Eisenberg Vom Handwerker zum Berater

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EISENBERG. Seinen Namen hat er nicht zu seinem Lebensmotto gemacht: Lothar Wandel beweist vielmehr eine ausgeprägte Sesshaftigkeit. Nicht nur, dass der 56-Jährige noch immer in Harxheim im Zellertal wohnt, wo er einst das Licht der Welt erblickt hat. Der Augenoptiker ist auch seit 35 Jahren bei der Delker Optik GmbH beschäftigt, davon gut 25 Jahre als Leiter des Hauptgeschäftes des Unternehmens in Eisenberg.

Am 1. September 1990 übernahm er die Führung des Ladens direkt aus der Hand von Rolf Delker, der die Firma 1978 gegründet hat. Als Wandel am 9. Februar 1981 in den Betrieb einstieg, waren nach Eisenberg und Frankenthal gerade die dritte und vierte Niederlassung in Grünstadt und Sinsheim eröffnet worden. Gegenwärtig besteht das Unternehmen aus 22 Filialen. Nummer 23 wird im April in Rheinhessen eingeweiht. „Es erreichen uns sehr viele Übernahme-Anfragen von Optikern, die aus Altersgründen aufgeben“, erzählt Wandel. Auf diese Weise habe Delker seinen Standort in Alzey gewonnen, vor zwei Jahren auch in Landstuhl sowie aktuell am 11. Februar im baden-württembergischen Gaggenau. Mehr als 130 Mitarbeiter hat die GmbH inzwischen. In Eisenberg sind es sieben und ein Lehrling. „Auszubildende haben wir immer; wir versuchen auch, sie zu übernehmen“, so Wandel. Mitunter steige der eigene Nachwuchs auch zum Filialleiter auf. Er selbst hat bei der Firma Groß in Kirchheimbolanden gelernt. Nach dem Abschluss 1979 und dem Wehrdienst kam er zu Delker. „Als ich anfing, waren wir in Eisenberg zu dritt“, erinnert er sich. Einige Monate war Wandel in der neuen Grünstadter Filiale, dann auch kurz in Frankenthal. Seit Sommer 1982 ist er ausschließlich in Eisenberg tätig. Wandel lobt das Betriebsklima, die hervorragende Abstimmung zwischen der Verwaltung Am Gielbrunnen und dem Team im Geschäft. „Wir werden in die Entscheidungen einbezogen.“ Die Arbeit am Kunden habe sich im Lauf der Zeit aber stark verändert. „Früher waren wir Optiker hauptsächlich Handwerker, heute sind wir Berater für gutes Sehen“, so Wandel. Die Anfertigung von Brillen sei mehr und mehr an die Industrie delegiert worden. „Vor rund zehn Jahren haben wir eine Zentralwerkstatt für unser Unternehmen eingerichtet.“ Die Nachfrage nach Sehhilfen steige nicht nur aufgrund des demografischen Wandels, sondern auch, weil die Herausforderungen für die Augen zunähmen. Bei Entfernungen ab 40 Zentimeter könnten sie ganz entspannt gucken, doch die Monitore der Bildschirmarbeitsplätze und die Displays von Smartphones und Tablets seien oft näher dran. Hinzu komme, dass blaues Licht die Augen ermüde und der Straßenverkehr ihnen immer mehr abverlange. Anfang der 1980er war auch die Bestellung übers Internet noch kein Thema. Das sei es für die meisten Kunden bis heute nicht. „Über unseren Online-Shop werden vor allem Kontaktlinsen und die dazugehörigen Pflegemittel geordert“, berichtet er. Ihre Brillen kaufe die Mehrheit der Kunden ganz klassisch im Geschäft – zum einen, weil man die verschiedenen Modelle dort anprobieren könne, zum anderen, weil die Auswahl mit zirka 1200 Kollektionsfassungen zu umfangreich sei, um sich mit der Maus hindurch zu klicken. Alle paar Monate kämen neue Produkte auf den Markt. Wer eine (neue) Brille benötige, bekomme zunächst einen kostenlosen Sehtest. „Stellen wir Anzeichen für eine Augenerkrankung fest, schicken wir die Kunden zum Arzt“, sagt Wandel, der den täglichen Umgang mit Menschen schätzt. Auf die Frage, ob Augenoptiker sein Traumberuf sei, erzählt der begeisterte Wanderer, der früher intensiv Fußball gespielt und Jugendkicker trainiert hat, dass er fast Polizist geworden wäre. Die erste Prüfung für die Aufnahme an der Polizeischule hatte er schon erfolgreich absolviert, die zweite stand noch an. „Doch dann bekam ich die Zusage für einen Ausbildungsplatz bei der Firma Groß in Kirchheimbolanden, wo mir auch schon das Praktikum gut gefallen hatte.“

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