Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Waldfischbach-Burgalben: Experten für Kindergarten-Neubau

Die Freifläche vor der Kita Regenbogen eignet sich für einen Neubau.
Die Freifläche vor der Kita Regenbogen eignet sich für einen Neubau. Foto: Andrea Daum

Waldfischbach-Burgalben wird voraussichtlich einen neuen kommunalen Kindergarten in Burgalben bauen, und zwar auf der Freifläche vor der Kindertagesstätte Regenbogen, die in der früheren Grundschule Burgalben untergebracht ist. Nach ersten Schätzungen sind mindestens 1,5 Millionen Euro zu investieren.

Eine Sanierung des bisherigen Gebäudes wäre mindestens genau so teuer und hätte etliche Nachteile. Deshalb empfehlen die Fachgremien einstimmig die Neubau-Variante, der Gemeinderat muss noch zustimmen.

Dass dieser den Empfehlungen der Lenkungsgruppe zur Zukunft des Kindergartens sowie des Ausschusses für Jugend, Familie und Senioren, die am Donnerstag gemeinsam tagten, folgen wird, steht außer Frage. Zum einen, weil alle politischen Gruppierungen in den Gremien vertreten sind. Zum anderen, weil die Vergleichsstudie, die Architekt Kai Vatter vom beauftragten Ingenieurbüro Vatter & Franz ( Hermersberg) vorstellte, ein eindeutiges Ergebnis brachte: Neu bauen ist die bessere Alternative.

Gebäudezustand schlechter als gedacht

Das habe ihn selbst überrascht, bekannte Vatter. Er sei ein großer Verfechter von Gebäude-Erhalt. Gerade, wenn es wie in diesem Fall um Sandsteingebäude gehe. In der früheren Burgalber Grundschule ist der kommunale Kindergarten untergebracht. Als er den Kindergarten zum ersten Mal betreten habe, sei er sich sehr sicher gewesen, dass saniert wird: „Auf den ersten Blick ist das Gebäude in einem guten Zustand.“ Je genauer und detaillierter man aber hinschaue, „umso deutlicher wird leider, dass der Zustand wesentlich schlechter ist, als zunächst erkennbar“.

Standortanalyse liefert Entscheidungsgrundlagen

Die Gemeinde befasst sich wie mehrfach berichtet schon länger mit dem Thema. Auch vor dem Hintergrund, dass die jetzige Raumsituation nicht zu 100 Prozent den Anforderungen entspricht, die eine Kindertagesstätte zu erfüllen hat, skizzierte Carina Klein von der Verbandsgemeindeverwaltung Waldfischbach-Burgalben, warum die sogenannte Standortanalyse in Auftrag gegeben wurde. Sie soll Entscheidungsgrundlagen liefern, zum Beispiel hinsichtlich Fläche, Raumbedarf, Kosten bei der Frage, ob neu gebaut oder das bestehende Gebäude saniert wird. Letztere Möglichkeit hat sich eröffnet, weil die Grundschule Heidelsburg mittlerweile an einem Standort in Waldfischbach zusammengefasst untergebracht ist. Die Verbandsgemeinde gab das frühere Schulgebäude an die Ortsgemeinde zurück.

Sinnvoll, gleich für vier Gruppen zu planen

Angesichts der aktuellen Entwicklung, die steigende Kinderzahlen prognostiziere, dazu das neue Kindergartengesetz des Landes, das die Betreuungsansprüche der Eltern deutlich ausweitet, gab Kindergartenleiterin Anja Schindler-Dums zu bedenken, dass es sinnvoll wäre, so zu planen, dass ein viergruppiger Kindergarten entstehen könnte. Die Kindertagesstätte bietet aktuell in drei Gruppen 65 Kindern Platz. Die Zahl der Plätze für Kinder im Alter von ein und zwei Jahren steigt auf 19. Schindler-Dums hatte bereits zu Beginn des Jahres bei einer Sitzung darauf hingewiesen, dass auch der Bedarf an Ganztagsbetreuung stetig steigt.

Kosten für Neubau und Sanierung gleich

Man habe sich bei der Analyse an Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz gehalten und die hinterlegten Zahlen für einen Kindergarten, der bis zu vier Gruppen Platz bieten kann, angenommen, erläuterte Vatter. Dabei wird pro Quadratmeter gebauter Bruttofläche ein Preis von 1770 Euro zugrunde gelegt. Macht unterm Strich für einen Neubau von 850 Quadratmetern Baukosten von 1,5 Millionen Euro.

Es möge nun wie extra so gerechnet aussehen, sagte Vatter, dass man bei den Kosten für eine Sanierung des bestehenden Gebäudes auch bei 1,5 Millionen Euro lande. Das sei aber Zufall. Man habe sehr reale aktuelle Zahlen vom Bau der Grundschule als Vergleichswerte ansetzen können – das Ingenieurbüro hatte den Schulbau verantwortet – und die Arbeiten wären im Kindergarten ähnlich, teils identisch.

Auch Folgekosten im Blick

Die Substanz des bestehenden Gebäudes sehe zwar gut aus, sei es aber nicht. Dach, Fenster, Türen müssten komplett erneuert werden. Das Gebäude sei dort, wo möglich, schon gedämmt. Mehr gehe fast nicht. Unter dem Gesichtspunkt künftiger Energieverbrauch habe das alte Sandsteingebäude in der Unterhaltung immer gravierende Nachteile gegenüber einem modernen Gebäude, verwies Vatter auf die Folgekosten der nächsten Jahrzehnte.

Komplett veraltet ist die Haustechnik, also Heizung, Elektro- und Sanitärinstallation. Ein Riesen-Nachteil sei, dass das bestehende Gebäude nur über mehrere Etagen verteilt den notwendigen Platz für den Kindergarten bietet. Das erfordert den Einbau eines Aufzuges. Dazu komme das Problem, dass die Fläche im Gebäude großzügig bemessen sei, aber sie lasse sich nicht sinnvoll aufteilen durch bauliche Maßnahmen. Dazu kämen sehr große Verkehrsflächen wie Flure, die nicht sinnvoll zu nutzen, aber mit zu sanieren seien, skizzierte Vatter.

Klare Richtung Neubau

„Das zeigt ja schon klar in Richtung Neubau“, fasste Bürgermeister Michael Oestreicher die ersten Reaktionen in den Gremien zusammen. Dafür sprachen weitere Faktoren, auch wenn dann die Frage zu klären ist, was mit dem bestehenden Gebäude passiert; die Abrisskosten hatte das Büro auf 250.000 Euro geschätzt.

„Wir haben den Vorteil, dass die Fläche da ist“, sagte Herbert Beihl zum Vorschlag des Ingenieurbüros, auf der Freifläche vor dem Kindergarten zu bauen. Egal, ob saniert oder neu gebaut wird: Es müsse mit einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren gerechnet werden. Für sie sprechen deshalb zwei Faktoren ganz klar für einen Neubau, sagte Schindler-Dums: Dass ein Neubau ebenerdig wäre, keinen Aufzug benötige, was die Arbeit deutlich erleichtere und die Sicherheit erhöhe, erinnerte sie an einen Sturz von der Treppe, den es im Kindergarten gab. „Für mich ist der Aspekt der Unfallgefahr bei einem Betrieb über vier Stockwerke ein ganz wichtiger“, sagte Lisa Mootz. Zum anderen, so Schindler-Dums, müsste der Kindergarten zwei Jahre geräumt werden während der Umbauphase. Wohin mit mindestens 65 Kindern und welche Kosten das verursacht, seien Faktoren, die zu bedenken seien. Wird neu gebaut, kann der Kindergarten bis zum Umzug weiter wie bisher genutzt werden.

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