Rheinpfalz Was passiert mit dem Stahlbau?

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ZWEIBRÜCKEN. 306 Millionen Euro Verlust weist Terex für 2016 in seinem Krangeschäft aus. In dem Betrag sind allein für das Schlussquartal 89 Millionen US-Dollar (84 Millionen Euro) Rückstellungen enthalten. Bestimmt für den Umbau – besser: Abbau – der Sparte Krane, für die Finanzierungen von Stellenstreichungen in Zweibrücken und Bierbach. Klar ist: Die Bosse in den USA, an der Spitze Steve Filipov, machen Druck auf Zweibrücken.

Was ist der Stand der Dinge? Offizielles dringt nicht aus den Gesprächen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat. Und dennoch ergibt sich ein Bild. Kran-Vorstand Filipov war bei seinem Kurzbesuch in Zweibrücken, dem ersten nach seinen schockierenden Ankündigungen von Anfang Dezember, für Journalisten nicht zu sprechen. Standortchef Klaus Beulker will aus Gesprächen mit dem Betriebsrat nichts verlauten lassen. Es seien noch keine Entscheidungen gefallen. Die allermeisten der angestoßenen Projekte – Räumung der Verwaltung, Fremdvergabe der Werklogistik, Verlagerung des Ersatzteillagers Bierbach – seien noch in der Prüfung, die Daten ergäben noch keine Grundlage für Entscheidungen. Beulker hält am Ablaufplan fest: vertrauliche Informationsgespräche mit dem Betriebsrat, dann Aufnahme formeller Verhandlungen im Zuge des Interessensausgleichs, Aufstellung von Sozialplänen – und dann erst eine Erklärung gegenüber der Öffentlichkeit. „Ich will den Prozess gemeinsam mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten gestalten und einvernehmliche Lösungen finden“, sagt der Standortchef. Zu Zahlen, Daten, Fakten aber verlautet zurzeit absolut nichts. Ralf Cavelius von der Gewerkschaft IG Metall gab schon vor Tagen seine Sicht der Dinge wieder: Für die Geschäftsführung stünden schnelle Veränderungen den Stahlbau in Bierbach betreffend – aber nicht nur dort – im Fokus. „Die Geschäftsführung lässt erkennen, dass sie den Stahlbau jetzt schon beenden könnte, würden wir mitziehen“, sagt Cavelius. Die Gewerkschaft will aber Argumente liefern, warum die Qualitäts-Schweißer und -Schlosser, Stand Dezember 146, unbedingt gebraucht werden, um die Wertschöpfungskette am Standort aufrechterhalten zu können. Die Würfel scheinen aber gefallen. Gegen die Argumente von Betriebsrat und Gewerkschaft. Eingeweihte berichten, dass Vor-Ort-Besuche und Verhandlungsrunden bei möglichen Zulieferern – allesamt in Osteuropa ansässig – ergeben haben, dass der Stahlbau für die Hälfte der Kosten am Standort eingekauft werden kann. Ohne zu erwartende Qualitätseinbußen, wie die Lieferungen an die unmittelbaren Wettbewerber von Terex beweisen. Der Kostenunterschied sei einfach nicht wegzudiskutieren, versichern Insider glaubhaft. Selbst eingefleischte Demag-Leute zeigen sich überrascht darüber, in welcher Qualität und zu welchen Preisen am Markt eingekauft werden kann. Die Einschätzungen, wie schnell und reibungslos der Stahlbau ausgegliedert werden kann, gehen aber weit auseinander. Die Veränderung muss im laufenden Geschäft stattfinden. In der Betriebsversammlung berichtete die Geschäftsleitung von einer guten, hohen Auslastung im Werk für die kleineren Autokran-Modelle, Wallerscheid. Allerdings wird die Beschäftigungssituation für das Werk der großen Auto- und die Raupenkrane, Dinglerstraße, weiter als unbefriedigend eingeschätzt. Die Terex-Konzernführung geht von weiter sinkenden Umsätzen im Krangeschäft aus, elf Prozent hieß es bei der Bilanzpressekonferenz. Das trifft vor allem die bis zu neunachsigen Flaggschiffe. Wie berichtet, kann der in Zweibrücken entwickelte, im Werk Montceau-les-Mines (Frankreich) gebaute dreiachsige Kran mit Teleskopausleger „Challenger“ einige Lücken in der Beschäftigung schließen. Das Werk in Burgund war Teil des Verkaufpakets an die finnische Konecranes, nicht jedoch der „Challenger“. Er wird zurzeit in Zweibrücken überarbeitet und soll im Laufe des Jahres unter der Marke Demag auf den Markt kommen. Sparten-Chef Steve Filipov hatte auch einen City-Kran, einen 45-Tonnen-Autokran, angekündigt. Er soll 2017 präsentiert werden, und es soll sich auch noch etwas bei Raupenkranen tun. Die aggressive Modellpolitik ist der andere Teil des Filipovschen 100-Tage-Plans. Der auch Millionen schwere Investitionen in Zweibrücken auslösen soll. Allerdings für eine Produktion mit deutlich weniger Leuten. Dass dem Plan bis zu 500 der 1600 Stellen – Filipov spricht von 25 bis 30 Prozent weniger Personal – zum Opfer fallen, gilt unter Insidern als wenig wahrscheinlich. Die weit wahrscheinlichere Dimension von 200 bis 250 Stellen weniger wäre aber auch ein gewaltiger Aderlass. |cps

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