die Ankündigung des größten Personalabbaues beim Zweibrücker Kranbauer unter der Ägide Terex und der Aufgabe des bald 100 Jahre alten Werks in Blieskastel-Bierbach traf die Beschäftigten bei der Betriebsversammlung am Dienstag wie ein Hammerschlag (wir berichteten gestern). Die Versammlung wurde unterbrochen, weil in der Darstellung von Terex-Sparten-Vorstand Steve Filipov zu viele Fragen offen blieben. Einige versucht die RHEINPFALZ zu beantworten.

Wie viele der 1600 Mitarbeiter müssen gehen?

Die genaue Zahl vermied Steve Filipov zu nennen. Er sprach von der Dimension 25 bis 30 Prozent Personalabbau, der erforderlich sei. Im Verwaltungsbereich eher 30 Prozent. Das liefe dann auf 400 bis 480 Stellen hinaus, die gestrichen werden. Wen wird der angekündigte Personalabbau treffen? Genau das steht noch nicht fest. Filipov formulierte es so: Er habe den Auftrag erteilt, „jeden Stein einzeln herumzudrehen“, um die vorgegebenen Kostenreduzierungen zu realisieren. Werksleiter Klaus Beulker fällt die Aufgabe zu, zu definieren, was künftig Kernkompetenz des Kranbaus in Zweibrücken ist. Daraus leitet sich dann ab, welche Mitarbeiter noch gebraucht werden. Beulker gab am Dienstag einen Hinweis: Große Teile des Stahlbaus wie auch die Montage von Führerkabinen gehören nicht mehr dazu. Der Abbau wird nicht nur Mitarbeiter in Bierbach, sondern zumindest auch in der Dinglerstraße treffen. Wird es betriebsbedingte Kündigungen geben? Davon ist ganz klar auszugehen. Terex trennt sich von ganzen Betriebsteilen – vom 1924 bezogenen Werk Bierbach und dem Verwaltungsgebäude mit seinen 300 Beschäftigten. Auch wenn in den kommenden Monaten Personal verschoben wird: Um das von Filipov genannte Ziel zu erreichen, werden so genannte sozialverträgliche Maßnahmen nicht ausreichen. Frührente und Abfindungen alleine werden nicht ziehen. Zumal ja schon mit der Vereinbarung vom November 2013 120 Stellen abgebaut wurden. Wann wird gekündigt? Steve Filipov erwartet eine Umsetzung des Personalabbaus bis Mitte des kommenden Jahres. „In der Hoffnung, dass der Betriebsrat uns nicht zu lange warten lässt“, wie er sagt – eine Anspielung auf das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bei Entlassungen. Was sind die Gründe für die Situation bei Terex? Unbestritten verkaufen alle Kranenbauer mit vergleichbaren Modellen wie die in Zweibrücken gebauten Gittermast- und Teleskop-Krane derzeit weniger. Der Ölpreisverfall zuletzt stoppte Investitionen der Förderfirmen – und damit Anlagenbauten, für die man die großen Krane braucht. Auch der konventionelle Kraftwerksbau wie der Ausbau von Windparks stockt global gesehen. Aber Steve Filipov gesteht ein, Terex liefere auch – teilweise – schlechte Produkte. Den Qualitätserwartungen der Kunden an die wiederbelebte Marke Demag müsse man in etlichen Fällen erst gerecht werden. Sind die Probleme hausgemacht? Ja, sagt die Gewerkschaft IG Metall. Wenn man damit Entscheidungen, Anordnungen des obersten Managements meint. Die Facharbeiterqualifikation sei nach wie vor hervorragend in Zweibrücken. Die Terex-Lehrwerkstatt etwa brachte in diesem Jahr den Weltmeister der jungen Schweißer hervor. Was aber durch Auslagerung der Fertigung von Vorprodukten an Qualität verloren ging, sei in den Zweibrücker Werken nicht gutzumachen, sagt etwa Ralf Cavelius, der zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Homburg und seit Jahren Betriebsbetreuer von Terex. Mit dem Plan, praktisch den gesamten Stahlbau, Schweiß- und Blecharbeiten, an Fremdfirmen zu vergeben, verschärfe Filipov die Probleme. Die Fremdvergabe der Werkslogistik, wie am Dienstag auch fürs Werk Dinglerstraße angekündigt, wiederhole im Werk Wallerscheid gemachte Fehler. Plant die sich in Verkaufslaune zeigende Terex Corporation, sich aus Deutschland zu verabschieden? Demag Düsseldorf und die Kompaktbaumaschinen aus Crailsheim werden oder sind gerade verkauft. Filipov sagt klar: nein. Er ergreife die harten Maßnahmen, damit die Werke Dinglerstraße und Wallerscheid überleben könnten. Terex trennt sich von zwei seiner fünf Geschäftsbereiche, die Mobilkrane sollen aber Herzstück des US-Konzerns bleiben. Ist der Aussage zu trauen? Die IG Metall sagt: Schön wär’s. In Terex sieht Ralf Cavelius einen Finanzinvestor amerikanischer Lesart, der sich als Maschinenbauer tarne. Würden die Renditeerwartungen der institutionellen Anleger nicht erfüllt, sei Terex jederzeit und rücksichtslos bereit, sein Geschäftsmodell zu ändern. Was passiert mit der Liegenschaft Bierbach und dem Verwaltungsgebäude in der Dinglerstraße? Beide werden geräumt. Filipov würde gerne Bierbach und die Gebäude rechts der Dinglerstraße Richtung Einöd verkaufen, weiß aber, dass das schwierig wird. Die Idee, Oberbürgermeister Kurt Pirmann eine Verwendung anzudienen, ruft nicht gerade ein Hurra bei der Stadt hervor. Laut Stadtsprecher Heinz Braun habe sich Terex noch nicht gemeldet. Das Unternehmen sei mit konkreten Angeboten am Zug. Das Gebäude Dinglerstraße stehe nicht unter Denkmalschutz. Die Stadt könne keine Auflagen zur Vermietung durch Terex machen. Selbst einen Abriss könnte Terex vornehmen. |cps

x