Kultur Südpfalz Weltbürger in Wort und Klang

„Weltbürger – Darf’s ein bisschen deutsch sein?“: Unter diesem Titel stand das jüngste Konzert der Reihe Klingende Kirche in der protestantischen Kirche Göcklingen. In einer musikalisch-literarischen Weltreise wurde den begeisterten Gästen von Kerstin Koblitz (Lesung), Heidrun Paulus (Flöte) und An-Na Nam (Klavier) in Worten und Musik zu Gehör gebracht, was denn nun ein weltbürgerlicher Geist von heute ist.
Den furiosen Auftakt machten Heidrun Paulus und An-Na Nam mit dem Rag von Scott Joplin und brachten die Anwesenden in die richtige Stimmung. Was Weltbürgerlichkeit für ihn bedeutete, schilderte Organisator Hermann Frech in einem persönlichen Erlebnis von vor 70 Jahren. Damals hatte er als Student eine Einladung in die Schweiz, wurde aber wieder ausgeladen, weil eine andere Delegation sich weigerte, mit einem Deutschen an einem Tisch zu sitzen. Damit schlug er den Bogen zur freischaffenden Germanistin und Autorin Kerstin Koblitz. Für die Dozentin in der Erwachsenenbildung in Karlsruhe war ihr Schlüsselerlebnis die Übersiedlung im Jahr 1984 von Leipzig in die Bundesrepublik. Heute fühlt sie sich als Weltbürgerin besonders wohl in Deutschland. Deutsch bedeutet: „Zum Volk gehörend“ und ist eher eine Sprachbezeichnung als eine Gebietsumschreibung. Schon Goethe gab auf die Frage: Was ist Deutsch? folgende Antwort: „Deutsch ist die Kluft zwischen Intellektuellem und dem Politischen“. Ein Weltbürger der Musik war Bach, dessen Presto aus der Sonate h-moll auf Flöte und Klavier die Zuhörer erfreute. Zwischen dem Rumänischen Tanz von Günther Witschurke und dem „Türkischen Marsch“ von Mozart philosophierte Koblitz über verlorene Heimat. Richard Wagners schwermütig vorgetragenes Wesendonck-Lied „Träume“ ergänzte ihre Ausführungen. Heidrun Paulus, in Balingen geboren und aufgewachsen, erfuhr schon früh eine musikalische Ausbildung. Trotzdem gelangte sie erst nach beruflichen Umwegen zur professionellen Ausübung der Musik. Ihr Anspruch ist es, Musik als Botschaft und in ihren großen Zusammenhängen zu sehen und zu praktizieren. Ihre musikalische Vielfältigkeit und ihre virtuose Fingerfertigkeit und ein hohes Einfühlungsvermögen sind ihre besondere Stärken. Sie selbst komponierte das Stück „Befreiung – Wende und Wandel“, in dem sie Elemente aus der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“, der deutschen Nationalhymne, dem Eurovisionssong und dem Schlusschoral der Johannespassion „Ach Herr lass dein lieb Engelein“ meisterhaft zusammenführte. Weltbürgerlichkeit und Weltbürgertum als geistige Lebensform waren weitere Themen von Kerstin Koblitz. Mit dem koreanischen Volkslied „Arirang“ verzückte die Pianistin An-Na Nam das Publikum. Sie selbst ist 1980 in Südkorea geboren. Seit 2014 ist sie als Kirchenmusikerin in Petershausen bei München tätig. Der zweite Teil von Bachs Presto aus Sonate h-moll bildete das Finale des gelungenen Abends. Lang anhaltender Applaus für die Künstler war deren Lohn. Mit der Zugabe „Es ist Zeit Auf Wiedersehen zu sagen“ verabschiedete sich das Künstlertrio musikalisch.