Rheinpfalz Von Marianne von der Leyen gestiftet

Neben der Linde: der Steinbacher Glockenturm.
Neben der Linde: der Steinbacher Glockenturm.

Es gibt mehrere Dörfer im Kreis Kusel, in denen ein Glockenturm steht. In Steinbach ist er eines der Wahrzeichen und wurde, zusammen mit anderen Symbolen zur Dorfgeschichte, in das Wappen aufgenommen. Der Turm ist zugleich ein Zeugnis für die Regierung der Reichsgräfin Marianne von der Leyen.

Der dreigeschossige Turm steht am Rand des alten Dorfkerns neben einer Linde, die 1849 als „Freiheitsbaum“ gepflanzt wurde. Er ist verputzt und durch zwei Simse gegliedert. Die Ecken sind durch sorgfältig behauene Quader betont. In jedem Stock gibt es vier Fenster, wobei die beiden unteren auf der Ostseite zugemauert wurden. Der achtseitige spitze Turmhelm hat vier Gauben mit Luken. Gelegentlich werden sie von Fledermäusen genutzt, die sich im Turm niederlassen. Über dem Eingang ist die Jahreszahl 1788 im Türsturz eingemeißelt. Im Inneren dient das unterste Stockwerk heute vor allem als Abstellraum für die Gemeinde. Hier werden Bänke gelagert, die bei Dorffesten gebraucht werden. Denn dann ist im Erdgeschoss eine Bar eingerichtet. Schmale Holzstiegen führen in die beiden oberen Geschosse. Im zweiten Obergeschoss hängt die kleine Glocke, die noch aus dem 15. Jahrhundert stammt. Sie wurde früher mit einem Seil geläutet, an das noch die Löcher in den beiden Fußböden erinnern. Inzwischen gibt es ein elektrisches Läutwerk, das die Glocke jeden Tag um 11 und um 17 Uhr erklingen lässt. Vom Glockengeschoss aus hat man einen guten Blick in den offenen Dachstuhl des Turms. Er wurde aus Eichenbalken gezimmert, die miteinander verzapft sind. Glockentürme wurden früher in Orten gebaut, in denen es keine Kirchen gab. Sie teilten den Menschen, von denen die meisten keine eigene Uhr hatten, die Zeit mit. Außerdem wurden sie bei Hochzeiten und Beerdigungen geläutet, die nicht „sang- und klanglos“ ablaufen sollten. Noch wichtiger war das „Alarmgeläut“, das einen Brand im Dorf meldete oder vor einer militärischen Bedrohung warnte. Der Steinbacher Glockenturm wurde von der Reichsgräfin Marianne von der Leyen (1745-1804) gestiftet, zu deren Herrschaft das Dorf gehörte. Sie war die Tochter des kurmainzischen Geheimrats Franz Heinrich von Dalberg und hatte 1765 den Grafen Karl Franz von der Leyen geheiratet. 1773 verlegte er seine Residenz von Koblenz nach Blieskastel, wo die Familie seit dem 15. Jahrhundert größere Besitzungen hatte. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 1775 übte Marianne von der Leyen fast 20 Jahre lang die Regentschaft für ihren Sohn Philipp (geboren 1766) aus. Sie war eine fortschrittliche Monarchin, die in ihrem kleinen Herrschaftsgebiet sehr viele Reformen durchführte. Dazu gehörte die wirtschaftliche Entwicklung ebenso wie die Verbesserung des Schul- und Gesundheitswesens. Eine der Maßnahmen, die zur Verbesserung der Infrastruktur beitragen sollten, war der Bau des Glockenturms.

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