Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wandmalerei zur neuen Ausstellung im Zeughaus

Enrik Hüpeden hat die Wände des Zeughauses mit grafischen Elementen gestaltet.
Enrik Hüpeden hat die Wände des Zeughauses mit grafischen Elementen gestaltet.

Ein außergewöhnliches Erlebnis bietet die neue Ausstellung mit dem Titel „Aufhocker“ beim Germersheimer Kunstverein im Zeughaus. Das imposante Gewölbe hat Enrik Hüpeden, ein Maler aus Köln, mit großen, zum Teil über Eck laufenden grafischen Elementen bemalt in einem tief-dunklen Grün, das je nach Lichteinfall fast schwarz wirkt.

Nicht aus mangelndem Respekt vor den Wandmalereien, sondern um deren Wirkung noch zu verstärken, sind Gemälde und Zeichnungen darüber arrangiert: seine eigenen und die von drei befreundeten Künstlern, die wie er in Karlsruhe studiert haben. „Wir hatten nach dem ersten Besuch im Zeughaus einen beachtlichen Respekt vor deren Größe. Uns war fast etwas bange, ob wir die Gewölbe-Kojen ansprechend gestalten können. Und dann hat sich während der fünf Tage Arbeit vor Ort alles letztlich ganz leicht gefügt“, erzählt Harald Kröner aus Pforzheim. In den Räumen des dortigen Kunstvereins fand 2020 die erste „Aufhocker“-Ausstellung der Gruppe nach demselben Konzept.

Das alles harmoniert trotz großer Unterschiede gut miteinander. Susanne Ackermann aus Karlsruhe zeigt großformatige Acrylarbeiten und filigrane Zeichnungen. Sie bevorzuge einfache Strukturen, erzählt sie. Ihnen verleiht sie Tiefe und eine starke räumliche, fast schon dreidimensionale Wirkung. Sie entsteht durch einen Farbauftrag mit einem oder bis zu drei breiten Pinseln, deren Ansatz sie bewusst als gestalterisches Element einsetzt. Sie zelebriert regelrecht das Überlagern von Linien verschiedener Farbe. Strukturen entstehen, weiße Flächen dazwischen verstärken die Leuchtkraft. Farbe setzt sie wohldosiert, harmonisch ein. So schafft sie mit Geduld und Hingabe meditative Ruhe ausstrahlende Kunstwerke.

Malen mit Lack, Pausrädchen und Zerknüllen

Heinz Pelz, Ehemann von Ackermann, arbeitet ebenso mit Schichten. Sie bestehen aus Carbon- und Aquarellfarben oder aus Pastellkreide, aus Lack und Papier. „Meist trage ich zuerst Farbe auf, darüber lege ich Papier oder eine Sperre aus hochwertigem Klarlack“, erklärt Pelz. Diese Schicht durchbricht er, indem er das Papier mit einem Pausrädchen bearbeitet, wie es Schneider verwenden. Oder er bearbeitet den Lack mit einer Schleifmaschine, reißt ihn dadurch wieder auf, sodass beim erneuten Übermalen Farbe durchsickern kann. Auf diese Wiese entstehen feine, dezent farbige Collagen, die zeitlos schön wirken.

Neben seinen Wandbemalungen zeigt Enrik Hüpeden kraftvolle Malerei mit satt-farbigen, matten Lacken. Scharfe Kanten und strenge Formen prägen die Arbeiten, die trotz aller Perfektion Spuren des Abklebens tragen, ihr spontanes, fließendes Entstehen durch mehrere Farbschichten zeigen.

Harald Kröner verbindet Tusche-Malerei mit Collagen-Technik. Seine Arbeiten haben etwas Spielerisches, Fröhliches. Durch Papierstreifen, die er nach dem Zerreißen neu zusammensetzt, schafft er wie zufällig Formen-Paare. Einen starken dreidimensionalen Bezug erzielt er durch Falten und Knicken, durch das Modellieren des flächig bemalten und oder lackierten Papiers.

Info

Ausstellung „Aufhocker“ bis 12. Juni beim Germersheimer Kunstverein im Zeughaus: Sa 15-18 Uhr, So 14-18 Uhr. Vernissage am Samstag, 7. Mai, 17 Uhr. Lesung von Jeannine Meighörner aus „Die silberne Riesin, als Maria Theresia das Nashorn traf“ am Dienstag, 10. Mai, 19 Uhr. Finissage am Sonntag, 12. Juni, mit Kunstcafé und Künstlergesprächen.

Ausschnitt aus einer Arbeit ohne Titel von Susanne Ackermann
Ausschnitt aus einer Arbeit ohne Titel von Susanne Ackermann
Ausschnitt aus einer Arbeit von Harald Kröner.
Ausschnitt aus einer Arbeit von Harald Kröner.
Ausschnitt aus einer Arbeit von Enrik Hüpeden.
Ausschnitt aus einer Arbeit von Enrik Hüpeden.
Ausschnitt aus einer Arbeit von Heinz Pelz.
Ausschnitt aus einer Arbeit von Heinz Pelz.
x