Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Waldfischbach-Burgalben: Landkreis beschwört Zusammenarbeit mit Städten

Das Team ist wichtig – im Flugzeug und im Unternehmen, sagt Pilot Philip Keil.
Das Team ist wichtig – im Flugzeug und im Unternehmen, sagt Pilot Philip Keil. Foto: Andrea Daum

Crash oder Punktlandung? Wie führe ich mein Team, wenn es turbulent wird? Diesen Fragen spürte Philip Keil, Berufspilot, Sachbuchautor und Redner, am Donnerstag beim Unternehmertag Südwestpfalz vor 250 Gästen im Bürgerhaus in Waldfischbach-Burgalben nach.

Was wichtig ist, um eine schwierige Situation zu meistern, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn das Leben nicht nach Plan verläuft, machte Pilot Philip Keil schnell deutlich: „Das Team macht den Unterschied.“ Funktioniert die Mannschaft, könnten die Verantwortlichen am sogenannten Decision Point, am Punkt der Entscheidung, die Weichen für die Punktlandung stellen und einen Crash vermeiden. Gerade in Unternehmen.

An Beispielen aus der Welt des Fliegens, in der Crews immer wieder an einen Decision Point kommen, zeigte Keil auf, worauf Unternehmen achten sollen, um in schwierigen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn etwas gründlich schief geht, dann in der Regel nicht wegen eines einzigen Fehlers, meinte der Pilot. Im Cockpit komme es statistisch gesehen alle vier Minuten zu einem Fehler, verriet Keil seinen sicher am Boden sitzenden „Fluggästen“. Dennoch sei Fliegen sicher. Ein Unfall werde in der Regel nicht durch einen einzigen Fehler verursacht. „Die Fehlerkette ist das Problem“, sagte Keil.

Machtstrukturen können behindern

Die lasse sich durchbrechen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. „Vertrauen ist der Treibstoff für Erfolg“, unterstrich Keil. Es sei wichtig, dass sich im Team einer auf den anderen verlassen kann. „Teams scheitern nicht an der Aufgabe“, sagte er. Sie scheiterten, weil Vertrauen fehlt, weil es zum Beispiel Machtstrukturen gibt, in denen es Teammitgliedern nicht möglich ist, frühzeitig darauf hinzuweisen, dass etwas schief läuft.

Es sei wichtig, Fehler im Leben zuzulassen. Jeder Fehler bereite darauf vor, richtig zu handeln, wenn man letztendlich an einen Decision Point kommt. Im Team und mit Bauchgefühl, das letztlich auf Erfahrungen beruht. Wichtig seien nicht die Entscheidungen an sich. „Es zählt, was rauskommt“, unterstrich Keil. Gilt im Cockpit, gilt im Unternehmen.

Zwei Sekunden für die Entscheidung

Keil selbst hatte seinen Decision Point 2009, als er nur mit einem sogenannten Kamikaze-Manöver in der Startphase ein voll besetztes Passagierflugzeug vor dem Absturz in der Wüste bewahren konnte, wie er berichtete. „Ich hatte zwei Sekunden Decision Time“, sagte der Pilot. Wie wenige Sekunden über Leben und Tod, über Erfolg und Misserfolg entscheiden können, veranschaulichte der Redner den Zuhörern an einem Beispiel: der Notwasserung eines Passagierfugzeugs auf dem Fluss Hudson in New York, die 2009 glückte, gut einen Monat vor Keils Beinahe-Absturz in der Wüste.

Eine Flugsimulation, gepaart mit dem Original-Funkverkehr, zeigte, wie kurz die Zeitspanne war, um die richtige Entscheidung zu treffen, die 154 Passagieren und der Crew das Leben rettete. Es zeige sich ganz deutlich, sagte Keil, dass es wichtig ist, selbst in einer so angespannten Lage den Mut zu haben, erst einmal richtig durchzuatmen und zu überlegen. Entscheidend sei, sich auf die eine wichtige Sache zu konzentrieren. Dies sei möglich, wenn man sich auf sein Team verlassen kann. Im Cockpit gelte, wie in Unternehmen: „Nicht die Fehlhandlung führt zum Absturz, sondern das Fehlen von Handlungen.“

Zusammenarbeit von Pirmasens, Zweibrücken und Landkreis

Erkenntnisse, die in der Wirtschaftsregion Südwestpfalz/Zweibrücken durchaus beherzigt werden, meinten Landrätin Susanne Ganster, Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza sowie die Wirtschaftsförderinnen des Kreises, Miriam Heinrich, und der Stadt Zweibrücken, Anne Kraft. Die Wirtschaftsfördergesellschaften des Landkreises Südwestpfalz und von Zweibrücken hatten gemeinsam zum Unternehmertag eingeladen.

Oberbürgermeister Wosnitza hatte just am Unternehmertag erlebt, wie wichtig ein funktionierendes Team ist, als es eine Bombendrohung gegen das Zweibrücker Rathaus gab. Zügig und zielorientiert sei miteinander gearbeitet worden, resümierte er am Donnerstag.

Die Region verstehe sich als Team, unterstrichen Ganster und Wosnitza. Gemeinsam würden die Stärken nach außen dargestellt, sagte Ganster. Die Landrätin verwies auf kurze Wege, schnelle Drähte zwischen Unternehmen, Politik und Wirtschaftsförderung. Wöchentlich gebe es Anfragen nach Gewerbeflächen. Derzeit wird eine gemeinsame Potenzialanalyse des Landkreises und der beiden Städte Zweibrücken und Pirmasens vorbereitet. Sie soll Aufschluss darüber geben, was künftig wo möglich ist. Und auch für Fachkräfte, die dringend benötigt werden, müsse die Region interessant sein, sagte Ganster.

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