Wolfstein
Kalkbergwerk: Sanierte Besucherbahn fährt wieder (mit Bildergalerie der ersten Fahrt)
Bereits Ende Oktober 2024 stimmte der Haupt- und Finanzausschuss der Verbandsgemeinde zu, Fördergelder über das Leader-Programm zu beantragen. Die Kosten für die Sanierung der Grubenbahn belaufen sich auf 151.393 Euro. Für ein Grubentelefon, das für zusätzliche Sicherheit im Fall der Fälle sorgen soll, wurden rund 1300 Euro fällig. Die Förderung beläuft sich auf 75 Prozent, daraus ergibt sich für die Grubenbahn ein Eigenanteil in Höhe von 38.804 Euro, für das Telefon von 325 Euro. Das seien Investitionen in die Sicherheit, Attraktivität und Zukunft, zeigten sich Gruber und sein Vorgänger Andreas Müller, der das Projekt maßgeblich vorantrieb, am Mittwochvormittag überzeugt.
Die Förderzusage kam im vergangenen Mai und damit mitten in der Saison, weshalb die Sanierung der Grubenbahn erst nach der Besuchersaison gestartet wurde, um Einnahmedefizite zu vermeiden. Im Herbst dann hob die Firma Fröhlich die Bahn mit dem Kran kostenlos von den Schienen und setzte sie – mehrere Monate und viele Sanierungsschritte später – auch wieder aufs Gleis.
Herausforderung für die Ingenieure
Bei der öffentlichen Ausschreibung für die Sanierung war nur das Angebot der Firma CE Cideon Engineering aus Chemnitz eingegangen. Die Firma arbeitet gewöhnlich an Vollbahnen, doch die Ingenieure Florian Zylla und Oliver Hahner fanden die Aufgabe spannend – und sie hatten dann auch einiges zu tun. „Das Hauptproblem waren die alten Motoren, die verschlissen waren und nicht ersetzt werden konnten. Sie wurden ausgetauscht“, berichtet Zylla. Überhaupt sei einiges an dem Bähnlein in die Jahre gekommen: Schaltschränke wurden nachgerüstet, ein Audiosystem eingebaut, neue, robustere Wagenübergangsstecker verbaut.
Hahner sorgte für einen barriereärmeren Einstieg an einem der Waggons. Die Bügelkonstruktion wurde verstärkt, um Haltegriffe anzubringen – aufgrund der niedrigen Deckenhöhe ein schwieriges Unterfangen. Zudem wurden neue Räder angebracht, Ketten erneuert und Lager ausgetauscht. Es wurde zwar viel gemacht, auch optisch unterscheidet sich die Bahn. „Aber im Kern ist es die Alte; sie hatte eine Erholungskur“, sagt Zylla und lacht. Um den Charme der Bahn zu erhalten und „keinen Ferrari daraus zu machen“, seien beispielsweise auch wieder passende, runde Lampen verbaut worden. Vier Stunden habe sie die Suche nach den perfekten LED-Lichtern gekostet, erzählen die Ingenieure.
Ober- und unterirdisch ist noch einiges zu tun
Die Bahn fährt weiterhin auf Stromschienen, die Idee eines Akkubetriebs wurde verworfen, da das Bergamt Mainz aufgrund erhöhter Gefahren wie Rauchentwicklung davon abriet. So tuckert die Bahn mit vier bis fünf Stundenkilometern langsam, aber sicher in den Berg. Die Stromschienen werden nach der diesjährigen Saison Ende November komplett erneuert. Bei der ersten Einfahrt ruckelte es am Mittwoch noch ein wenig, da die Schienen über ein halbes Jahr nicht genutzt wurden.
Um das Ausflugsziel und wichtige Industriedenkmal weiterhin erlebbar zu machen, müsse „es gepflegt, erhalten und weiterentwickelt werden“, sagt Gruber und berichtet, dass dafür weitere Bausteine geplant seien. Bereits beschlossen ist die barrierefreie Erneuerung des Zechenhauses. Das Werk als solches sei nicht barrierefrei zu erschließen, doch durch ein Smart-City-Projekt soll das frühere Bergwerk digital erlebbar werden. Letzteres ist durch eine Vollfinanzierung für die Verbandsgemeinde sogar kostenlos.
Info
Das Besucherkalkbergwerk kann an allen Sonn- und Feiertagen bis zum 1. November von 13 bis 18 Uhr spontan besucht werden. Die letzte Führung beginnt um 17 Uhr. Offene Weinproben im Stollen finden während der Saison jeden dritten Samstag im Monat statt, hier ist eine Anmeldung notwendig. Individuelle Weinreisen können unter kalkbergwerk@vg-lw.de oder 06382 791118 vereinbart werden.