Rheinpfalz Vom Klassenkasper zum Liedermacher

Rüdiger Kiktenko bei der Speyerer Narrenklage am Altpörtel. Seine Liebe zur Fasnacht ist fast so groß wie die zu seiner Heimatst
Rüdiger Kiktenko bei der Speyerer Narrenklage am Altpörtel. Seine Liebe zur Fasnacht ist fast so groß wie die zu seiner Heimatstadt.

«Speyer». Rüdiger Kiktenko ist eine Frohnatur. Dafür ist er in Speyer und rundherum bekannt. Auch für seine Aufsehen erregenden Auftritte in der Bütt des Carnevalvereins Rheinfunken (CVR), als Fasnachtsprinz und als Laienschauspieler. Jetzt hat der 42-Jährige noch einen drauf gelegt. Für seine Heimatstadt und für den Verkehrsverein ist er unter die Liedermacher gegangen und hat ein „Brezelfestlied“ gemacht.

„Das war weder beabsichtigt noch geplant“, sagt Kiktenko über das Lied. Der Text habe eigentlich zur Büttenrede werden sollen. Geboren worden sei die Idee bei einem Besuch bei Brezelfest-Freunden im nordrhein-westfälischen Bottrop-Kirchhellen. Er habe dort zunächst einen Trinkspruch zu Papier gebracht. „Aber ein Brezelfestlied kommt nicht von heute auf morgen“, betont Kiktenko. Nie zuvor sei er vor einem Auftritt so nervös gewesen wie vor der „Welturaufführung“ seines Speyer-Hits vor der Mitgliederversammlung des Verkehrsvereins, sagt er. „Alle waren begeistert, und ich wusste: Ich brauche eine neue Büttenrede.“ Kiktenko kann mit der Gitarre umgehen, mit Noten hat er es nicht so. Deshalb sei der Speyerer Musiker Udo Sailer ins Spiel gekommen. „Er untermalt das Brezelfestlied“, erklärt der Singer-Songwriter. Der Refrain („Ja, wir Speyerer feiern Brezelfest / Und ihr seid uns stets willkommene Gäst“) ist bereits an die Öffentlichkeit gedrungen. Über den Rest schweigt Kiktenko: „Mit dem kompletten Lied wollen wir bei der Bierzelt-Eröffnung überraschen.“ Kiktenko reimt und singt gerne und oft. Auch im Auto. Ohne ein Blatt Papier geht er nicht aus dem Haus. Das Haus des Speyerers steht übrigens in Waldsee: „In Speyer ist es unmöglich, etwas eigenes zu finden“, erklärt er den Umzug ins Umland. „Irgendwie ist aber doch alles in Speyer“, sagt er: Kiktenko arbeitet bei der Post in Speyer, ist Verkehrsverein und CVR treu geblieben und der Clique aus Schulzeiten. Nur die Laienspielgruppe, der er angehört, ist in Westheim. Aufgewachsen mit zwei Brüdern in der Altstadt, kennt der Künstler jeden Winkel und ziemlich viele Speyerer. Seinen Eltern Gabriele und Gerhard ist er dankbar für die unbeschwerte Kindheit rund um den Fischmarkt. Die von der Mutter ersehnte Tochter sei nicht gekommen. „Aber ich habe immerhin die langen Haare“, sagt Kiktenko und lacht. Die Fasnacht sei ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Als Kind sei er nur auf dem Speyerer Fasnachtsmarkt damit in Berührung gekommen. Als sein Bruder ihn Ende der 1990er-Jahre zu einem Faschingsball mitgenommen habe, habe er die Frau seines Lebens getroffen, berichtet Kiktenko von dem Abend, der sein Leben in zweierlei Hinsicht verändert habe. „Ich war sofort verliebt in mein Mädel und in die Fasnacht.“ Mit seiner Lustadter Frau teilt er seitdem das Leben, seine Leidenschaft für die Fasnacht, den Tanz, das Reisen und für Speyer. „Zurückkommen und den Dom wiedersehen ist das Schönste“, schwärmt Kiktenko von dem Ort, dem er eine Hymne geschenkt hat. Leute zu unterhalten, sei ihm ein Anliegen, berichtet er. Geübt habe er das als Ausbilder in der Kurpfalz-Kaserne und in der Klosterschule. „Ich war der Klassenkasper“, bekennt er. Kontakte zu knüpfen fällt Kiktenko nicht schwer. Auch in Waldsee nicht. Der dortige Fasnachtsverein habe für Fahrten während der Kampagne immer einen Platz für ihn im Bus, berichtet er. Vielleicht singt er als Dank dafür einmal das Speyerer Brezelfestlied für sie. Auch eine Brezelfestlied-CD schließt Kiktenko nicht aus. „Ich freue mich, wenn die Speyerer mit mir in meine Hymne einstimmen.“

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