Rheinpfalz Vom Tankbetrug bis zum Banküberfall

Placeholder-Image

Für den Betroffenen ist es höchst ärgerlich: Kennzeichenklau am Auto. Oft missbrauchen die Langfinger ihr Diebesgut für weitere Straftaten wie Tankbetrug oder Autoschieberei – manchmal sind es aber auch einfach nur dumme Streiche. Ein berühmtes Beispiel dafür: der Truck, der die Fußball-Weltmeister durch Berlin kutschierte. Auch sein Kennzeichen ist nun weg. Die RHEINPFALZ hat nachgefragt, wie häufig es im Kreis Kusel zu solchen Delikten kommt und was zu tun ist, wenn das Nummernschild weg ist.

Arno Heeling, Leiter der Polizeiinspektion in Lauterecken, fällt „kein Fall in näherer Vergangenheit“ ein. „Das Problem ist aber auch, wenn nur eines der beiden Nummernschilder fehlt. Dann kann es auch nur verloren gegangen sein“, erklärt er. Und bei einem einfachen Verlust könne die Polizei erst einmal nicht weiterhelfen, da zunächst mal nicht davon auszugehen sei, dass eine Straftat vorliege. Interessant werde es allerdings dann, wenn in der Werkstatt festgestellt wird, dass das Nummernschild nicht verlorengegangen sein kann, sondern abmontiert wurde. „Dann sollte man sich sofort melden, denn wir sind daran interessiert, eventuell folgende Straftaten schnellstmöglich zu verhindern“, erläutert der Inspektionsleiter. In diesem Fall werde der Fall ausgeschrieben und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Denn es gebe viele Möglichkeiten, wie der Dieb das Kennzeichen nutzen könnte: vom Tankbetrug, bei dem versucht werde, mit falschem Nummernschild die Videoüberwachung zu täuschen, bis hin zum Banküberfall. „Aber das ist bei uns im Landkreis eher untypisch“, meint Heeling. „Außerdem“, fasst er zusammen, „sind diese Gruppen, die betrügerisch tanken, im ländlichen Raum nicht zu Gange, sondern eher in größeren Städten.“ Auch dem Leiter der Polizeiinspektion Kusel, Gerhard Glaser, bereitet Kennzeichenklau momentan kein Kopfzerbrechen: „Das ist kein Phänomen, das uns Gedanken macht.“ Im Schnitt würden im Bereich der PI Kusel pro Jahr 80 gestohlene Nummernschilder gemeldet. „Im Vergleich zu unserer Gesamtfallzahl sind das weniger als vier Prozent“, erläutert Glaser. „Außerdem ist es schwer zu überprüfen, ob das Schild tatsächlich gestohlen ist. Fragen wir: ,Sind Sie sicher, dass es gestohlen wurde?’, kommt oft nur ein: ,Ich glaube, ja’ zurück“, erklärt er das Problem. Es sei daher oft schwierig zu beurteilen, ob es sich tatsächlich um einen Diebstahl oder lediglich um einen Verlust handelt. Deshalb würden generell alle Fälle als Diebstahl erfasst und gegen Unbekannt ermittelt. Oftmals habe man jedoch überhaupt keine Ermittlungsansätze und müsse den Fall einfach ruhen lassen. Verständnis für die Geschädigten hat Glaser aber: „Der wirtschaftliche Schaden ist natürlich ärgerlich. Man muss für ein neues Kennzeichen zahlen und hat den ganzen Büroaufwand.“ Dennoch falle das Delikt Kennzeichenklau für die Polizei in den Bereich der einfachen Kriminalität – im Vergleich zu anderen Delikten kaum relevant. „Man muss nur dann aufpassen, wenn es zu einer Diebstahl-Serie kommen sollte“, fasst Glaser zusammen. Welcher bürokratische Aufwand nach einem Kennzeichenverlust auf den Betroffenen zukommt, erklärt Ralf Rohe, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Dort belaufen sich nämlich allein die Kosten für die Umkennzeichnung eines Kfz-Briefs neuer Art auf mindesten 26,80 Euro. „Muss sogar ein neuer Brief ausgestellt werden oder fallen Gebühren für das Erteilen eines Wunschkennzeichens an, liegen die Gebühren bei 50 Euro“, erläutert Rohe. Dazu kommen dann auch noch die Kosten beim Schildermacher. Ärgerlich wird es zudem für diejenigen, die ein Wunschkennzeichen am Auto hatten – denn ein gestohlenes oder verlorenes Kennzeichen wird für zehn Jahre gesperrt. (uck)

x