Rheinpfalz Vorsitzender weiß: „Inklusion findet oft nur in den Köpfen statt“

Seit knapp 50 Jahren hilft die Behindertenhilfe Westpfalz Menschen, bei denen sich nach Unfall oder Krankheit von heute auf morgen alles ändert, die oftmals ohne Unterstützung nicht mehr weiter wissen. Ob es noch weitere 50 Jahre werden, ist fraglich. Dem Verein fehlt Geld.
Vorstand Rupert Schönmehl hofft auf Spenden und will neue Wege gehen. 2015 und 2016 sollen zwei besonders schöne Jahre für die Behindertenhilfe Westpfalz werden. Die Jahreswende möchte der Verein nutzen, um seinen 50. Geburtstag zu feiern. „Eine ganz wichtige Einrichtung“, sagt Schönmehl, wenn der Vorsitzende über die Behindertenhilfe spricht. Bewegt hat der Verein in seiner Geschichte einiges. 1966 unter Federführung von Mathilde Kahseböhmer und Hugo Wilhelm von 15 Elternpaaren gegründet, legte die Initiative mit Sitz in Landstuhl den Grundstein für das heutige Reha-Zentrum und die Westpfalz-Werkstätten für Behinderte. In den 1970er Jahren wurde die Trägerschaft an das heutige ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz abgegeben. Die Behindertenhilfe macht es sich zur Aufgabe, als Unterstützer und Berater für die Belange behinderter Menschen und deren Angehörige einzutreten. Ziel ist die volle Eingliederung behinderter Menschen in die Gesellschaft und die Anerkennung der Persönlichkeitsrechte. Oftmals kein einfaches Unterfangen, weiß auch Rupert Schönmehl. „Das Thema Inklusion findet in den Köpfen statt, leider aber nicht immer in den Herzen.“ Dennoch hat er beobachtet, dass sich viel verändert hat. „Dank der Amerikaner. Sie haben eine unkomplizierte Form, mit behinderten Menschen umzugehen“, sagt der Vorstand, bedauert aber auch: „Wir haben noch nicht die Gleichstellung der Behinderten, wie wir sie eigentlich haben müssten.“ Gut möglich, dass das so mancher im Kopf hat, der nach einem tragischen Unglück plötzlich mit einem behinderten Menschen zusammenlebt. Solche Personen möchte die Behindertenhilfe an die Hand nehmen, ihnen „durch das Gestrüpp der sozialen Unterstützung helfen“. Andererseits gehe es darum, Menschen zu vermitteln, loszulassen. Schönmehl: „Wir haben welche bei uns, die sich bis zum 90. Lebensjahr um die Betreuung ihrer behinderten Kinder kümmern. Sie sind nicht an den Punkt gekommen, um sich von ihnen zu trennen.“ Der Verein will zeigen, dass es wichtig ist, nach vorne zu schauen. „Nicht, dass das Kind hinter dem Sarg der Mutter im Rollstuhl aus der Wohnung gefahren wird.“ Schönmehl wählt drastische Worte, weiß aber, wovon er spricht. Er hat Verständnis für Eltern, die sich nicht von ihren behinderten Kindern trennen können, sie nicht in eine Einrichtung geben wollen. „Mir ist das damals auch nicht leicht gefallen.“ Er selbst hat eine behinderte Tochter, die ihn jedes Wochenende besucht. Schönmehl ist da kein Einzelfall: Viele, die sich in der Vorstandschaft engagieren, haben direkt mit Behinderten zu tun. Und sie alle wissen, wie wichtig die Hilfe ist. „Wir haben Verknüpfungen zu allen möglichen Hilfseinrichtungen, sprechen mit den Menschen auch über Dinge, über die man normalerweise öffentlich nicht reden würde, reden mit Krankenkassen, oder versuchen familienentlastende Dienste zu vermitteln.“ Drei Personen sind in der Beratungsstelle in Landstuhl beschäftigt, hinzu kommen rund 100 ehrenamtliche Betreuer. 1600 Mitglieder zählt die Behindertenhilfe. „Im Regelfall sind das Familien“, so Schönmehl. Viele seien wirtschaftlich belastet und auf Zuwendungen angewiesen. „Einige können sich den Jahresbeitrag von 24 Euro nur gerade so leisten.“ Um weiterhin Menschen helfen zu können, die dringend Unterstützung benötigen, fehle dem Verein das Geld. „Wir kommen mit einer schwarzen Null rum“, sagt Schönmehl. Patenschaften könnten helfen, das Problem zu lösen. „Um den Verein weiterhin dauerhaft seriös führen zu können, bräuchten wir 100 Paten, die sich verpflichten, 100 Euro im Jahr zu spenden“, rechnet Schönmehl vor. Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, eine Testamentsverwaltungsgesellschaft zu gründen. Man möchte sicher stellen, dass Behinderte ihren im Testament zugeschriebenen Teil auch erhalten. Dafür erhofft sich der Verein Aufwandsentschädigungen. Ein drittes Feld, mit dem sich die Behindertenhilfe, deren Verbreitungsgebiet sich von Stadt und Landkreis Kaiserslautern bis in die Kreise Südwestpfalz, Donnersberg und Kusel erstreckt, aufstellen möchte, ist die Sozialberatung. Schönmehl könnte sich eine Beratungsgesellschaft vorstellen, oder einen Verein im Verein für diesen Zweck. (ssl)