Rheinpfalz Wald wie ein Schmuckkästchen
„Waldfischbach-Burgalben hat einen sehr schönen Wald. Darauf können sie stolz sein“, sagte Joachim Kuntz von der Zentralstelle der Forstverwaltung in Neustadt bei der Ratssitzung am Montag. Kuntz hat den Waldzustand genau erfasst und daraus den Handlungsrahmen für die Forstwirtschaft für die kommenden zehn Jahre abgesteckt, die Forsteinrichtung. Die segnete der Rat einstimmig ab.
Es lasse sich erkennen, dass dem Wald in Waldfischbach-Burgalben ein hoher Stellenwert zugemessen werde. So sei in schwierigen Zeiten darauf geachtet worden, dass der Wald in jeder Hinsicht seine Substanz erhalte, sagte Kuntz. Zwar sei erkennbar, dass während des Zweiten Weltkrieges und danach viel Holz aus dem Wald geholt worden sei, aber es zeige sich auch, dass die abgeholzten Flächen sofort wieder aufgeforstet wurden. Was heute noch gelte, habe damals schon gegolten, waren sich Kuntz und Revierleiter Christoph Wagner einig: „Es ist immer das Ziel der Forstwirtschaft, den nachfolgenden Generationen einen wertvollen Wald zu hinterlassen.“ Falls möglich, sogar den Wert des Waldes zu steigern, hatte Wagner bereits im Haupt- und Finanzausschuss erklärt. 547,6 Hektar Wald besitzt die Gemeinde. Auf 540 Hektar stehen Bäume, der Rest sind zum Beispiel Wege. Auch wenn der Wald unter dem trockenen Sommer litt, sei die Wasserversorgung über die vergangenen Jahre gesehen grundsätzlich sehr gut und ein wichtiger Grund für das gute Wachstum der Bäume. Bei der Waldbewirtschaftung seien viele gleichberechtigte Interessen zu beachten, verdeutlichte Kuntz. Dem Umwelt- und Naturschutz sowie der Aufgabe, ein Reinluftgebiet oder Wasserreservoir zu sein, komme Bedeutung zu. Der Wald sei Erholungsgebiet, Freizeitraum und Wirtschaftsfaktor. Die Diskussion, dass es am besten sei, wenn im Wald gar nichts mehr gemacht werde, „die kenne ich natürlich auch“, sagte Kuntz. Wenn ihm die Gemeinde in diese Richtung gehen wolle, „dann werde ich das bei meinen Empfehlungen berücksichtigen“, sagte er augenzwinkernd, woraufhin ihm Bürgermeisterin Anna Silvia Henne (SPD) bescheinigte: „Sie haben einen sehr schönen trockenen englischen Humor.“ Natürlich sei der Wald für die Kommune auch ein wirtschaftlicher Faktor. Aber Natur bewahren, machte Kuntz unmissverständlich klar, sei ein wesentlicher Bestandteil der Forstbetriebsplanung. Den Spagat zwischen all diesen Interessen sei die Aufgabe, für die die Forsteinrichtung den Rahmen vorgebe. Kein Förster schlage mehr ein, als notwendig sei. Das Prinzip der Nachhaltigkeit verfolge jeder. Dem Naturschutz werde im hiesigen Wald in höchstem Maß Rechnung getragen. Zum Beispiel durch zahlreiche Waldaußenränder mit Feldgehölzen und nicht bewirtschafteten Kleinflächen, die ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden – ideale Bedingungen für Flora und Fauna. Auch der hohe Laubbaumanteil und das zahlreich im Wald zu findenden Altholz seien aus Naturschutzgründen sehr hoch einzuschätzen. Wagner erläuterte, dass die Buche (35 Prozent) gemeinsam mit der Kiefer (21 Prozent) und der Fichte (16 Prozent) die Hauptbaumarten im Gemeindewald sind. Es folgen die Eiche (13 Prozent), Douglasie (9 Prozent) und die Lärche (5 Prozent). Zudem verfüge der Gemeindewald über einen sehr schönen Weißtannenbestand. Tannen machen ein Prozent aus. Dass im Wald nicht zuviel eingeschlagen wurde, darauf weist der gute Holzvorrat hin. Pro Hektar Waldfläche finden sich 244 Festmeter Holz. Ein guter Wert, unterstrich Kuntz. 3915 Festmeter Holz wachsen pro Jahr nach. Kuntz bescheinigte Wagner, in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet zu haben. Er habe dabei nachhaltig das angestrebte Ziel verfolgt, einen gesunden Mischwald zu bekommen, zum Beispiel durch verstärkte Eichenverjüngung. Angesichts des Klimawandels soll der Anteil auf 21 Prozent steigen, „weil die Eiche mit den veränderten Bedingungen gut klarkommt“, erläuterte Wagner. In den vergangenen zehn Jahren waren 14 Prozent mehr Holz eingeschlagen worden, als in der Forsteinrichtung vorgesehen. Das war der Buche geschuldet, die im geringwertigen Bereich stärker eingeschlagen wurde, um die Naturverjüngung des Waldes zu unterstützen. Die Buchenmengen waren in der abgelaufenen Waldeinrichtung etwas unterschätzt worden. Der Einschlag für die kommenden zehn Jahre wurde auf 3397 Festmeter festgesetzt und bleibt damit unter dem jährlichen Zuwachs. Verschiebungen, bedingt etwa durch die Borkenkäferplage, die einen Mehreinschlag an Käferholz erfordert, sind nicht ausgeschlossen.